Japan-Zeppelin hebt ab
Schwäbische Zeitung

Gestern hat es endlich geklappt: Der Japan-Zeppelin erhob sich bei schönstem Flugwetter am Vormittag erstmals wieder in die Lüfte. Der etwa einstündige Erprobungsflug sei problemlos verlaufen, sagte Dorit Knorr von der Zeppelin Luftschifftechnik (ZLT). Bevor das Luftschiff von der Leine gelassen wurde, testeten Techniker alle Systeme bei einem zweistündigen Standlauf.

Der 2001 auf den Namen „Bodensee“ getaufte und 2004 nach Japan verkaufte Zeppelin ist weit gereist. Von 2005 bis 2010 flog er vor allem Werbeeinsätze. Nachdem 2008/ 2009 die japanischen Unternehmen infolge der Wirtschaftskrise ihre Werbebudgets gewaltig zurückgefahren hatten, musste der Eigner den Betrieb einstellen. Mit bloßen Passagierflügen war das Luftschiff nicht rentierlich zu betreiben.

Die ZLT, die den Japan-Zeppelin bis dahin gewartet hatte, kaufte ihn zurück. „Er war in einem sehr guten Zustand, und wir konnten ihn gut gebrauchen, da wir mit unserem eigenen Luftschiff an Kapazitätsgrenzen kamen“, sagte Dort Knörr. Im Juli 2011 begannen in der Halle am Flughafen die Arbeiten an dem Gerippe. Der Zeppelin bekam ein ganz neues Innenleben, Leitwerke und Gondel wurden komplett überholt und die gesamte Struktur völlig neu aufgebaut.

Bis zum Start des EU-Klimaforschungsprojekts Pegasos am 14. Mai rüstet die Zeppelin-Mannschaft das Luftschiff mit Forschungsgeräten aus. Die „Bodensee“ wird in 2012 und 2013 vorrangig das Pegasos-Projekt übernehmen. „Neben dem wachsenden Marktsegment der Sondermissionen dient das zweite Luftschiff langfristig als Absicherung des Passagierfluggeschäfts im Bodenseeraum. Als Interimslösung könnte es zudem neue Märkte erschließen“ erläutert ZLT-Geschäftsführer Thomas Brandt die strategische Entscheidung für den Ausbau der Kapazitäten.

Ein zweites Luftschiff ebne den Weg für europaweite Touren. Zusätzlicher Bedarf bestehe auch im Bereich der Ausbildung von Piloten und Bodenmannschaft. Im Winter hatte die Reederei begonnen, zwei Piloten der Goodyear Tire & Rubber Company mit dem Betrieb des Zeppelin NT vertraut zu machen. Weitere Trainingseinheiten für die gesamte Luftschiffmannschaft des Reifenkonzerns erstrecken sich nun fortlaufend über die nächsten zwei Jahre.

Die Zeppelin Luftschifftechnik nutzte beim Wiederaufbau des Luftschiffs auch die Gelegenheit, entwicklungstechnische Neuerungen zu integrieren. In diesem Zusammenhang erhielt das Luftschiff eine komplett neue Längsstruktur, gefertigt von dem Friedrichshafener Unternehmen Zeppelin Systems. Der Hybrid aus alt und neu kann somit zu einem späteren Zeitpunkt vollständig auf die neu entwickelte Typenversion LZ N07-101 umgerüstet werden, teilt ZLT mit.

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