Das neue Ärztehaus am Klinikum ist bezugsfertig.
Das neue Ärztehaus am Klinikum ist bezugsfertig. (Foto: af)
Anton Fuchsloch
Redakteur

Wer im Gesundheitswesen einen Job sucht – ob im medizinischen, pflegerischen oder funktionalen Bereich – und eine entsprechende Qualifikation nachwiesen kann, hat gute Karten. Es sind ständig Stellen ausgeschrieben – ob in Praxen, Heimen oder Kliniken.

„Qualifiziertes Personal an Land zu ziehen, ist zunehmend schwierig“, weiß Peter Boemans. Der Personalchef des Klinikums Friedrichshafen diagnostiziert zwar noch keine Notlage wie sie in Teilen der Altenpflege vorherrscht. Insbesondere im pflegerischen Bereich und bei den Funktionsdiensten gibt es Lücken. Das hängt seiner Ansicht nach weniger mit der Vergütung zusammen als mit dem Wandel der Berufsbilder und den Anforderungen. Eine Rolle spiele außerdem die Konjunktur und das Image der sozialen Berufe. „Boomt es in der Wirtschaft, klemmt’s bei uns. Sind dort die Stellen rar, profitieren wir.“ Boemans spricht von einer antizyklischen Entwicklung.

Für den Klinikum-Personalleiter ist das nachvollziehbar. Eine Fünf-Tage-Woche mit grundsätzlich freien Wochenenden sei in der Regel in den Kliniken nicht drin. Darüber hinaus könne das Gesundheitswesen die finanziellen Anreize, wie sie die Industrie für Nacht- und Sonderschichten biete, nicht zahlen, sagt Boemans.

Die etwa 20 Ausbildungsplätze, die das Klinikum dieses Jahr in der Gesundheits- und Krankenpflege anbietet, seien dennoch komplett belegt. Insgesamt beschäftigt das Klinikum zirka 80 Auszubildende, davon 60 in der Pflege. Besonders gefragt sei der neue Studiengang Pflege, den die Fachhochschule Weingarten zum Wintersemester 2011/12 erstmals anbietet. Fünf Krankenhäuser der Region und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft finanzieren dafür eine Stiftungsprofessur.

Überhaupt legt das Klinikum großen Wert auf Qualifikation und personelle Weiterentwicklung, betont der Personalchef. Die Berufsbilder ändern sich rapide, ob in der Pflege oder in speziellen Funktionsbereichen. Zusatzqualifikationen seien in fast allen Bereichen gefragt. So werde es bald neben den Operationstechnischen Assistenten (OTA) den Anästhesietechnischen (ATA) und den Chirurgisch-technischen Assistenten (CTA) geben.

Engpässe, die es unter anderem in der Pflege und den Funktionsdiensten OP, Anästhesie oder Frühdiagnostik verstärkt gab, musste das Klinikum bisher mit Honorarkräften überbrücken. Doch damit soll zum 1. Oktober Schluss sein. „In den Kernleistungsbereichen wollen wir künftig nur noch eigenes Personal einsetzen“, sagt Boemans. Geholfen habe dabei unter anderem eine interne Aktion zur Akquise neuer Mitarbeiter. Für jeden externen Mitarbeiter, den ein Beschäftigter des Klinikums anwirbt, bekommt dieser 500 Euro, vorausgesetzt der oder die Neue besteht die Probezeit. Der Anreiz habe zwar keinen Ansturm ausgelöst, sei intern aber als Signal positiv aufgenommen worden.

Bei den Ärzten zeichnet sich ein Wandel ab. Der Anteil der Frauen steigt stetig, was Boemans nicht wundert. In den medizinischen Fakultäten sind sie mittlerweile in der Überzahl. Das werde dazu führen, dass die Zahl der Teilzeitbeschäftigten steige. Eine Entwicklung, die eine Personalabteilung nicht aus der Bahn wirft, aber mit der mancher Chefarzt noch nicht so recht umgehen kann. Signifikant nehmen Bewerbungen von Ärzten aus dem Ausland zu. Vor allem aus Osteuropa, aber auch aus dem arabischen Raum flattern Boemans vermehrt Bewerbungen auf den Tisch. Bei anerkannter Approbation, entsprechener Qualifikation und guten deutschen Sprachkenntnissen hätten ausländische Ärzte durchaus Chancen. Gut ein Dutzend Nationalitäten seien mittlerweile unter den fast 1000 Beschäftigten am Klinikum zu finden.

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