Jugendliches Vokalensemble begeistert bei Oster-Matinee

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Ein intensives Klangerlebnis schenken die jugendlichen Mitwirkenden den Zuhörern der Oster-Matinee in der vollen Schlosskirche,
Ein intensives Klangerlebnis schenken die jugendlichen Mitwirkenden den Zuhörern der Oster-Matinee in der vollen Schlosskirche, Zweiter von rechts Initiator und Leiter Sven Hanagarth. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Helmut Voith

So voll wie sonst bei großen Konzerten der Kantorei war die Schlosskirche am Ostermontagmorgen, als Kantor Sönke Wittnebel zur ersten Matinee in diesem Jahr begrüßt hat. Diese Matinee zum Osterfest war ein besonderes Geschenk: von jungen Menschen allein initiiert und durchgeführt.

Wittnebels Dank galt daher allen Ausführenden und vor allem dem Leiter Sven Hanagarth für sein außergewöhnliches Engagement. Hanagarth hatte die Idee, dass auch die Jugendlichen ein Benefizkonzert für die Renovierung der Orgel machen, und fand Mitstreiter im Jugendchor an der Schlosskirche wie in Musik-Leistungskursen von GZG und KMG. Ein anspruchsvolles Programm hat der junge Musiker, der vor dem Studium der Kirchenmusik steht, für die sechs Sängerinnen und sechs Sänger zusammengestellt, die a cappella oder mit Johanna Scherzinger am Kontrabass und Laurin Beller am Schlagzeug bis zu zehnstimmig sangen: zeitgenössische geistliche Vokalmusik, die ihnen Freude macht, Werke, die in ihrer farbigen Harmonik geeignet waren, die Schwellenangst zu nehmen.

Auf altem Liedgut basierten die Gesänge, angefangen bei der vom zeitgenössischen Komponisten Michael Engelhardt arrangierten Ostersequenz „Victimae Paschali Laudes“ – Singt das Lob dem Osterlamme – des Dichters Wipo (ca. 995 bis 1050) aus dem Codex Las Huelgas vom 14. Jahrhundert. In immer neuen pulsierenden Ansätzen hämmerten die Sänger das „Victimae“ geradezu ein.

Neue Stimmungen erklingen

„Gaudete“, freuet euch, beginnt der Hymnus aus dem 16. Jahrhundert, den Engelhardt ebenfalls neu arrangiert hat. Ursprünglich ein Weihnachtshymnus, doch Hanagarth hat ihm den österlichen Text „Gaudete, Christus est natus“ unterlegt. In vielfacher Wiederholung durch Tenor solo, Duett und Ensemble prägte sich das „Gaudete“ ein: Freuet euch! Hanagarth, der mitsang und zugleich leitete, übernahm hier auch das Tenorsolo, Felix Beller kam mit fester Bassstimme dazu, ehe alle einstimmten. In immer neuen Stimmungen erklang das Gaudete, tänzerisch, geheimnisvoll oder mitreißend kraftvoll. Als Zäsur spielte Sven Hanagarth zwei Stücke an der großen Orgel: die innige meditative Prière à Notre Dame aus der Suite Gothique von Leon Boëllmann und das kraftvolle E-Moll-Präludium von Max Reger. Eine ganz besondere Leistung, erst recht, da schon am Vortag das Manual 1 der Orgel ausgefallen war.

Herrlicher Klang füllte erneut den Raum, als die Sänger vom Altar und den Seitengängen her einen Kanon summten. Es folgte die Antifon „Ubi Caritas et Amor“. Mit der mittelalterlichen Melodie führt Morten Lauridsen ein und komponiert dazu mit eigenen Melodielinien und harmonischen Clustern einen eindringlichen Choral, der mit einem groß angelegten Amen endet, aus dem wechselnde Einzelstimmen hervortreten und wieder zur Einheit verschmelzen. Eine Freude waren auch hier die Solisten Miriam Klann, Verena Seyboldt und Beatrice Vaupel, ebenso Robin Egger, Felix Beller und Sven Hanagarth.

Ganz besonders am Herzen lag den jungen Sängern das mit Tenorsolo beginnende, ständig sich steigernde Choral „Nearer, my God, to Thee“ in der Vertonung von James Stevens, mit dem die intensive Matinee zu Ende ging.

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