Kunstwerke in Corona-Grafikmappen veröffentlicht

Schwäbische Zeitung

Künstlerinnen und Künstler aus der Region haben ihre individuellen Eindrücke der Corona-Pandemie auf vielfältige und eindrucksvolle Weise verarbeitet. Die Werke sind nun in zwei „Corona“-Kunstmappen des Kulturamts des Bodenseekreises veröffentlicht, wie das Kulturamt schreibt. Entstanden sind die Mappen im Rahmen eines im November 2020 vom Kulturamt ausgeschriebenen Wettbewerbs. 34 freischaffende Künstlerinnen und Künstler, die im Bodenseekreis leben und arbeiten oder von hier stammen, haben daran teilgenommen. Eine Jury hat insgesamt zwölf Werke ausgewählt, aus denen zwei Grafikmappen mit je sechs Arbeiten zusammengestellt wurden. Sie sind für je 240 Euro erhältlich.

Viele Künstlerinnen und Künstler litten unter den fehlenden Ausstellungen und gegenseitigen Austauschmöglichkeiten und verbrachten daher ihre Zeit seit dem Lockdown fast ausschließlich im Atelier. Die verwirklichten Ideen und Ansätze zeigen trotz der Einschränkungen eine große Vielfalt und Produktivität.

In Mappe A sind Arbeiten von Nandor Angstenberger, Fryderyk Heinzel, Joanna Klakla, Hubert Kaltenmark, Marisa Kienle und Marcus Schwier enthalten. Nandor Angstenberger ist im Bodenseekreis aufgewachsen und lebt heute als freier Künstler in Berlin. Mit „Paradies offline“ bringt er seine Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu einem „normalen“ Leben zum Ausdruck. Der Maler und Fotokünstler Fryderyk Heinzel spielt in seiner „Fotomanipulation“ aus der Serie „Permanent Vacation“ mit dem Thema der Langeweile vor dem Hintergrund der Bodenseelandschaft. Mit „Mother nature watching“ kritisiert dessen Frau Joanna Klakla den Umgang des Menschen mit der Natur. Beide stammen aus Polen und leben seit 2008 in Überlingen.

Marisa Kienle, 1996 geboren, arbeitet seit 2020 als freischaffende Künstlerin in Azenweiler im Deggenhausertal. Sie hat „Corona“ wörtlich genommen und eine blutrote Krone auf schwarzem Hintergrund erschaffen, die ein wenig an eine Dornenkrone erinnern mag. Eher kontemplativ geht der Düsseldorfer Fotograf mit Salemer Atelier Marcus Schwier das Thema an. Er greift unter dem Titel „Keine Aussicht“ eine der typischen Nebelsituationen in der herbstlichen Bodenseeregion auf. Es wirft die Frage auf, ob sich der Nebel lichtet oder noch weiter zunehmen wird.

Mappe B enthält Arbeiten von Therese Brückmann-Olivier, Barbara Ehrmann, Detlef Fellrath, Felicia Glidden, Inge Kracht und Sigrun C. Schleheck. Die in Überlingen lebende Therese Brückmann-Olivier bietet mit „CORONA“ eine grafisch-lineare Auflösung dieses Wortes an. Sie fragt: „Wer will dieses Wort noch hören?“ Aber jedem Buchstaben des aufgelösten Begriffs wird eine neue Bedeutungsassoziation zugeordnet. Auf das Thema des Atmens zielt Barbara Ehrmann, die im Bodenseekreis aufwuchs und heute als freie Künstlerin im Kreis Ravensburg lebt. In „Human breathing“ präsentiert sie in Atemwolken eingeschlossene und isolierte Kopfwesen.

Felicia Glidden, geboren 1966 in Minneapolis, Minnesota, lebt als freischaffende Künstlerin in Friedrichshafen. Ihr „Selbstporträt mit George Morrison“ verbindet die eigenen Erfahrungen von langen Stunden vor dem Computer verbrachter Zeit und den kunsthistorischen Vorbildern dunkler Radierungen von Rembrandt. Inge Kracht aus Langenargen nennt ihre an Manga-Comics erinnernde Arbeit „Imagine Covid“. Die Malerin Sigrun C. Schleck aus Überlingen-Nesselwangen sieht in ihrer Arbeit „Bedenkzeit“ eine Art eigene Zustandsbeschreibung.

Die Jury, bestehend aus der Leiterin des arts program der Zeppelin University, Ulrike Sheperd, dem Chef des Kunstmuseums Singen, Christoph Bauer, sowie der Leiterin der Kreisgalerie, Heike Frommer, hat die besten zwölf Arbeiten ausgewählt und mit jeweils 1000 Euro honoriert. Alle weiteren Teilnehmer erhielten 200 Euro als Aufwandsentschädigung.

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