Herzensangelegenheit: Renate Moser hat Intersky 2001 gegründet, 2015 geht die Fluglinie zu 100 Prozent an einen neuen Besitzer.
Herzensangelegenheit: Renate Moser hat Intersky 2001 gegründet, 2015 geht die Fluglinie zu 100 Prozent an einen neuen Besitzer. (Foto: arc)
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

„Wir sind in den Verhandlungen sehr weit“, sagt Renate Moser, Gründerin und Geschäftsführerin der Regionalfluglinie, und bestätigt den bevorstehenden Verkauf von Intersky. Wer das Ruder übernimmt, soll erst bekannt gegeben werden, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Zum jetzigen Zeitpunkt verrät die 73-Jährige nur, dass es sich um einen Investor aus Deutschland handelt und der Kaufpreis fünf Millionen Euro beträgt.

Erst 2012 waren Hans Rudolf Wöhrl und Peter Oncken mit ihrer Beratungs- und Investmentfirma Intro Aviation GmbH bei der Fluglinie mit Stammsitz in Bregenz und Heimatflughafen am Bodensee-Airport in Friedrichshafen eingestiegen und hatten 75 Prozent der Anteile übernommen. Der Rest verblieb bei der Familie von Rolf Seewald, Renate Mosers Mann. Die Hoffnung: den Sinkflug der Airline zu stoppen und die Passagierzahlen und damit den Umsatz nicht nur zu stabilisieren, sondern in die Höhe zu treiben.

Das hat offensichtlich nicht zur Zufriedenheit aller geklappt, obwohl Intersky nach eigenen Angaben 2013 die Fluggastzahlen im Vorjahresvergleich um 25 und den Umsatz um mehr als 50 Prozent steigern konnte. Als Grund wurde der Ausbau der Flotte und des Streckennetzes genannt. Neu aufgestellt habe die Airline 2013 mit sieben Flugzeugen 200000 Passagiere befördert, der Umsatz sei dabei von 22,6 auf 34,7 Millionen Euro gestiegen, teilte Intersky Ende 2014 mit.

Mitarbeiter werden übernommen

Neuere Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht, doch die Verkaufsverhandlungen, die seit einigen Wochen laufen, lassen vermuten, dass sich der positive Trend nicht fortgesetzt haben dürfte. Auch wenn Intro-Geschäftsführer Peter Oncken bereits im September auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung betonte: „Es gehört zum Geschäftsmodell der Intro-Aviation, Airlines zu kaufen und verkaufen.“

Weil der Interessent die Regionalfluglinie zu 100 Prozent übernehmen will, mussten sich aber erst einmal die Gesellschafter einig werden. Was wohl geklappt hat: „Wir haben uns alle miteinander für den Investor entschieden, der die besten Möglichkeiten bietet“, sagt jedenfalls Renate Moser am Dienstagnachmittag. Es habe mehrere Interessenten auch aus dem Ausland gegeben, ausschlaggebend sei bei der Wahl unter anderem gewesen, dass der potenzielle Käufer schätze, „welches Knowhow und welch großartigen Mitarbeiter wir haben“.

Von etwa 150 Mitarbeitern spricht die Geschäftsführerin und wie sie ankündigt, werden alle übernommen. Und das am gewohnten Arbeitsplatz, denn ihren Stammsitz soll die Airline in Bregenz behalten und Homebase soll der Bodensee-Airport bleiben. Ebenfalls keine Änderungen wird es voraussichtlich beim Streckennetz geben: „Ich bin fast ein bisschen entsetzt, ich habe nie etwas von Streichungen gehört“, kommentiert Renate Moser Gerüchte, die Linienflüge ab Zürich betreffen. Eher komme in Frage, dass der Flugbetrieb ausgebaut werde, das allerdings sicher nicht vor dem Sommerflugplan 2016.

Um weitere Destinationen anzufliegen, müsste der neue Besitzer allerdings mehr ausgeben als die fünf Millionen Euro, die Intersky kosten soll. Dass der Preis für eine Fluglinie bezahlbar erscheint, liegt vor allem daran, dass die Flugzeuge nicht im Besitz der Airline, sondern geleast sind. Den Wert von Intersky macht „unsere Technik mit allem drum und dran und unser Wissen aus“, erklärt Renate Moser. Wenn es nach Peter Oncken geht, könnte der Verkauf bis spätestens Ende Oktober durch sein, die Geschäftsführerin tippt eher auf Ende des Jahres.

Klar ist schon jetzt: Die Regionalfluglinie, 2001 von Renate Moser aus der Taufe gehoben, wird noch 2015 einen neuen Besitzer haben. „Intersky liegt mir natürlich am Herzen, und ich möchte die Airline in guten Händen wissen, doch Emotionen dürfen bei derart wichtigen Verhandlungen nicht im Vordergrund stehen“, sagt dazu die Gründerin, die vorerst als Geschäftsführerin weiter machen will. Warum sie für den Verkauf ist: „Irgendwann ist in einer Familie eine Weiterentwicklung nicht mehr möglich.“ Renate Moser versichert, dass sie sich immer einbringen wird, wenn gewünscht, weiß aber auch, was sie ohne Intersky anfangen könnte: „Reisen und Urlaub machen.“

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