Jared Rust und Selena Engel verbinden Folk, Western, Swing, Orientalisches, Volksmusik und Seemannslieder.
Jared Rust und Selena Engel verbinden Folk, Western, Swing, Orientalisches, Volksmusik und Seemannslieder. (Foto: Harald Ruppert)

Ihre Musik klingt nach Fundgrube, nach Nostalgie und nach den entlegensten Winkeln der Welt: das Duo „String Bean Party“ vollbrachte am Freitag im Theater Atrium ein Wunder aus Klingklang und Tingeltangel.

Jared Rust und Serena Engel können von ihren Konzerten leben. Das ist ein Glück, denn von ihrem Gemüse, das sie auf einem kleinen Hof in Rempertshofen bei Kißlegg anbauen, könnten sie es nicht. Das Paar verschenkt seine Ernte nämlich an alle Dahergelaufenen. „Wenn ihr bei uns Gemüse mitnehmen wollt, dann bringt einen Stein mit. Geld nehmen wir nicht“, sagt Serena Engel. Wenn sie ihren Hof einmal schließen sollten, könnten die Australierin und der US-Amerikaner gleich vor dem Theater Atrium ein neues Quartier beziehen – bei der Blauen Blume, um die es ziemlich still geworden ist.

String Bean Party singen eigene Lieder, traditionelle Folk- und Westernsongs sowie kleine Preziosen der Popmusik von Queen und den Beatles. Sie wirken wie Straßenmusikanten mit einem ungewöhnlich großen Instrumentenpark. Er reicht von der Fußschelle über die Triangel, die Ukulele und die Gitarre bis zum Cello. Serena Engels Stimme gleicht dem unschuldigen Augenaufschlag einer Schauspielerin aus den Tagen des Stummfilms. Jared Rusts gut geölter Bariton rollt so geschmeidig, dass jeder Gospelchor ihn zum Solisten machen würde. Aber stilistisch ist das Duo nicht festzulegen. Das Becken knallt wie in einer Dixieland-Kapelle, die Gitarre schrummelt wie einst Django Reinhardt, man könnte Charleston tanzen, zu den orientalischen Melodieschwüngen des Cellos gen Mekka beten oder sich im Nirvana verlieren. Letzteres dann, als Jared mit seinem Bottleneck-Spiel die Gitarre zur Sitar verwandelt. Dazu rezitiert er einen Text aus dem fernöstlichen Weisheitsbuch Tao Te King – wie George Harrison, der den Song geschrieben hat, den Jared spielt: „The inner light“.

Alles an String Bean Party ist pittoresk, klingt nach Vaudeville und der Stimmigkeit eines kunterbunten Jahrmarkts. Auf dieser Musik liegt Patina, sie kennt schlichtweg keine Grenzen und hat deshalb nichts von einem konventionellen Brückenschlag, dem der mutwillige Sprung über die Grenze immer anzuhören ist. Über Cha-Cha-Rhythmen tiriliert Serena ihre chinesischen Gesänge, irische Gitarrenmusik trifft auf die Wildheit des Regenwalds. Gerade in diesem Stück, „The Celtic Swami Skip“, zeigt Jared Rust den forschenden Ernst eines Klang-Ethnologen wie John Fahey. Aber zugleich bewahren sich die Beiden eine unbeschwerten Freigeistigkeit, in die auch alpenländische Volksmusik und frisches Gejodel passen.

Weil sich String Bean Party mit so vielen altbekannten Stilen identifizieren, erzeugt ihre Musik beim Zuhören eine Menge innerer Bilder, die Jared und Serena mit einer Art Stegreiftheater auch szenisch rüberbringen: in einem dramatischen Seemannslied, das von einem Schiffsuntergang erzählt. Mit Pfeife, falschem Schnauzer oder Mütze verkörpert Jared den Käpt’n, den Ersten Offizier und den völlig durchgeknallten Schiffskoch. Als schließlich Mann und Maus beim Teufel sind, blubbern nur noch die Fische. Das Ganze wirkt auch wie eine Parodie auf die allzu ernst gemeinten Dramolette, die Bob Dylan in den 60ern verfasste.

Wenn Sie mal nach Rempertshofen kommen, bringen Sie Jared und Serena einen Stein mit, im Tausch gegen frische Stangenbohnen. Im Internet (www.thestringbeanparty.com) kann man ihr erstes Album kostenlos streamen, die CD bestellen oder ihnen einfach eine E-Mail schreiben, etwa mit diesem Wortlaut: Danke für diese unglaubliche Musik und die freundliche Weltsicht, die dahinter steht.

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