Kindern fällt Dreck von der Baustelle ins Essen

Lesedauer: 6 Min

Die Dachsanierung im Kindergarten Arche Noah in Manzell gestaltet sich zu einem „Fiasko“, wie einige Eltern meinen. Am 7. Mai begonnen, sollten die Arbeiten Ende Juni abgeschlossen sein. Dreck rieselte den Kindern auf den Kopf und ins Essen, „krebsauslösende Faserstäube“ stand auf den Säcken in den Spielzimmern. Die Eltern haben jetzt von Pfarrerin Gertrud Hornung einen Brief bekommen, die Stadt hat die Bauleitung und kann die Gründe für den Ärger erklären.

Anfang Mai begannen in Manzell die Dacharbeiten im Kindergarten Arche Noah. Bei laufendem Betrieb und über den Köpfen der Kinder. „Staubschutz gab es nicht, der Dreck rieselte auf die Kinder und Erzieherinnen herab und fiel in ihr Essen“, schildern Eltern. Schon von Anfang an haben sich die Kindergartenleiterin, Marianne Alexovski, und die evangelische Pfarrerin Manzells, Gertrud Hornung, um diese Angelegenheit gekümmert. Die Rede ist von Lärm-, Schmutz und Staubbelästigung und vor allem von der Unsicherheit, was in diesen Stäuben enthalten ist.

Laut Stadtverwaltung seien die Arbeiten nur im laufenden Betrieb möglich gewesen, weil derart große Sanierungen ansonsten die Schließung des Kindergartens zur Folge gehabt hätten.

Auf den Entsorgungstüten, die die Baufirma im Kindergarten abgestellt hatte, standen die Worte: „Mineralstoffabfälle – Inhalt kann krebserregende Faserstäube freisetzen“. Die Erklärung des Architekten, die Baufirma nutze alte Säcke, reichte weder den Eltern, noch der Trägerin des Kindergartens, der evangelischen Kirchengemeinde Manzell. Die Frage aus dem Kindergarten, ob er ausschließen könne, dass gesundheitsgefährdende Stoffe in den Säcken seien, verneinte der Architekt. Trotzdem wurde auch gegenüber der Stadt schriftlich versichert, dass zu keiner zeit gesundheitsgefährdende Substanzen freigesetzt worden seien. Während der Arbeiten habe sich herausgestellt, dass „vorher nicht bekannten Fehler in der Dampfsperre“ behoben werden müssten, schreibt die Stadt.

Unzumutbare Belastungen

In einem ersten Gespräch kurz nach Beginn der Bauarbeiten hatten die Kindergartenleitung und die Kirchengemeinde auf „unzumutbare Lärm-, Schmutz- und Staubbelastungen“ hingewiesen. Die Räume bekamen Schutzfolien, die das Herabfallen von Dreck und Dachteilen verhindern sollten. „Von Seiten der Stadt erhielten wir Ende Juni die Information, dass sich die Sanierungsmaßnahme bis Oktober hinausziehen wird“, schrieb Pfarrerin Gertrud Hornung Anfang dieser Woche in einem Infobrief an die Eltern. Am 3. Juli, so geht aus diesem Brief weiter hervor, habe es dann noch ein Gespräch mit der städtischen Bauleitung, dem Architekten und der Kindergartenleitung gegeben. Dort sei vereinbart worden, dass aufgrund der mittlerweile unzumutbar hohen Lärmbelästigungen die Handwerker mit ihren Arbeiten erst um 10 Uhr, also zu einem späteren Zeitpunkt, beginnen. Mittlerweile fangen sie erst nachmittags an – die Kindergartengruppen suchen dann meist im Freien bei Ausflügen oder ähnlichem Schutz vor dem Lärm.

„Die Stadtbauamt nahm die Sorgen der Eltern Ernst und hat am gleichen Tag ein Institut zur Raumluftmessung und Prüfung der Schmutzpartikel beauftragt. Zudem wurden die Abbrucharbeiten vorübergehend eingestellt. Die Messung fand in der Nacht vom 9. auf 10. Juli statt. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Am 3. Juli beauftragte das Stadtbauamt außerdem eine zusätzliche Reinigungskraft in Abstimmung mit der Kindergartenleitung, um die Staub- und Schmutzbelastungen, insbesondere in den Gruppenräumen, auf ein Minimum zu reduzieren. Die Reinigungskraft steht der Einrichtung zur freien Verfügung und kann dort, wo nötig, eingesetzt werden“, schreibt die Stadtverwaltung. Warum das in den vergangenen Tagen seitens des Kindergartens nicht genutzt worden sei, kann sich die Stadt nicht erklären.

Die Pfarrerin endet in dem Brief mit den Worten: „Wir alle hoffen sehr, dass keinerlei krankheitserregende Stoffe in die Kindergartenräume gelangen. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen