Blutrot – wenn auch nur durch Rote-Beete-Saft verursacht – ist am Ende des Trauermarsches auf das vom Klimwandel verursachte Mas
Blutrot – wenn auch nur durch Rote-Beete-Saft verursacht – ist am Ende des Trauermarsches auf das vom Klimwandel verursachte Massensterben von Tierarten und Menschen aufmerksam gemacht worden. (Foto: big)
big und Brigitte Geiselhart

Freitag bleibt Freitag – auch wenn er in die Schulferien oder gar auf einen Feiertag fällt. Doch am Allerheiligentag ging die Fridays-for-Future Demonstration ganz anders über die Bühne als gewohnt. Man hatte sich für einen „Trauermarsch“ entschieden, um auf ein „Massensterben von Tierarten und Menschen“ aufmerksam zu machen, das vom Klimawandel aus-gelöst werde.

Ruhig, ohne Musik und laute Parolen führte der Weg der größtenteils schwarz gekleideten rund 100 Teilnehmer vom Stadtbahnhof über die Friedrichstraße in Richtung Ro-manshorner Platz, um schließlich am Adenauerplatz zu enden. Symbolhaft wurde auch ein gezimmerter Sarg mitgeführt. „Tiere sind nicht für uns, sondern mit uns auf diesem Planeten“, so eine der Kernaussagen der Redebeiträge der Fridays-for-Future Aktivisten Madlen Beck und Michael Hißen. Man bitte vor allem auch um mehr Empathie für die Schreie Derjenigen, die nicht gehört würden.

Für einen echten Knalleffekt sorgte die neu formierte Extinction-Rebellion-Ortsgruppe, die erstmals in die Organisation der Freitagsdemo miteingebunden war. Sie machte auf Höhe der Rathausstufen mit einer spektakulären Kunstblutaktion – in Form von gut wieder abwaschba-rem Rote-Beete-Saft – den von ihr angeprangerten Anlass für den Trauermarsch anschaulich transparent. Die Extinction Rebellion Bewegung war 2018 in Großbritannien gegründet worden. Mit aufsehenerregenden Aktionen des gewaltlosen zivilen Ungehorsams will sie Regierungen zu Maßnahmen bewegen, um eine Klimakatastrophe und das damit zusammenhängende Massenaussterben von Tieren und Pflanzen zu verhindern.

„Für uns ist es wichtig, dauerhaft präsent zu sein – auch in den Ferien“, sagte Anouk Henni-cke, eine der Fridays-for-Future Sprecherinnen. Gerade am Allerheiligenfest sei ein Trauer-marsch mit leiseren Tönen aber sehr angebracht, betonte sie und begrüßte die Zusammenarbeit mit Extinction Rebellion. „Wir sind froh, dass wir heute eingeladen worden sind“, ergänzten Odette Lassonczyz und Markus Hener, auf deren Initiative die Häfler Ortsgruppe gegründet worden war.

„Ferien oder nicht Ferien – es ist immer gleich wichtig, zur Freitagsdemo zu gehen“, waren sich die 16-jährige Gerlinde Kohler und ihr 13-jähriger Bruder Rainer aus Kluftern am Rand der rund 90-minütigen Veranstaltung einig. „Unsere Generation hat versagt. Die jungen Leute müssen es jetzt besser machen“, betonte ein Ehepaar aus Langenargen, das zusammen mit ihren drei Kindern und dem Familienhund gekommen war. „Wo ist das Vogelgezwitscher? Wo sind die vielen Insekten vergangener Tage? Die Zeichen sind nicht mehr zu übersehen. Es ist höchste Zeit, etwa zu verändern“, mahnte Marcos Ruzafa aus Neukirch an.

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