Integrationsfest in der ZU läuft aus dem Ruder

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Mit fünf Streifenwagen rückte die Polizei auf den Campus der ZU aus: Eine Integrationsparty war aus dem Ruder gelaufen.
Mit fünf Streifenwagen rückte die Polizei auf den Campus der ZU aus: Eine Integrationsparty war aus dem Ruder gelaufen. (Foto: dpa)
Alexander Mayer

Fünf Streifenwagenbesatzungen sind am Mittwochabend zu einem Einsatz auf den Campus der Zeppelin-Universität gerufen worden: Nachdem zuerst ein Integrationsfest mit Flüchtlingen aus dem Ruder gelaufen war und abgebrochen werden musste, gab’s anschließend nach einer Auseinandersetzung im Freien eine handfeste Auseinandersetzung zwischen jungen Männern.

Ein 22-jähriger alkoholisierter Flüchtling verletzte zwei andere mit einer abgebrochenen Flasche. Die Polizei nahm ihn bis zum Donnerstagmorgen in Gewahrsam.

Syrer und Kurden geraten aneinander

Das Integrationsfest lief als sogenannte „Tandemparty“ in der „White Box“ der ZU. Die studentische Initiative „Weltraum“ hatte sie auf die Beine gestellt. Der Partyraum war mit 40 Menschen gut gefüllt, Alkohol wurde nicht ausgeschenkt. Als sich arabische Musik in der „White Box“ schließlich durchsetzte, „anfänglicher Tanz zu einem wilden Gestampfe ausartete, gerieten Syrer und Kurden aneinander“, erzählt ein Mitglied des Asylhelferkreises von St. Columban. Die Frau hatte mit fünf Flüchtlingen die Party besucht.

„Um die Angelegenheit nicht eskalieren zu lassen, brachen wir kurz vor Partyende um 22 Uhr das Fest ab“, sagt Tim Robert Schleicher. Der Student ist Mitbegründer von „Weltall“ und hat die Party mitorganisiert. Während die meisten Gäste Gebäude wie Gelände gleich verließen, rotteten sich draußen noch einige zusammen. Da kam es dann zur Körperverletzung. Schleicher legt im SZ-Gespräch großen Wert darauf, „dass der Konflikt draußen aber nicht im Kontext der Party steht“.

Schnittverletzungen

Das sieht auch die Polizei so: Polizeisprecher Fritz Bezikofer nennt „Atemalkoholgehalt von knapp einem Promille sowie Streitigkeiten und Bedrohungen in den vergangenen Wochen“ als Gründe der Auseinandersetzung. Konkret: Ein 22-Jähriger ging mit einer abgebrochenen Flasche auf einen 20-Jährigen los und verletzte diesen erheblich an einem Arm. Als ein 29-Jähriger dazwischen ging, erlitt auch er Schnittverletzungen an einem Arm. „Da sich der aufbrausende und uneinsichtige 22-Jährige nicht beruhigen ließ und auch nach einem Platzverweis wieder zurückgekehrt auf Personen losgegangen war, ordnete ein Richter Gewahrsam bis am Morgen an“, sagt Betzikofer. Angerückt waren zwei Streifen der Bundespolizei, zwei aus Ravensburg und eine Bereitschaft aus Weingarten.

Betroffenheit am ZU-Campus

Am Tag danach macht sich auf dem ZU-Campus Betroffenheit breit. Uni-Sprecher Rainer Böhme spricht mit Blick auf die seit zwei Jahren gefeierten Tandempartys der Studenten von „nachhaltigem Integrationsprojekt, das weit über die Uni hinaus auf große Resonanz wie Anerkennung stößt“. „Tief betroffen von den Vorfällen“ zeigt sich Tim Robert Schleicher. „Wir distanzieren uns von jeglicher Gewalt, Intoleranz und Akten des Hasses“, sagt er. „Entmutigen lassen wollen wir uns nach den Vorfällen aber nicht“, heißt es weiter. „Wir werden in einem Reflexionsprozess die Sache aufarbeiten und wir werden Konsequenzen ziehen“, kündigt der Student der Soziologie und Politik an. Und: „Wir werden unser Format wohl etwas anpassen müssen“, erklärt Schleicher.

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