Seitdem Intersky den Flugbetrieb eingestellt hat, herrscht auf dem Bodensee-Airport in Friedrichsfen gähnende Leere.
Seitdem Intersky den Flugbetrieb eingestellt hat, herrscht auf dem Bodensee-Airport in Friedrichsfen gähnende Leere. (Foto: ras)
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

Komplettabsturz der Intersky: Am Montag hat die Regionalfluglinie beim Landgericht Feldkirch einen Insolvenzantrag eingereicht, wie Richter Norbert Stütler bestätigt.

Bereits am Donnerstag hatte Intersky den Flugbetrieb eingestellt. Die Folge: Auf dem Flughafen in Friedrichshafen herrscht gähnende Leere. „Wir spüren den Ausfall deutlich“, sagt Pressesprecher Andreas Humer-Hager. Und Ersatz ist anscheinend keiner in Sicht. Denn dass Eurowings die Intersky-Flüge nach Berlin und Düsseldorf übernimmt, stehe nicht fest.

„Sehr verwunderlich“ nennt es Norbert Stütler, dass die Regionalfluglinie auf ihrer Internetseite Passagiere mit gebuchten Tickets ersucht, ihre Forderungen an das Landgericht in Vorarlberg zu stellen. Weil das Konkursverfahren noch nicht eröffnet sei, könnten keine Ansprüche angemeldet werden, „schon gar nicht beim Landgericht Feldkirch“, betont der Pressesprecher auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung. Genau das bekämen auch die Fluggäste zu hören, die sich auf Geheiß von Intersky an die Behörde wenden.

Vorerst gebe es lediglich einen Konkursantrag „beziehungsweise zwei Anträge, um genau zu sein“, sagt der Sprecher des Landgerichts. Einer eingereicht von der Intersky Luftfahrt GmbH und der andere von der Seewald Leasing GmbH. Gewisse Verflechtungen zwischen den Gesellschaften seien wohl vorhanden – was nicht zuletzt der Eintrag in einem Branchenportal beweist, in dem als Tätigkeitsbeschreibung der Seewald Leasing GmbH „Personalleasing an das Unternehmen Intersky Luftfahrt GmbH“ angegeben ist.

Die Konkursanträge würden jetzt bearbeitet, „so dass ich dazu noch nichts sagen kann“, erklärt Norbert Stütler. Nur so viel: Zunächst gelte es zu klären, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Dazu müssten Gründe vorliegen, wie Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Kein Verfahren werde eröffnet, wenn nicht einmal mehr so viel Geld vorhanden ist, um die Kosten dafür zu bezahlen.

Im Fall der Intersky sei schwer abzuschätzen, wann eine Entscheidung fällt, da es sich wahrscheinlich um eine aufwendigeren Sachverhalt handle. „Möglicherweise zieht das Gericht auch einen Sachverständigen hinzu.“ Zum weiteren Prozedere sagt der Richter: Wenn es zu einem Verfahren komme, werde ein Insolvenzverwalter eingesetzt, „üblicherweise ein erfahrener Rechtsanwalt, der schon öfter derartige Aufgaben übernommen hat“. Dieser müsse sich zunächst einarbeiten und unter anderem entscheiden, ob das Unternehmen fortgeführt wird, was Norbert Stütler zufolge ebenfalls möglich ist.

Insolvensverwalter ist zuständig

Außerdem sei es am Insolvenzverwalter, die Unterlagen zu prüfen und auf die Gläubiger zuzugehen. Ob er dabei jeden Ticketinhaber berücksichtigt, kann der Sprecher des Landgerichts nicht garantieren. Ratschlag möchte er den Passagieren zwar keinen geben, doch sei natürlich eine Möglichkeit, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden.

Flughafensprecher Andreas Humer-Hager würde den Fluggästen, die wegen des Totalausfalls der Intersky nicht wissen, wie sie an ihr Ziel in Deutschland kommen sollen, gerne etwas raten. Und zwar, die Lufthansa-Maschine nach Frankfurt zu nehmen und dort umzusteigen. Das Problem: Während die Strecke von Friedrichshafen in die Main-Metropole vom aktuellen Flugbegleiter-Streik nicht betroffen ist, weil sie von der Lufthansa-Tochter Cityline ausgeführt wird, ist ungewiss, ob und wohin es von Frankfurt weitergeht.

„Ich befürchte, dass gerade eine ganze Menge an Geschäftsflügen ausfällt“, verrät Andreas Humer-Hager. Wie lange der Missstand anhält, sei schwer zu sagen. Einen Ersatz für die Intersky gebe es noch nicht. Die Regionalfluglinie mit Sitz in Bregenz und Heimatflughafen am Bodensee-Airport, zumindest bis die Leasinggesellschaft am Donnerstagabend vier von fünf Intersky-Fliegern einkassierte und nach Maastricht ausflog, hatte unter anderem zweimal am Tag Direktverbindungen nach Berlin, Hamburg und Düsseldorf im Angebot.

Zu der Nachricht, die vor allem im Internet die Runde macht, die Lufthansa-Tochter Eurowings übernehme einmal täglich außer samstags die Flüge nach Berlin und Düsseldorf, sagt der Flughafensprecher: „Das kann ich noch nicht bestätigen. Es gibt relativ konkrete Gespräche, aber nicht nur mit Eurowings.“ Von der Lufthansa-Tocher ist bislang ebenfalls keine Bestätigung zu bekommen. Dass die Flüge bereits bei Reiseanbietern auftauchten, liegt am „Phänomen Internet“, versichert Andreas Humer-Hager. Sein Kommentar: „Aktuell ist nichts buchbar.“

Die Höhen- und Tiefflüge von Intersky

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen