Kunsthaus Caserne eröffnet mit Foto-Ausstellung

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 Katzen im Garten: Alwin Maigler hat das Gespür für den richtigen Moment.
Katzen im Garten: Alwin Maigler hat das Gespür für den richtigen Moment. (Foto: Alwin Maigler)

Die Galerie Plattform 3/3 heißt jetzt Kunsthaus Caserne und die erste Ausstellung ist vielversprechend. Der junge Berufsfotograf Alwin Maigler aus Riedlingen zeigt einen Querschnitt seiner Arbeiten: Porträts, Stillleben, Modefotografie und vieles dazwischen.

Koordiniert wird das Kunsthaus Caserne von Sylvio Godon. Er möchte, dass das Kunsthaus für möglichst viele Stilrichtungen und nicht zuletzt für junge Künstler offen ist. Etwa neun Ausstellungen sollen in diesem Jahr zu sehen sein – darunter von Künstlern, die bereits von der Plattform 3/3 bekannt sind, wie Detlef Fellrath, Herbert Stehle, Andrea Lohrmann oder Brigitte Messmer. Am ersten Oktober-Wochenende wird Nana Dix ausstellen, die Enkelin von Otto Dix. Sie zeigt Malerei, Collagen und Videos. Dabei beschränkt sie sich nicht auf den Galerieraum. Weil sich in diesem Jahr der Todestag von Otto Dix zum 50. Mal jährt, soll im Kunsthaus Caserne außerdem am 25. Juli, Dix’ Todestag, ein Vortrag zu seinem Werk stattfinden.

Hier Künstler aus der Region, dort Otto Dix: das neue Kunsthaus mag es disparat. Aber das passt zu den verschiedenen Präsentationsformen, die das Kulturhaus Caserne bietet. Künstler wie Monet und Michelangelo sind regelmäßig gegenüber der Galerie zu Gast, zumindest auf der Leinwand: in Filmen über die großen Ausstellungen der Welt, die im Casino Kulturraum zu sehen sind. Wenn die räumlichen Grenzen der Kunst im Kulturhaus nicht mehr klar abgesteckt sind, bieten sich ihr erweiterte Möglichkeiten.

Das neue Kunsthaus will experimentieren, will sich ausprobieren. Dazu passt bei der Eröffnung die musikalische Einlage von Gisela OGrady-Pfeiffer und ihrer singenden Säge. Der Musikerin gelingt ein ebenso lyrischer wie skurriler Auftritt. Der Klang ihres Instruments erinnert an einen Sopran mit viel Metall in der Stimme – einem geisterhaften Sopran, der mal die Arie der Königin der Nacht singt, mal zu einem Klavierstück von Chopin seufzt.

Auch Alwin Maiglers Fotografien haben eine Eigenschaft nicht: Kälte. Jedoch am kühlsten sind sie, wenn er als Modefotograf arbeitet. Da liegt die Kühle, die gern als Coolness verkauft wird, im Genre begründet. Einige von Maiglers Aufnahmen scheinen die Spielregeln aber zu unterlaufen. Beispielsweise lichtet er zwei Modelle aus so großer Entfernung ab dass die Kleider, die sie tragen, gar nicht mehr richtig zu erkennen sind. Die beide Frauen stehen am Rand eines kahlen Abhangs, wirken apathisch, fremd –- und zünden beim Betrachter Bilder, die schon er im Kopf trägt. Wirken sie nicht so aus der Welt gefallen wie David Bowie, im Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“? Maigler legt die Aufgabe, ein Modefoto zu liefern, so eigenwillig aus, dass es sich selbständig macht. Ebenso spielt er mit den Konventionen bei einer anderen Aufnahme: Das zur Schau gestellte Kleid ist darauf bestens zu erkennen. Aber mitten durch das Gesicht der Frau, die es trägt, läuft eine schwarze Schattenlinie und löscht es zu großen Teilen aus. Niemand achtet jetzt noch auf das Kleid – die Blicke wandern zum Gesicht, weil es ein Geheimnis besitzt.

„Zwischen Licht und Schatten“ nennt Maigler diese Ausstellung und schärft diesen Zwischenraum, indem er das Motiv im Spiel von Schatten und Licht zum Umriss verknappt. Hier etwa: Eine Frau sitzt in einem dunklen Zimmer, vor einem halb geöffneten Rolladen. Das grelle Gegenlicht arbeitet die nackte Schulterpartie in messerscharfen Linien heraus. Nur der Rauchfaden einer Zigarette hat freies Spiel. Seinem weißen Gekräusel spannt die Dunkelheit die schwarze Leinwand auf. Hier wird eine Fotografie zum Film noir.

Authentische Porträts

Vor allem aber sind da Empathie und Wärme. Lena Reiner, die die Ausstellung kuratiert, hat sich in Maiglers Porträt der 94-jährigen Riedlinger Künstlerin Gerda Sorger verliebt. Die alte Dame sitzt in einem Lehnstuhl, hinter ihr ein dunkles Klavier, ein Bücherstapel. Sie legt die Hände in den Schoß und setzt für die Kamera kein besonderes Gesicht auf. Genau das muss ein Fotograf erst einmal schaffen.

Und dann sind da Momente, da winkt die Gunst des Augenblicks wie bei Henri Cartier-Bresson. Nur dass Maigler dabei in Schwarzweiß keine belebte urbane Szene ablichtet, sondern zwei schwarze Katzen, die vor blendend heller Gartenkulisse an seinem Objektiv vorbeistromern.

Fotografie befindet sich innerhalb der Kunst wieder in einer randständigen Zone, weil inflationärer denn je geknipst wird und jeder sich für einen Fotografen hält, sagt Lena Reiner. Nun ja; es gibt Unterschiede, wie man bei Alwin Maigler sieht.

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