Die Klufterner SPD lud zum Bürgergespräch.
Die Klufterner SPD lud zum Bürgergespräch. (Foto: Lichtinger)
Kirsten Lichtinger

Ortschaftsrat Bernd Caesar hatte viele Themen auf der Agenda, als die SPD Kluftern am Freitagabend zum Bürgergespräch in den Gasthof Gehrenbergblick lud. „Wir möchten erfahren, wo Sie der Schuh drückt und was aus Ihrer Sicht wichtig für die Zukunft der Ortschaft ist“, erklärte er gleich zu Beginn.

Zum Schwerpunkt „ärztliche Grundversorgung“ begrüßte er Ekkehard Reich, der in Kluftern eine Gemeinschaftspraxis führt. „Im Moment ist die Versorgung gesichert und gut“, sagte Reich. Das könne sich ändern, denn immer weniger Ärzte seien bereit, auf dem Land tätig zu sein. „Es gibt in Friedrichshafen einige Praxen, die mangels Nachfolger geschlossen haben“, so der Mediziner. Er appellierte an die Politik, diese Probleme zu lösen. Rainer Röver, Facharzt für innere und allgemeine Medizin aus Überlingen, bestätigte die Sachlage. Auch er habe lange gebraucht, bis ein weiterer Mediziner für seine Praxis gefunden war.

Gut aufgestellt ist Kluftern dagegen beim Einkauf für den täglichen Bedarf. Vier Bäcker, eine Konditorei, eine Metzgerei, Hofläden der Landwirte und ein Rewe-Markt in der Ortsmitte sorgten für ein breites Angebot, lobte Caesar. Wie es um die Zukunft des Rewe-Marktes stehe, wollte er von Christoph Barbknecht wissen, der das Geschäft in dritter Generation führt. „Junge Familien, aber auch viele ältere Menschen gehören zu den Stammkunden“, sagte der Inhaber. Einen Großteil seines Umsatzes mache er mit frischem Obst, Gemüse und mit Produkten aus dem Kühlregal. Viele seiner Produkte beziehe er aus der Region.

Keine Post im Rewe-Markt

Den Vorschlag, die Post in den Markt zu integrieren, lehnte er ab. „Man verdient an der Post so gut wie nichts, hat aber viel Arbeit und benötigt Lagerfläche.“ Caesar ergänzte: „Der Markt ist ein Treffpunkt, solche Einrichtungen braucht ein Ort, um das Gemeinwohl zu stärken.“

Einigen Nachholbedarf sahen der Ortschaftsrat und viele Gäste, bei den Fahrradwegen rund um Kluftern. So sei es im Zuge der großen B 31-Baustelle sehr schwierig geworden, sicher nach Friedrichshafen zu radeln. Auch auf der Straße von Kluftern nach Ittendorf gebe es oft Probleme mit Autofahrern, die Radfahrer bedrängten oder sogar beschimpften. Caesar berichtete über die Radwegeplanung des Bodenseekreises und der Stadt Friedrichshafen: „Es hakt noch an vielen Ecken.“ Es gebe Schwierigkeiten bei der Kompetenzabgrenzung: „Wir benötigen einen Manager, um das Gesamtradwegenetz umzusetzen.“

Zum geplanten Neubaugebiet „Lachenäcker“ erklärte Ortsvorsteher Michael Nachbaur: „Hier sind wir im Verfahren noch nicht so weit, wie ich es mir wünsche.“ Was die Energieversorgung mit einem Nahwärmezentrum angehe, müssten die Stadtwerke am See eine Aussage machen. Im Baugebiet sollten möglichst die Voraussetzungen für eine Nahwärmeversorgung geschaffen werden, so Caesar.

Zum Ausbau der Bodenseegürtelbahn sagte Nachbaur: „Alle Beteiligten stehen zusammen und haben die Wichtigkeit des Themas erkannt.“ Seine Prognose: „Wenn die Bodenseegürtelbahn in zehn Jahren realisiert wird, können wir uns glücklich schätzen.“ Wolfgang Sigg, Häflert SPD-Fraktionsvorsitzender, forderte einen Mobilitätsmanager, der alles ganzheitlich betrachtet. „Zahlen sind nicht alles, es geht auch um das Gemeinwohl, das die Bahn in vielen Bereichen aus den Augen verloren hat.“

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