Kulturszene in Friedrichshafen braucht ein Netzwerk

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Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer Stadtmarketing GmbH (links), moderiert den Workshop.
Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer Stadtmarketing GmbH (links), moderiert den Workshop. (Foto: Ralf Schäfer)

Ein großes Ziel: das erste gesamtstädtische Kulturentwicklungskonzept. Damit will die Stadt nicht nur eine Bestandsaufnahme der kulturellen Aktivitäten vornehmen, sondern Kultur „ermöglichen und nachhaltig fördern“, wie Bürgermeister Andreas Köster beim Workshop am Montag in Berg erläuterte.

Es sei eben nicht Aufgabe einer Stadt, Kulturprogramme zu etablieren und zu bestimmen oder zu definieren. Mit dem ersten Kulturentwicklungskonzept soll geklärt werden, wie die Kulturarbeit in der Stadt ausgerichtet ist und wo sie stattfindet. Das Konzept soll auch nicht für die nächsten 20 Jahre in Stein gemeißelt sein, sondern sich weiterentwickeln. Köster nannte in diesem Zusammenhang Schlagworte, Eigenschaften, die die Kultur beschreiben könnten: „niederschwellig, facettenreich, zielgruppenorientiert, Freiräume bespielend, selbstständig und anspruchsvoll“.

Der Kultur- und Sozialausschuss hatte im April den Arbeitsauftrag weitergegeben, jetzt in Workshops und mittels einer Online-Umfrage auf dem Portal „www.mach-mit.friedrichshafen.de“ die öffentliche Meinung abzufragen und die Diskussion zu starten. Ein erster Schritt dazu war der Workshop im Berg, zu dem alle geladen waren, aber nur wenige erschienen.

„Bekannte Gesichter“ saßen hier im Bürgersaal, um sich in fünf Gruppen nacheinander mit den fünf Themen „Kulturförderung“, „Spielorte“, „Zielgruppen“, „Marketing“ und „Kultur-Tafel“ zu befassen. Zentrale Erkenntnisse und Ergebnisse werden jetzt von Sabine Wiggenhauser, Referentin von Bürgermeister Andreas Köster, sowie dem Geschäftsführer der Stadtmarketing GmbH, Thomas Goldschmidt, zusammengetragen und veröffentlicht.

Die Diskussionen in den Gruppen orientierten sich an den bereits erkannten Schwächen der Häfler Kultur: eine gemeinsame Vermarktung fehlt, Förderung von Einzelprojekten ist nicht möglich, „Junge Kultur“ findet kaum statt, zwischen den Akteuren gibt es wenig Austausch, verschiedene Örtlichkeiten müssen saniert werden, spezielle Inhalte im Angebot fehlen. Besonders drückt der Schuh offenbar bei den Themen Marketing und Vernetzung. Es fehle an einer zentralen Anlaufstelle, die ein Verzeichnis aller Spielstätten habe, in dem die dortigen Veranstaltungen aufgelistet seien und die gleichzeitig einen gemeinsamen Terminplan führe. Diese Stelle könnte auch für einheitliche Vermarktung zuständig sein, um der Kultur in dieser Stadt eine Identität zu geben. Das war zusammenfassend Aussage aus den Gruppen, die sich mit „Ort“ und „Vermarktung“ beschäftigt haben.

Bei der „Kulturförderung“ gehe es nicht nur um finanzielle Unterstützung, so ein Ergebnis aus der Gruppe. Es sei auch Hilfe für freie Gruppen erforderlich und Beratung, wo Fördermöglichkeiten zu finden sind. Das könne ebenfalls Leistungsmerkmal eines aufzubauenden Netzwerkes sein. Großes Thema aber war auch die fehlende Kneipenkultur in Friedrichshafen, wegen derer viele Menschen lieber nach Konstanz oder Ravensburg fahren würden. Die Workshopteilnehmer kamen darauf immer wieder zu sprechen.

Meinungsbildung geht weiter

Ganz entgegen dem Anspruch des Kulturentwicklungskonzeptes stand hingegen die Aussage aus der Arbeitsgruppe „Zielgruppe“, man brauche nicht noch mehr Spartenkultur, was man habe, sei genug. Ansonsten stand der Wunsch in dieser Arbeitsgruppe im Vordergrund, für alle Altersgruppen Angebote vorzuhalten.

Der Meinungsbildungsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen, im Herbst 2018 sollen Expertenworkshops folgen. Die Auswertung soll im Winter stattfinden, von Januar bis März 2019 sollen Diskussionen, Zwischenberichte und schließlich die Verabschiedung des Kulturentwicklungskonzeptes durch den Gemeinderat erfolgen.

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