Janine Minge und Giulia Gwinn erstellen Strafenkatalog

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Stolz präsentiert Giulia Gwinn (links) das Ankündigungplakat für das Länderspiel gegen Schottland, das sie in Aktion zeigt. Team (Foto: ded)

Dass Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, bekommen nicht nur Trainer zu spüren. Vor rund sieben Monaten durften die Ailingerin Giulia Gwinn und ihre Freundin Janina Minge aus Lindau gegen die Niederlande das erste Mal das Nationalteamtrikot überziehen. Jetzt in zwei Duellen gegen die Schottinnen, die jeweils mit einem 6:0-Sieg endeten, waren die beiden 14-Jährigen die erfahrensten Akteurinnen in der deutschen U15-Auswahl. Im fünften Spiel traf Gwinn auch erstmals selbst ins Schwarze, nachdem sie bereits etliche Male als Vorbereiterin geglänzt hatte, Minge steuerte ihren bereits fünften Treffer bei.

Von Janina hatte Giulia erfahren, dass sie die Spielerin auf dem Ankündigungsplakat für den Vergleich mit Schottland sei. Die Lindauerin hatte es im Internet entdeckt. Dass sich die Ailingerin dieses mit sämtlichen Unterschriften der Mitspielerinnen aus Mühlheim am Main in die Heimat mitgebracht hat, versteht sich von selbst.

Da passte es perfekt ins Bild, dass sich die Mittelfeldakteurin vom FV Ravensburg erstmals in die Torschützenliste eintragen konnte. „Ich habe den Ball irgendwie über die gegnerische Torhüterin bekommen, sodass Giulia vollenden konnte“, beschreibt Janina Minge das 6:0 ihrer Freundin im zweiten Spiel gegen Schottland.

Die Lindauerin selbst profitierte davor bei ihren drei Treffern von Vorlagen Gwinns, die fünf Treffer gegen die Schottinnen vorbereitete. „Wir kennen die Laufwege der jeweils anderen ganz genau, das wird auch von unserer Trainerin Bettina Wiegmann nicht unterbunden,“ sagen die beiden unisono, die auch das Leistungspotenzial des aktuellen U15-Nationalteams hervorheben. Jedoch: Kurz bevor Minge und Gwinn einberufen wurden, gab es lediglich zwei 3:1-Erfolge gegen Schottland. Die Zwei vom Bodensee waren gegen die Niederlande die einzigen Vertreterinnen des Württembergischen Fußballverbands (wfv), jetzt waren es schon drei – und bereits sieben aus Baden-Württemberg.

Mit Fragen bombardiert

Seit dieser Saison werden die beiden Freundinnen selbst mit den Fragen bombardiert, die sie zu Beginn ihrer Nationalmannschaftskarriere den anderen stellten. Beide sind Jahrgang 1999 und konnten sich bereits bei ihren älteren Mitstreiterinnen durchsetzen. „Unsere Trainerin meinte natürlich, dass wir jetzt vorneweg gehen sollten. Damit kommen wir auch zurecht“, gibt sich Janina Minge selbstbewusst.

Die 14-jährige Stürmerin, die vor dieser Spielzeit vom VfB Friedrichshafen zum FC Wangen wechselte und dort wieder unter dem Ex-VfBler Thomas Birk bei der männlichen C-Jugend spielt, wurde gar zur Kapitänin ernannt und erstellte mit Giulia einen Strafenkatalog. „Wenn etwa das Handy bei Mannschaftsbesprechungen klingelt, ist es für 24 Stunden weg“, lacht Giulia. Sie verrät auch, dass der Trainerin die doppelte Strafe blüht.

Mehr zu lachen hatte die Schülerin des Graf-Zeppelin-Gymnasiums auch nach dem Duell mit ihrer Freundin in der Landesliga. Mit dem drittplatzierten FV Ravensburg, der von Fabian Durach und Sascha Ebenhoch trainiert wird, behielt sie gegen Janinas FC Wangen in der Vorrunde mit 2:1 knapp die Oberhand, zu einem direkten Duell auf dem Platz zwischen den beiden Freundinnen kam es aufgrund ihrer jeweiligen offensiven Ausrichtung jedoch nicht. „Das passiert, es gibt ja noch eine Rückrunde,“ lautet die Kampfansage der Schülerin des Bodensee-Gymnasiums in Lindau. Beide verraten, dass es derzeit auch Überlegungen gibt, in der spielfreien Zeit der männlichen C-Jugend mithilfe eines Doppelspielrechts bei den bis dato punktelosen B-Juniorinnen des Bundesligisten TSV Tettnang auszuhelfen.

Langweilig wird den begeisterten Fußballerinnen so oder so kaum, steht doch neben den etwa drei Trainings in ihren Vereinen (plus Spiel am Wochenende) jeden Montag das Stützpunkttraining in Wangen auf dem Programm, ehe Anfang Dezember ein weiterer Kaderlehrgang des DFB mit Leistungstests in Hennef ansteht.

Große Motivation dürfte – neben dem immer näherrückenden U16-Nordic-Cup – auch die U17 sein, mit der den beiden Kickerinnen dann erstmals Großereignisse wie die Europameisterschaften ins Haus stehen.

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