Die Aufschrift auf dieser Stele dürfte demnächst geändert werden. Das Klinikum Friedrichshafen will das Haus von den Waldburg-Ze
(Foto: pr)
Gunnar M. Flotow

Die Übernahme des Tettnanger Krankenhauses durch das Klinikum Friedrichshafen ist einen Schritt weiter: Der Kreistag des Bodenseekreises, dem fünf Prozent des Hauses in Tettnang gehören, hat am Dienstagabend einstimmig grünes Licht gegeben.

Seit Montag liegt das offizielle Okay des Bundeskartellamts zur geplanten Krankenhausübernahme dem Landratsamt vor. „Das Zusamenschlussvorhaben erfüllt nicht die Untersagungsvoraussetzungen“, heißt es in ziemlich sperrigen Deutsch in dem Schreiben der Bonner Wettbewerbshüter. Ein Überweisungsträger war übrigens auch beigefügt. 1000 Euro muss der Kreis für den Behördenakt bezahlen.

Konkret bedeutet die Genehmigung der Bonner, dass das Klinikum Friedrichshafen den Waldburg-Zeil Kliniken 94,9 Prozent der Geschäftsanteile des Krankenhaus Tettnang abkaufen darf. Die verbleibenden 5,1 Prozent hält weiterhin der Bodenseekreis.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass wir das erreicht haben“, sagte Landrat Lothar Wölfle zu der Übernahme und erinnerte daran, dass das Bundeskartellamt auch schon mal Klinikfusionen in Baden-Württemberg untersagt habe, zum Beispiel im Mai dieses Jahres im Landkreis Esslingen.

„Die CDU begrüßt die nun auch kartellrechtlich mögliche Übernahme ausdrücklich“, erklärte Fraktionssprecher Dieter Hornung und erinnerte daran, dass „wir bei der Entwicklung des Tettnanger Hauses die Verantwortung für eine optimale Krankenhausversorgung im Raum Tettnang übernehmen“. Er zeigte sich überzeugt, „dass nur die Einbindung in größere Strukturen eine optimale Gesundheitsversorgung in der Fläche langfristig absichern kann“.

Über die frohe Botschaft aus Bonn herrschte auch bei den Freien Wählern große Freude und Erleichterung. „Die kommunale Familie, der Kreis und die Stadt, rücken in diesem Kernbereich der Daseinsvorsorge zusammen“, erklärte Simon Blümcke. Der Bürgermeister von Hagnau lobte die Garantien, die das Klinikum Friedrichshafen gegeben habe, und sendete auch einen klaren Appell nach Stuttgart und Berlin: „Der Bund und das Land als Regelgeber und Finanzier für funktionierende Krankenhauslandschaften muss nun liefern. Ein System, das chronisch unterfinanziert ist und nur in Pauschalen denkt, kann nicht ausschließlich durch die Vernunft der kommunalen Familie erhalten werden.“

SPD-Mann Norbert Zeller sprach von einem optimalem Gesundheitsangebot in der Region und würde es begrüßen, wenn auch in benachbarten Landkreisen „nicht der engstirnige Blickwinkel“ dominieren würde.

„Wir müssen weiterhin ein Auge auf Tettnang werfen. Die Situation bleibt schwierig, so lange der Kostendruck auf dem Rücken von Patienten und Personal lastet“, sagte Christa Hecht-Fluhr, Chefin der Grünen-Fraktion.

An eine „bessere Situation für Beschäftigte und Patienten“ glaubt Roland Biniossek von den Linken.

Die Übernahme des Tettnanger Klinikums steht heute auch auf der Tagesordnung im Häfler Gemeinderat. Beginn der Sitzung ist um 16 Uhr im Rathaus

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