Konzert am See: Lyrische Meditation der Trauer Mariens am Kreuz

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Als wunderbares Gesamtkunstwerk führt der Philharmonische Chor Friedrichshafen unter der Leitung von Joachim Trost Antonin Dvorá
Als wunderbares Gesamtkunstwerk führt der Philharmonische Chor Friedrichshafen unter der Leitung von Joachim Trost Antonin Dvorá (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

In zu Herzen gehender Emotionalität hat der Philharmonische Chor Friedrichshafen zusammen mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und vier Solisten am Sonntagabend im gut besetzten Graf-Zeppelin-Haus AntonínDvoráks „Stabat mater“ aufgeführt.

„Stabat mater dolorosa juxta crucem lacrimosa“ – Christi Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint’ von Herzen: Das ist ein Satz, der sich, immer wieder wiederholt, tief ins Bewusstsein eingräbt. Schon das Orchestervorspiel führte hin zur Schmerzensmutter: ein Musik gewordenes Seufzen und Klagen, das sich durchs Orchester zieht, immer intensiver wird, dann wieder von Einzelstimmen wie dem Cello oder der Oboe fortgeführt wird. Mariens Trauer und Verlassenheit stehen greifbar im Raum, man spürt, wie der Komponist in tiefer Trauer um seine drei verstorbenen Kinder sich der Gottesmutter nahe fühlt, ihrem Schmerz, ihrer Verzweiflung, aber auch ihrem Vertrauen in den Sohn, der durch das Dunkel ins Licht, in die Herrlichkeit des Paradieses führt, die zuletzt in gemeinsamem Jubel von Chor und Solisten anklingt.

Das ganze Werk ist in vielen Variationen eine einzige Meditation über Mariens Leid, ein Mitfühlen mit ihr, verbunden mit innigen Gebeten um ihre Fürsprache. Und das in einer musikalischen Sprache, die nur selten die Dramatik hervorhebt, sondern einen innigen, schlichten Ton für die Trauer findet.

Grausames Schicksal

Ohne den unterlegten Text würde man in der zarten Lyrik immer wieder eine pastorale, weihnachtliche Stimmung heraushören, ein zärtliches Wiegenlied für den geliebten Toten.

Nicht Auflehnung gegen ein grausames Schicksal ist hier dargestellt, sondern eine geradezu mystische Betrachtung der Leidenden, die um den Sinn des Leidens weiß.

Unter der behutsamen Leitung von Musikdirektor Joachim Trost haben alle Beteiligten diese Grundstimmung wunderbar herübergebracht, angefangen beim Orchester, aus dem immer wieder berührende Bläsersoli emporstiegen und sehnsüchtige Streicherkantilenen im Pianissimo verharrten. Sehr schön fügte sich der hundertköpfige Chor ins Geschehen, umso mehr als Männer- und Frauenstimmen in ausgewogenem Verhältnis standen.

Berührend war der Männerchor, der im Satz „Fac me vere“ in frei fließendem Gebet dem Tenorsolo folgte, ebenso der Frauenchor, die hohen Soprane, die in zartem Gebet Maria baten, an ihrem Schmerz teilnehmen zu dürfen. Eindringlich wirkt die Pianokultur des Gesamtchores, etwa im lyrischen „Eja, mater“.

Das Gesamtkunstwerk ergänzten die vier Solisten, die solo, im Duett oder im Dialog mit dem Chor Gedanken anstießen oder aufgriffen.

Lyrisch und dramatisch gab sich Tenor Markus Schäfer, geschmeidig und voll dramatischer Kraft Bariton Konstantin Wolff. Innig erblühte Stefanie Irányis Mezzosopran in demütigem Gebet um Fürsprache und wunderbar klar und ausdrucksvoll fügte sich die Sopranistin Letizia Scherrer ins Solistenquartett. Joachim Trost hatte recht mit seinem Versprechen, die zehnteilige Sequenz sei ein Juwel.

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