Kultmusiker Donikkl elektrisiert die Kinder

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Wenn der Donikkl singt und tanzt, machen’s ihm alle nach. Gerne ist das Stadtorchester unter „Chef“ Gilson als Hintergrundba (Foto: chv)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

„Das ist lebendige Kultur!“, hat Donikkl am Ende der „Kids Winds“ gerufen, nachdem er die Kinder wie ihre erwachsenen Begleiter im großen Saal des Graf-Zeppelin-Hauses zum Singen und Tanzen verführt hatte. Toll, dass das Stadtorchester für sein erstes Kinderkonzert der „New Winds“ gleich einen solchen Knüller serviert hat.

Kinder an die Musik heranführen, zum selber Musizieren verführen, das war das erklärte Ziel. Daher war der Nachmittag im GZH auch dreigeteilt. Schon um 15 Uhr warteten im Foyer Lehrer der Musikschule mit Unterstützung von Musikhaus Schäfer auf Kinder, die selber Instrumente ausprobieren wollten. Da mussten sie nicht lange warten, schnell bildeten sich kleine Schlangen.

stertert

Mit großer Geduld widmet sich Saxofonlehrer Frank Schüssler den kleinen Kandidaten, lässt sie erst ins Mundstück blasen, setzt dann das Instrument an. Mit vollen Backen ist Amelie dabei, die Freundin wartet schon, sie kann Klarinette spielen und will jetzt das Saxofon probieren. Nebenan stehen Alain Wozniak und Sigrun Meschenmoser mit Klarinetten, Ulrike Sailer mit der Querflöte, gegenüber wartet Thomas Unger mit der Trompete, und bei Harald Fuchsloch bearbeitet ein Vierjähriger mit großem Eifer ein Drumset. Man versteht kaum das eigene Wort, aber den Kindern macht’s Spaß, sie sind mit Eifer dabei. Am Verkaufsstand für Fanartikel wird derweil Donikkl im kunterbunten Outfit umringt von seinen Fans. In sprühender Laune gibt er Autogramme, lässt sich mit den kleinen Fans fotografieren. Die sprühende Laune ist nicht aufgesetzt, sondern kommt ganz echt, ganz natürlich herüber, auch nachher beim Konzert.

Um 16 Uhr ist erst das Stadtorchester dran. David Gilson hat sich vorgenommen, alle Orchesterinstrumente einzeln vorzustellen, angefangen bei der großen Trommel, deren Druck es schafft, eine Kerze auszublasen. Da flötet das Piccolo, Gilson bläst auf dem Rohrblatt – und Donikkl, der ihm über die Schulter schaut, hält sich die Ohren zu. Natürlich klingt das Rohrblatt gleich ganz anders, wenn es in der Klarinette, der Oboe und dem Englischhorn steckt. Über den Saxofonchor, der „Yesterday“ spielt und einen singenden Gartenschlauch geht’s weiter bis zur mächtigen Basstuba. Zum Beweis, was die Instrumente zusammen können, spielt das Stadtorchester Morgenerwachen und Sturm aus Rossinis „Wilhelm Tell“ und zuletzt mit voller Power den Soundtrack zum Zeichentrickfilm „Tom und Jerry“. Donikkl hockt dabei inmitten einer Schar von Kindern vor der Bühne und hört zu. Zuletzt wird den Jüngsten die gut gemeinte musikalische Lehrstunde etwas lang, sehnsüchtig erwarten sie, dass Donikkl die Regie übernimmt.

Nach der Pause ist es endlich so weit. Donikkls kunterbunte Band steht vor dem Stadtorchester, das sich mit seinen roten T-Shirts mit Aufschrift „So a schöner Tag“ in seiner neuen Aufgabe als Hintergrund-Bigband bestens macht. Auf Gilsons Rücken prangt die Aufschrift „Chef“, doch Chef ist jetzt Donikkl. Der legt los mit „Jetzt kommt die Sonne raus“ und „Heut ist unser Tag, wie sind klug und stark“. Wie ein Gummiball hüpft und wirbelt er über die Bühne und schnell machen’s die begeisterten Kinder ihm nach. „Ist’s euch auch schon so heiß?“, fragt er und schon geht’s weiter mit „Wenn der Osterhase mit dem Nikolaus in die Disco geht“ und „Wir sind die kleinen Monster“. Jedes Mal dürfen andere „kleine Monster“ zu ihm auf die Bühne und beim Hula Hula sollen auch die Großen feste „mit dem Popo wackeln“. Es ist mitreißend zu beobachten, wie der Kultmusiker, dessen Lieder um die ganze Welt gehen, mit Kindern umzugehen weiß, wie er sie zum Singen und Tanzen bringt. Recht hat er, wenn er zuletzt ruft: „Das ist lebendige Kultur, sagt es weiter!“

Wer das Konzert versäumt hat, darf sich auf zwei Termine freuen: Donikkl kommt am 1. Februar 2014 wieder nach Friedrichshafen, und zwar ins Dornier Museum, und das Stadtorchester gibt nächsten Sommer, am 1. Juni, wieder ein Konzert unter dem Motto „Kids Winds“.

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