Kabarett zwischen Schminktöpfchen und Menopause

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„Den hat Mama mitgeschleppt“, begrüßt Sissi Perlinger einen jungen Zuschauer in einer der vorderen Reihen.
„Den hat Mama mitgeschleppt“, begrüßt Sissi Perlinger einen jungen Zuschauer in einer der vorderen Reihen. (Foto: Hermann Marte)
Hermann Marte

Einer der wenigen weiblichen Superstars der deutschen Kabarett- und Comedy-Szene ist am Samstagabend im Bahnhof Fischbach aufgetreten. Sissi Perlinger zeigte sich mit „Ich bleib dann mal jung“ genau von der Seite, die ihre Fans so an ihr lieben.

Auch nach über dreißig Jahren hat sich am Stil ihres Auftretens nichts wesentlich geändert. Sissi Perlinger steht bei ihren Auftritten immer noch bunt und voll übermütiger Beweglichkeit auf der Bühne. Mit Kleid im Leopardenmuster und knallrotem Herz auf der Brust würden viele Frauen Mitte Fünfzig eher aussehen, als hätten sie in den Kleiderschrank der geschmacksverirrten Teenie-Tochter gegriffen, aber hier stimmt das Gesamtpaket.

Ihre Bühnenpräsenz ist vom ersten Moment an voll da und Herumstehen oder -sitzen ist ihre Sache ganz und gar nicht. Besonders ihre Beweglichkeit unterscheidet sie von Anfang an sehr von den meisten Kabarettisten und Comedians des deutschen Sprachraums. Aber von denen hat wahrscheinlich auch keiner Schauspielausbildungen in München, Wien, New York und Los Angeles absolviert sowie eine Gesangsausbildung und Ballett und Jazztanz gelernt. Ganz anders als der Titel des Programms es erwarten lässt, erklärt Perlinger ihrem Publikum nicht, warum sie immer noch jung ist, sondern warum es eigentlich ziemlich schön ist, älter zu werden. Darüber sollte sich ihrer Meinung nach auch das Publikum freuen, denn wie im Kabarett üblich, sitzen bei ihr auch eher ältere Menschen auf den Zuschauerplätzen. Als sie in der ersten Reihe doch einen jungen Burschen entdeckte war klar: „Den hat Mama mitgeschleppt!“. Und von nun an konnte der Junge sich ihrer Aufmerksamkeit sicher sein und wurde regelmäßig angespielt.

Das Programm war wie immer eine Mischung aus Sprechprogramm, Musik und einigen Tanzeinlagen. Dabei wechselte sie auch wieder alle Naselang ihre Kostüme um andere Rollen darzustellen. Diese verfügten dann auch meist über ausgeprägte Dialekte aus allen Teilen des deutschsprachigen Raumes, die sie gekonnt wiedergab. Dennoch blieb in Mimik und Körpersprache doch immer Sissi Perlinger zu erkennen. In der Musik griff sie nicht nur zu Gitarre und Schlagzeug, sondern nutze auch Schminktöpfchen als Instrumente. Naheliegend, denn „in der Jugend ist Schönheit ein Geschenk, im Alter harte Arbeit“. Wer ein gutes Gedächtnis für Witze hatte, dem konnte ein großer Teil ihres Programms bekannt vorkommen. Das störte die Zuschauer aber nicht, der ganze Saal war von Beginn bis Ende des Programms hellauf begeistert. Jubelndes Gelächter und Applaus gab es für jede Pointe.

Einmal musste Perlinger dann kurz aus dem Programm aussteigen, denn irgendwann setzte auf der Bühne plötzlich ein eisiger Luftzug ein, den sie, ohnehin schon erkältet, gar nicht vertragen konnte. Das originelle daran war der Zeitpunkt zu dem dies geschah. Gerade eben hatte sie nämlich noch von ihren fliegenden Hitzen gesprochen, die sie während ihrer Menopause heimsuchten und erklärt, man könne sie zur Zeit problemlos als Gallionsfigur eines Eisbrechers verwenden.

Zum Ende des Programms gab es wie zu erwarten rhythmisches Klatschen, bis zwei Zugaben geliefert wurden. Bei der zweiten durften die Zuschauer dann sogar einer Uraufführung beiwohnen. Sie wurden zum Testpublikum für einen Text den Sissi Perlinger vorbereitet hatte um damit einige Tage später im SWR in der Sendung „Spätschicht“ aufzutreten. Ganz anders als im Programm wurde es bei diesem Text politisch und ging um Horst Seehofer und Extremisten jeder Sorte. Natürliche war der Saal auch hiervon begeistert und es war ein passender Schlusspunkt für einen sehr erfolgreichen Auftritt.

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