Klimaforscher: Arktis wird 2050 eisfrei sein

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Beim Thema Klima ist Klimaforscher Mojib Latif - wie hier 2013 in Hamburg - in seinem Element.
Beim Thema Klima ist Klimaforscher Mojib Latif - wie hier 2013 in Hamburg - in seinem Element. (Foto: dpa)
Kirsten Lichtinger

Die Folgen des Klimawandels sind im Mittelpunkt des Vortrags von Professor Mojib Latif, einem der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands, gestanden. Das Cinema des Karl-Maybach-Gymnasiums (KMG) war voll besetzt, als Schulleiter Christoph Felder die Zuhörer bei der Bürger-Universität, einer Veranstaltung der Zeppelin-Universität in Kooperation mit dem KMG, begrüßte. „Ich freue mich, dass die Bildungspartnerschaft mit der ZU auf so großes Interesse trifft“, sagte Felder.

Latif erklärt Treibhauseffekt

Zu Beginn erläuterte Mojib Latif den natürlichen Treibhauseffekt, der der Grund dafür sei, warum auf der Erde angenehme Temperaturen herrschten, im Gegensatz beispielsweise zur Venus und zum Mars. Die Spurengase in der Atmosphäre sorgten dafür, dass die Wärme auf der Erde bleibe.

Den zusätzlichen Treibhauseffekt, der durch den Menschen verursacht sei, erklärte der Klimaforscher so: Der Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Kohle und Öl führe zu einem Anstieg der Kohlendioxid-Emmissionen. Diese sei der Hauptgrund für die Verstärkung des Treibhauseffekts mit seinen negativen Auswirkungen auf das Klima. Immer wieder gebe es Stimmen, die den Klimawandel leugneten, sagte er mit Blick auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump. Die meteorologischen Veränderungen müssten allerdings über Jahrzehnte beobachtet werden, nicht nur von Jahr zu Jahr. „Der menschliche Einfluss auf das Klima ist da“ betonte der Professor. Die derzeitige Entwicklung bei der Erderwärmung sei lange vorhergesagt worden.

So ist seit 1979 die Meer-Eisfläche um 40 Prozent zurückgegangen. „Wenn es so weitergeht, wird die Arktis 2050 eisfrei sein“, gab Latif zu bedenken. Auch der kontinentale Eispanzer von Grönland und der Antarktis schmelze, das trage zum Anstieg des Meeresspiegels bei, was wiederum zu starken Überschwemmungen führe.

CO2-Gehalt wie Gift wahrnehmen

„Wir stellen jetzt die Weichen für die Zukunft“, sagte der Meteorologe und bedauerte, dass man den CO2-Gehalt in der Luft nicht so wahrnehme wie beispielsweise vergiftete Lebensmittel. Das gefeierte Abkommen zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes (CO2-Ausstoß) bei der Pariser Weltklimakonferenz 2015 hält Latif für ungeeignet, weil es zwar Ziele formuliere, aber keine verbindlichen Maßnahmen festlege.

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken hatte der Wissenschaftler in der anschließenden Diskussionsrunde ganz praktische Tipps, zum Beispiel die Standby-Bereitschaft vieler elektrischer Geräte abzuschalten. „Kleinvieh macht auch Mist“, sagte er. „Wenn das in Deutschland alle machen würden, könnten wir auf zwei Kernkraftwerke verzichten“, erklärte er weiter. Außerdem empfahl er, zuhause auf grünen Strom zu setzen. Die Zukunft liege in der dezentralen Energieversorgung. Das Wichtigste sei es aber, das Thema ernst zu nehmen, sich einzumischen und Druck auf die Politiker aufzubauen.

Eine Kohlenstoff-Abgabe könnte dazu beitragen, die unerwünschten Emissionen zu begrenzen. Außerdem kritisierte er die Produktionsverlagerung von Unternehmen in Schwellenländer. Dort würde zwar billiger produziert, aber eben auch unter schlechteren technischen Bedingungen, was wieder zu vermehrten CO2-Emissionen beitrage. Auf die Frage aus dem Publikum, wie sich der Klimawandel in Deutschland auswirke, antwortete er: „Es wird wärmer, starke Niederschläge nehmen zu und wechseln sich mit langen Trockenperioden ab.“ Trotz aller Zweifel endete die Diskussion optimistisch. „Wir haben noch zirka 40 Jahre Zeit, den CO2-Ausstoß auf Null zurückzufahren. In dieser Zeit wird es technische Entwicklungen geben, die wir heute noch gar nicht vorhersehen können“, blickte Latif in die Zukunft.

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