Mit einem sehr vielseitigen Programm hat die italienische Pianistin Saskia Giorgini am Sonntagmorgen im Kiesel begeistert.
Mit einem sehr vielseitigen Programm hat die italienische Pianistin Saskia Giorgini am Sonntagmorgen im Kiesel begeistert. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

„Noch nie hat mich ein Earthquake-Konzert enttäuscht“, hat eine begeisterte Besucherin am Sonntagmorgen beim Verlassen des Kiesels gesagt. Durch hohe künstlerische Qualität hat sich die Reihe der sonntäglichen Klavierkonzerte längst einen Namen gemacht, auch diesmal mussten wieder Zusatzstühle auf die Bühne gestellt werden, so groß war der Andrang zur italienischen Pianistin Saskia Giorgini.

Bildhübsch und charmant ging die Gewinnerin des Mozart-Wettbewerbs 2016 in Salzburg im raffinierten rückenfreien Glitzer-Shirt zu schwarzer Hose ans Klavier, doch entscheidend war ihr reifes, kultiviertes Spiel.

Lebhaftes Presto

Bezaubernd war es, bei Beethovens „Waldstein“-Klaviersonate op. 53 das flinke Spiel der schmalen Finger zu beobachten. Ein kapriziöses Spiel mit poetischen Ruheinseln, ein munter sprudelnder, vorandrängender Fluss in lebhaftem Dialog beider Hände. Ruhig und in sich gekehrt ging sie das Adagio an, tastend wurde eine Melodie geboren, eine wunderbare Stimmung gelöster Entrücktheit geschaffen, ehe zuletzt in der Sonate, die in Frankreich „L’Aurore“ – Sonnenaufgang – genannt wird, in lebhaftem Presto das Licht aufleuchtete.

Vorangegangen war Mozarts Fantasie c-Moll KV 475, eine Fantasie, die in ihrer Ausdruckstiefe, ihrem Modulationsreichtum wie in ihrem virtuosen Satz einzigartig ist in Mozarts Werk für Klavier. In großer Ruhe setzte die Pianistin ein, tauchte tief ein in eine Welt der Trauer und der Todesahnung, in die in sachte hingetupften Passagen eine Ahnung von Seligkeit hineinstrahlte, lichte Tupfer in der dunklen Region, in die die Spielerin erneut eintauchte.

Ganz anders war ihr schillernder Ausflug ins 20. Jahrhundert mit den facettenreichen „Sechs Préludes“ (1967) des 14-jährigen Wolfgang Rihm, eine Komposition, die den 65-jährigen Karlsruher Komponisten und Musikwissenschaftler auch heute noch interessiere. Der Bogen spannt sich von der virtuosen Studie mit arpeggierenden Figuren über oktavierten Basstönen über fiebrige Akkordfolgen und eine groteske Walzerkarikatur bis zur verfremdeten Kantilene.

Bezaubernde Leichtigkeit und Spritzigkeit bewies Saskia Giorgini zuletzt mit Mikhail Pletnevs Klaviersuite zu Szenen aus Tschaikowskys Ballett „Dornröschen“. Ein virtuoses, befreites Musizieren vom Tanz der Pagen und der Silberfee bis zum sprühenden Finale.

„Entschuldigung, das war Gershwin“, sagte sie vergnügt zu ihrer ersten Zugabe und ließ zur Freude der Zuhörer gleich noch ein zweites Gershwin-Stück folgen.

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