Integrationsarbeit steht auf neuen Füßen

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 Bürgermeister Andreas Köster und Natascha Garvin (Amtsleitung Abteilung Integration) mit Jasmina Brancazio und Martin Kunze (vo
Bürgermeister Andreas Köster und Natascha Garvin (Amtsleitung Abteilung Integration) mit Jasmina Brancazio und Martin Kunze (von links). Beide sind als „sachkundige Einwohner“ Mitglied des Integrationsbeirats. (Foto: Harald Ruppert)
Harald Ruppert Von Harald Ruppert

Im Februar hat der neue Integrationsbeirat der Stadt seine Arbeit aufgenommen. Seine Aufgabe ist es, den Gemeinderat in allen Fragen der Integrationspolitik zu beraten. Zu seinen Mitgliedern zählen unter anderem Vertreter aller Fraktionen des Gemeinderats sowie der sechs hauptamtlichen Träger der Integrationsarbeit: Caritas, Christliches Jugenddorfwerk, Rotes Kreuz, Johanniter, Volkshochschule und Diakonisches Werk. Beteiligt sind aber auch acht Häfler Bürgerinnen und Bürger, die selbst einen Migrationshintergrund mitbringen. Zwei von ihnen sind Jasmina Brancazio und Martin Kunze.

Sie haben sich ebenso wie 21 weitere Interessenten um Aufnahme in den Integrationsbeirat beworben, erklärt Natascha Garvin, Leiterin der Abteilung Integration im Amt für Soziales, Familie und Jugend. Neu ist, dass die im Integrationsbeirat vertretenen Bürger mit Migrantionshintergrund nicht als Vertreter eines bestimmten Herkunftslandes, einer bestimmten Gruppe oder eines Vereins betrachtet werden, sagt Garvin weiter. Allerdings bilde der Migrationshintergrund der ausgewählten „sachkundigen Einwohner“ im Beirat grob die Vielfalt der Herkunftsländer der Migranten in Friedrichshafen ab: „Aufgenommen wurden vier Männer und vier Frauen mit dem Migrationshintergrund Türkei, ehemaliges Jugoslawien, Nord- und Südamerika und dem arabischen Raum. Auch eine Spätaussiedlerin ist dabei. Wichtig war der Jury, dass die Ausgewählten „sehr interessiert und engagiert“ sind, sagt Garvin.

Jasmina Brancazio und Martin Kunze sind es auf jeden Fall. Jasmina Brancazio ist 34 Jahre alt und als Tochter serbisch-bosnischer Eltern in Friedrichshafen geboren und aufgewachsen. Sie ist Politikwissenschaftlerin, Geschäftsführerin der Christlichen Gewerkschaft Metall Friedrichshafen und hat viel Erfahrung in der Organisation von Integrationsprojekten gesammelt. Derzeit kandidiert sie für das Bürgermeisteramt in Uhldingen-Mühlhofen. „Das Interkulturelle und Interreligiöse ist bei uns Alltag“, sagt die zweifache Mutter. „Die Eltern meines Mannes stammen aus Italien. Wir feiern verschiedene religiöse Feiertage und sprechen verschiedene Sprachen. Wir sind Multikulti und ich sehe das als Bereicherung“, sagt sie.

Martin Kunze wurde 1958 geboren. Er studierte Maschinenbau und lebt erst seit einem Jahr in Friedrichshafen, ist aber seit 25 Jahren mit einer Häflerin verheiratet. Kunzes Familie wanderte vor über 100 Jahren nach Lateinamerika aus. Mehr als 45 Jahre hat er in Brasilien, Indonesien und Indien gelebt, dazwischen sechs Jahre in Europa. „Ich sehe die gesellschaftliche Polarisierung mit großer Sorge“, sagt er. Wobei es nichts helfe, nur eine Seite abzubilden. „Ich selbst habe große Schwierigkeiten mit fehlender Toleranz. Aber vielleicht habe ich auch große Fähigkeiten, Brücken zu bauen“, sagt er über sich. Die weiteren „sachkundigen Einwohner“ neben Brancazio und Kunze im Beirat sind Lisa Czok, Ömer Demircan, Hassan Enadifi, Larissa Kazungu-Igumba, Christine Krämer und Hüda Tuzlu.. Hauptaufgabe des Integrationsbeirats wird bis Ende 2020 die Erarbeitung eines Integrationsplans für Friedrichshafen sein, in Zusammenarbeit mit dem Forum der Kulturen und dem Forum der Religionen.

Bürgermeister Andreas Köster betont die Aufgabe des Integrationsbeirats. „Seine Arbeit ist wichtig. Und wir müssen die gesamte Bürgerschaft mitnehmen, dass sie für Toleranz, Freiheit und Demokratie aufsteht“, sagt er. Gewalt jeder Form gegen Migranten dürfe nicht akzeptiert werden. „Andere Religionen, andere Kulturen schätzen wir genauso wie unsere eigene“, sagt er. In Friedrichshafen leben 12 243 ausländische Bürgerinnen und Bürger aus 133 Nationen.

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