Der neue Jazzport-Vorstand (von links): Irene Sperlich (Beisitzerin), Eva Schütte (Schriftführerein), Carsten Stamm (Beisitzer)
Der neue Jazzport-Vorstand (von links): Irene Sperlich (Beisitzerin), Eva Schütte (Schriftführerein), Carsten Stamm (Beisitzer), Johanna Weißenstein (Kassiererin), Renate Meeh , Angelika Zell (beide Beisitzerinenn), Jürgen Deeg (Erster Vorsitzender) Bernard Höger (Zweiter Vorsitzender), Walter Brodbeck und Peter Rieser (beide Beisitzer). (Foto: Harald Ruppert)

Der Verein Jazzport hat die Krisenzeit hinter sich. Das Landesjazzfestival hinterließ ein Plus in der Kasse, der wöchentliche Donnerstagjazz ist gut besucht, die Mitgliederzahlen steigen und auch ein neuer Zweiter Vorsitzender wurde gefunden: Bernard Höger, Lehrer an der Elektronikschule Tettnang.

Im vergangenen Jahr sah es noch so aus, als stünde die Zukunft des Vereins auf der Kippe. Der bisherige Zweite Vorsitzende Ekkehard Frenzen hatte angekündigt, 2019 die Region zu verlassen. Ein Nachfolger für seinen Posten war nicht in Sicht. Weil das Vereinsrecht einen zweiten Vorsitzenden aber zwingend vorsieht, ging das Gespenst vom drohenden Ende der nunmehr 20-jährigen Vereinsgeschichte um. Diese Gefahr ist durch die Wahl von Bernard Höger jetzt gebannt. Höger hat auch schon eine neue Homepage für Jazzport in Arbeit, die in rund vier Wochen online sein soll. Ebenfalls neu im Vorstand ist Peter Rieser. Er rückt für die bisherige Beisitzerin Bianca Fütterer nach. Marc Brodbeck ist neuer Kassenprüfer.

2018 richtete Jazzport das Landesjazzfestival aus. Bei den Vorbereitungen gab es noch Befürchtungen, dass es ein Loch in die Kasse reißen würde. Stattdessen hinterließ es ein Plus, sagt der wiedergewählte Erste Vorsitzende Jürgen Deeg – durch Zuschüsse des Landes, der Stadt Friedrichshafen und auch des Kulturbüros. Letzteres hatte das Festivalkonzert von Klaus Doldingers Passport in die Aboveranstaltungen aufgenommen und damit für sehr gute Einnahmen gesorgt. Dass das Festival so gut lief, sei auch Otto Neff zu verdanken, der den Verein zu den gut besuchten Intro-Konzerten abseits der üblichen Veranstaltungsorte angeregt hatte, so Jürgen Deeg. „Wenn wir die Manpower hätten, würden wir solche Konzerte auch in Zukunft durchführen“, sagt Deeg. Allerdings führe Jazzport allein im Rahmen der „Jazz am Donnerstag“-Reihe bereits mehr als 50 Konzerte im Jahr durch – auf ehrenamtlicher Basis. Seit geraumer Zeit haben die Konzerte am Donnerstag in der Gaststätte Amicus verstärkten Zulauf, sagt Deeg. Er führt das auf zwei Faktoren zurück: „Bessere Bands und die Küche mit mediterranem Einschlag im Amicus.“

Auch diese Entwicklung ist nicht selbstverständlich. Noch im März 2017 fürchtete Jazzport, dass der Donnerstagsjazz eingestellt werden müsse, weil ein Sponsor weggefallen war und vom Land Baden-Württemberg die finanzielle Förderung der Jazzclubs umgestellt wurde: Damit Konzerte gefördert werden, müssen die auftretenden Musiker seither aus Baden-Württemberg stammen. Jazzport hat sich damit arrangiert. „Wir machen an den Grenzen nicht dich, aber wir konzentrieren uns auf Musiker aus dem Großraum Stuttgart und der Bodenseeregion, wo es einen großen Pool sehr guter Musiker gibt“, sagt Jürgen Deeg. Für die gelungene Neuausrichtung und Konsolidierung dankt er auch Ekkehard Frenzen.

Bergauf geht es bei den Mitgliederzahlen. „Wir hatten, auch durch das Landesjazzfestival, 20 Neueintritte. Für gewöhnlich sind es vier bis fünf“, sagt Ekkehard Frenzen. Aktuell hat Jazzport 270 Mitglieder. Wie auch die anderen Vereine muss Jazzport darauf achten, dass 61 Prozent der Mitglieder ihren Wohnsitz in Friedrichshafen haben, sonst sinkt die städtische Förderung. Um diese Quote zu halten, können beitrittsfreudige Jazzfans von außerhalb oft nicht sofort aufgenommen werden. Deeg geht davon aus, dass die neuen städtischen Kulturförderrichtlinien zu einer etwas höheren Förderung führen werden. „Wir können mit einigen Euro mehr rechnen.“

Jazzport hat in diesem Jahr wieder viel vor. Zwei Höhepunkte sind Konzerte der New Yorker Schlagzeugerin Allison Miller (28. März) und der in Dänemark lebenden Sängerin Indra Rois-Moore (2. Mai). Im Rahmen des Bodenseefestivals stehen vier Konzerte mit belgischen Jazzmusikern bevor: Die Dutch Swing College Band (12. Mai) bietet Dixieland – also den Jazz der frühen Tage, der sonst bei Jazzport unter den Tisch fällt. Ebenfalls beim Bodenseefestival tritt die Saxofonistin Candy Dulfer (13. Mai) auf, die mit ihrem Funkjazz schon das große Zelt des Kulturufers auf den Kopf stellte. Westafrikanisches Liedgut und Gegenwartsjazz verbindet das Trio Ernst Reijseger, Harmen Fraanje und Mola Sylla (24 .Mai). Schließlich tritt das New Jazzport Orchestra mit dem Trompeter, Flügelhornisten, Komponisten und Arrangeur Bert Joris auf (25. Mai).

Für das Jazzport Summer Special (19. Juli) holt sich das New Jazzport Orchestra vier Youngster ins Boot: Clara Vetter (Klavier), Samuel Restle (Posaune), Lukas Pfeil (Saxofon) und Marko Mebus (Trompete). Das Konzert findet erstmals im Bahnhof Fischbach statt.

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