Klimawandel lässt Temperatur im Bodensee steigen

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Kein Fieber, sondern Nebel: Eine Fährfahrt, die ist lustig ... Besonders, wenn sich der Bodensee mitten im Winter frühlingshaft
Kein Fieber, sondern Nebel: Eine Fährfahrt, die ist lustig ... Besonders, wenn sich der Bodensee mitten im Winter frühlingshaft gibt. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

Verschneite Berggipfel und Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt: Rund um den See fühlt es sich zumindest zwischendurch nach der Jahreszeit an, die gerade ist. Im See hält sich der Winter offenbar völlig zurück: Anfang Februar wurden in der Bregenzer Bucht 6 Grad gemessen. Das sind 2 Grad mehr als der langjährige Mittelwert, wie die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) vermeldet.

Der Klimawandel macht sich im Bodensee bemerkbar. Auch wenn die Wassertemperatur natürlich nicht sprunghaft angestiegen sei: „Es ist vielmehr so, dass sich der See wegen des warmen Winters nicht entsprechend abgekühlt hat“, erklärt der Leiter der baden-württembergischen IGKB-Delegation, Peter Fuhrmann vom Landesumweltministerium. Das gilt besonders für die Flachwasserzone in der Bregenzer Bucht.

Das Umweltministerium stellt im Internet unter www.bodenseeonline.de modellbasierte Daten zu den Wassertemperaturen zur Verfügung. Die Vorhersage für den Obersee Mitte (Bereich Friedrichshafen) und Osten (Bregenzer Bucht) für die nächsten drei Tage: 4 bis 6 Grad. Das Wasser ist analog zur Lufttemperatur etwas kühler geworden. Bis sich ein Körper mit einem Volumen von 48 Kubikkilometern abkühlt, dauert es allerdings seine Zeit.

Und so funktioniert es normalerweise: Das Wasser an der Oberfläche wird kälter und sinkt nach unten, wärmeres Wasser steigt auf. Die vertikale Durchmischung sorgt dafür, dass auch der Seegrund mit Sauerstoff versorgt wird, sagt Peter Fuhrmann. „Was wichtig ist, weil sich dort unten zum Beispiel Fischlaich und andere Organismen befinden.“

Der Grund braucht Sauerstoff

Die wärmeren Temperaturen schränken diese Durchmischung jedoch ein. Dafür, dass am Grund trotzdem kein Sauerstoffmangel entsteht, sorgt laut IGKB „die aktuell sehr gute Wasserqualität mit naturnah niedrigen Phosphorgehalten“. Eine Feststellung, die den Bodenseefischern, die ihre schlechten Fangerträge auf den niedrigen Phosphorgehalt zurückführen, sicher nicht schmeckt.

Dazu merkt Peter Furmann vom Umweltministerium an: Statistisch sei kein Zusammenhang zu erkennen. „Es gibt Jahre mit viel Phosphor und wenig Fischen im See und andersrum.“ Unstrittig sei, dass bei einem geringeren Phosphorgehalt weniger Biomasse vorhanden ist. Sein Aber: „Hätten wir mehr Phosphor im See, würde auch das Pflanzenwachstum steigen. Die Folge: Die Pflanzen gehen ein, sinken auf den Seegrund und brauchen Sauerstoff.“ Gebe es dann keine Zirkulation, entstünden unter anderem Sauerstoffdefizite, was auch dem Fischlaich schade.

Prognosen zufolge wird das Seewasser im Winter auf Dauer wärmer. In einer Studie zum Klimawandel simulierte die IGKB die Entwicklung der Temperaturen bis 2085. Eine Erkenntnis zu benennen, sei allerdings schwierig, denn: „Es wurden unterschiedliche Szenarien angenommen“, sagt Peter Fuhrmann. Weshalb er für eine Vorschau den Rückblick bemüht: Werde zum Beispiel zugrunde gelegt, dass die Temperatur in den vergangenen 20 Jahren um ein Grad gestiegen ist, sei in den nächsten 70 Jahren theoretisch mit einem Anstieg von drei Grad zu rechnen.

Ganz praktisch zeichnet die Wasserwirtschaft in Vorarlberg die Temperatur beim Pegel Bregenz in 50 Zentimetern unter dem Wasserspiegel seit 1979 auf. Kürzlich veröffentlichte die IBKB folgende Ergebnisse: Seit 1. November wurde das bisher jeweils am Tag gemessene Maximum an 20 Tagen überschritten. Anfang Februar wurden mit 6 bis 6,5 Grad die bisher gemessenen maximalen Temperaturen des jeweiligen Tages um bis zu 1,3 Grad übertroffen. Im Vergleich mit den langjährigen Mittelwerten liegt die Temperatur des Bodensees etwa 2 Grad über dem seit 1979 gemessenen Mittelwert.

Seit 1959 arbeiten Baden-Württemberg, Bayern, die Schweiz und Österreich in der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee zusammen. Als wichtigste Ziele werden die Reinhaltung des Sees oder die nachhaltige Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt genannt. Was die Temperaturen angeht, messen die Seeanrainer laut Peter Fuhrmann vom Umweltministerium Baden-Württemberg mindestens einmal pro Monat. Die zentrale Datenbank steht im Institut für Seenforschung in Langenargen.

Weitere Informationen unter

www.igkb.org

So warm ist der Bodensee

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