Kandidaten antworten: Was mit der Bausubtanz in Friedrichshafen passieren soll

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Friedrichshafen am 21. März 2019 vom Zeppelin aus gesehen. (Foto: Stefan Fuchs)
Digitalredakteur

Auf der Facebookseite Schwäbische Bodensee hat Barbara Baur am Sonntag die „Frage des Tages“ zur Gemeinderatswahl gestellt. Sie wollte wissen, ob in Friedrichshafen zu sorglos mit der Bausubstanz umgegangen wird. Hier ein Ausschnitt der Antworten der Kandidaten.

Klaus Fiederer, auf Listenplatz 15 beim Netzwerk für Friedrichshafen, glaubt, dass der Umgang tatsächlich zu sorglos ist. "Bausubstanz zu erhalten ist aus mehreren Gesichtspunkten sinnvoll. Historische Gebäude sind wie Meilensteine in der Geschichte einer Stadt – selbst wenn sie nicht auf den ersten Blick so erscheinen mögen, lohnt es genauer hinzusehen." Meist lohne es sich aber aus energetischer Sicht, Gebäude zu erhalten. Denn in die Energiebilanz fließe nie die Energie mit ein, die bereits im Gebäude stecke oder für Abriss und Neubau nötig sei. Parteikollege Paul Fundel (Listenplatz 17) fordert, dass Entscheidungen über Bauprojekte "im Hinblick auf ein gutes Stadtbild sorgsamer und ohne Zeitdruck abgewogen werden". Sanne Weber (Netzwerk, Listenplatz neun) ergänzt: "Das unverwechselbare Gesicht von Städten beruht auf der Geschichte ihrer Baukultur." Die übrig gebliebene Substanz solle deshalb besonders hoch geschätzt werden.

Christian Steffen-Stiehl, Listenplatz zwei bei der FDP, spricht sich für die Einstellung eines Stadtbildpflegers aus. In Ulm habe sich das bewährt. Ein solcher könne die "ganze Stadt und ihr Erscheinungsbild im Blick haben, vom Denkmalschutz, über erhaltenswerte oder stadtbildprägende Bauten bis hin zur Nutzung des öffentlichen Raums". Er oder sie solle ständiger Kommunikator und Kontrolleur sein, Altes erhalten und Neues passend einfügen. Denn auch Neubauten müssten sein, schließlich hätten sich alle Wahllisten auch dazu bekannt, dass Wohnraum geschaffen werden soll. 

Unterschiedliche Prioritäten

Markus Hering, (CDU, Listenplatz 20) glaubt, es sei "der falsche Ansatz, an jedem ‚älteren‘ Gebäude oder Bauelement (zum Beispiel Mauer der Uferpromenade) einen schutzwürdigen Grund zu suchen". Vielmehr gehe es darum, eine Baukultur zu etablieren, die die Identität Friedrichshafens wahre und weiterentwickle. Es sei aber richtig, Bausubstanz, die schützenswert sei oder unter Denkmalschutz stehe, zu bewahren und zu erhalten.

Ralf Hofmann (ÖDP/Unabhängige Platz zwei) ist es "ein Dorn im Auge, dass alte Häuser, die Geschichte erzählen und gegebenenfalls sogar unter Denkmalschutz stehen, einfach so verschwinden". Als Beispiel führt er das Schöllhornareal an. Er verspricht: "Was zu erhalten ist, will ich erhalten."

Für Frank Labitzke, auf Listenplatz 40 bei den Grünen, ist die entscheidende Frage nicht der Umgang mit alter Bausubstanz, "sondern, wie wir die Veränderung in unserer Stadt gestalten". Er verstehe, dass für manche Menschen an bestimmten Bauten Erinnerungen hingen. Gleichzeitig halte er es für wichtiger, das Augenmerk auf die Zukunft zu richten. Parteifreund Mehmet Uzun (Listenplatz 18) hält die denkmalgeschützten Immobilien nicht für unantastbar, "wenn es darum geht, eine Innenstadt wieder zu beleben oder bessere und gute Aufenthaltsqualität zu ermöglichen." Der Nutzen solle immer im Vordergrund stehen. Spitzenkandidatin Anna Hochmuth will einen Erhalt der alten Bausubstanz nicht um jeden Preis. Wichtig seien gegebenenfalls etwa energetische Sanierungen, um Klimaschutzziele einzuhalten. 

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