Mit Kinderrechten beschäftigen sich die Malerin Sabine Braisch (links) und die Bildhauerin Felicia Waldecker in der Ausstellung
Mit Kinderrechten beschäftigen sich die Malerin Sabine Braisch (links) und die Bildhauerin Felicia Waldecker in der Ausstellung im Fallenbrunnen. (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)
Gudrun Schäfer-Burmeister

In der Galerie Kunsthaus Caserne setzen sich drei Künstlerinnen mit dem Thema Kinderrechte auseinander. Anlässlich des 30. Jahrestages der UN-Kinderrechtskonvention, in der sich die UN-Mitgliedsstaaten verpflichtet haben, Kindern mehr Rechte zu gewähren, zeigt die Ausstellung in den Räumlichkeiten im ersten Stock drei sehr unterschiedliche Herangehensweisen, geprägt von den persönlichen Empfindungen und Ausdrucksformen der Künstlerinnen. Im zweiten Obergeschoß sind Arbeiten aus dem Jugendzentrum Molke und der Gemeinschaftsschule Graf Soden zu besichtigen, in denen der Protest der Fridays for Future Bewegung exemplarisch mit Gedanken über Kinderrechte kombiniert werden.

Wer die Treppe in den ersten Stock überwunden hat, wird von einem Pappmascheemädchen der Bildhauerin Felicia Waldecker empfangen, das auf einem Stuhl sitzend unmittelbare Beschützerinstinkte auslöst, dem man gleichzeitig über die Wange streicheln will – so lebensecht schaut es drein – und das doch erkennbar papiergemacht und damit leblos ist. An der Wand hängen Porträts der Malerin Sabine Braisch von Kindergesichtern und Körperabschnitten, denen kein Kopf gegeben ist. Matte Farben, gedeckte Pastelltöne und verloren blickende Wesen erzeugen einen Eindruck von Melancholie. Skulpturen und Bilder weisen den Weg in den Ausstellungssaal. Dort wird der Blick auf die niedrige Bühne gelenkt, der einer beklemmend anmutenden Wohnzimmer-Szenerie gleicht. Eiche rustikal mit abgewohntem Polstermobiliar, ein Fernseher, der – wenn die Technik funktioniert – Fotografien zeigt, zu denen es über Kopfhörer etwas auf die Ohren gibt. Aus kleinen, auf dem Podium verteilten Lautsprecherboxen ist etwas Gesprochenes zu hören. Zwischendrin liegen Spielsachen herum, Texte und Bücher über Erziehung und schwarze Pädagogik können angeschaut werden.

„Childhood never stops“ nennt Julia Lyadnova ihre Mixed-Media-Installation. Von drei Wänden blicken die Kinderporträts und Figuren von Sabine Braisch, die sie zum Thema Kinderrechte ausgewählt hat. Zwischen der Entstehung einzelner Bilder liegen bis zu zehn Jahre, in denen das Kind älter geworden sein mag, nicht aber das, was seine Mimik und die Farbgebung an Emotionen ausdrücken.

Felicia Waldeckers Skulpturen wirken auf erste Sicht ästhetisch kühl. Wer nähertritt, liest menschliche Ausdruckskraft in den Gesichtern und Manifestationen von Erziehung in den eingebauten Textelementen. Ob diese wie Glasschichten als Glaubenssätze im Kopf feststecken oder in Form einer körperschützenden Vesperdose einen Panzer aus persönlichkeitsförderlichen Geboten bilden, zeigt die Wirkung dessen, was Kindern eingetrichtert wird. In der Laudatio zitiert Lena Reiner aus zwei epochal wichtigen Erziehungsratgebern. „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer wurde 1934 zum ersten Mal aufgelegt. Jahrzehntelang prägten die restriktiven Ratschläge die Kindererziehung in Deutschland. Die letzte überarbeitete Auflage des Millionensellers erschien 1987. Darin heißt es beispielsweise: „Am besten ist das Kind in einem eigenen Zimmer untergebracht, in dem es dann alleine bleibt.“

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