In Fischbachs neuer Mitte stehen noch viele Läden leer

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Sandra Philipp

Mit dem Bau der Neuen Mitte in Fischbach sind neben 95 Wohnungen auch zehn Büro- und Praxisflächen entstanden. Neue Geschäfte, Arztpraxen und Büros sollten den Häflter Stadtteil eigentlich beleben. Doch auch mehr als drei Monate nach der Fertigstellung des Gebäudes Ende 2017 ist es relativ ruhig in der neuen Ortsmitte. Lediglich ein Lebensmittelmarkt und zwei Praxen sind eingezogen - die anderen Gewerbeflächen stehen leer.

„Die Ansiedlung neuer Läden benötigt eine gewisse Zeit und Ausdauer“, erklärt Felix Deggelmann vom Bauträger BDS Universal-Bau GmbH in Konstanz. Ihn überrascht es nicht, dass ein Großteil der Einzelhandelsflächen noch keinen Mieter oder Käufer gefunden haben. Denn Fischbach verfüge bereits über eine sehr gute Infrastruktur und sei im Bereich der vergleichbaren Einzelhandelsflächen, mit einer Größe von 60 bis 200 Quadratmetern, gut aufgestellt. „Eventuelle Betreiber müssen das wirtschaftliche Risiko ihres Betriebskonzepts abschätzen können. Das ist vor Fertigstellung eines Projekts schwierig“, erklärt Deggelmann die Prozessdauer.

Der Bauträger hofft zudem auf den, noch nicht vom Gemeinderat beschlossenen, Bebauungsplan „Eisenbahnstraße“. Erst wenn dieser umgesetzt sei, erhalte das Gebiet eine Aufwertung und werde für künftige Käufer oder Mieter attraktiver. „Auch wird die Neue Mitte erst mit der geplanten Bahnquerung besser an die nördlichen Wohngebiete angebunden“, teilt Deggelmann mit. Damit steige vermutlich die Zahl der Laufkundschaft. Dietmar Nützenadel von der Fischbacher Runde kann den momentanen Leerstand ebenfalls nachvollziehen: „Nach drei Monaten kann es noch nicht laufen wie Schmidts-Katz.“ Auch er verweist auf den Bebauungsplan „Eisenbahnstraße“. Wenn dieser zu Tragen komme, werde das Gebiet für Geschäftstreibende attraktiver. Nützenadel: „Derzeit ist das Einzugsgebiet noch zu klein.“

Ob aus dem Neubau gegenüber des Bahnhof Fischbach auch für die Bürger eine richtige Ortsmitte werde, hänge außerdem davon ab, welches Konzept die BDS Universal-Bau GmbH verfolge. Ein Café oder Bankautomat könne durchaus helfen, die Neue Mitte attraktiver zu machen, so Nützenadel. Ebenfalls nicht weiter gereift, ist die ursprüngliche Überlegung der Stadt, das Fischbacher Bürgeramt sowie die Tourist-Information in der Neuen Mitte anzusiedeln.

„Weder der Gemeinderat noch einer seiner Ausschüsse beschäftigte sich bisher mit dem Thema der Verlegung an einen anderen Standort“, teilt Pressesprecherin Andrea Kreuzer auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung mit. Als das Bürgeramt 2009 von der Dornierstraße in die Zeppelinstraße zog, sei ein späterer Umzug in die Neue Mitte nur eine interne Überlegung gewesen, die nicht vertieft wurde, schreibt Kreuzer. „Auch befassen wir uns gegenwärtig nicht mit der Frage, die Bücherei in Fischbach zu verlegen.“

Unzureichende Beschilderung

Frank Eichwald, Mitglied der Geschäftsführung von Edeka-Sulger, zeigt sich mit der bisherigen Kundenakzeptanz zufrieden. „Der Markt wird gut angenommen. Auch wenn wir noch Luft nach oben haben.“ Eine Neueröffnung sei mit einem Umzug vergleichbar: „Es dauert dann ja, bis man sich einen neuen Freundeskreis aufgebaut hat.“ Der Fischbacher Lebensmittelmarkt habe bereits erste Freunde – sprich Stammkunden – gefunden. Auch Eichwald hofft auf eine baldige Anbindung an das Wohngebiet jenseits der Bahnlinie.

Ebenfalls hilfreich wäre aus seiner Sicht eine offensivere Beschilderung durch die Stadt. „Bei vielen ist noch nicht angekommen , dass es in Fischbach inzwischen einen eigenen Lebensmittelmarkt gibt“, sagt Eichwald. Auf rund 700 Quadratmetern gebe es rund 15 000 Artikel. Unter anderem frisches Obst und Gemüse – leider jedoch keine Fleisch-, Fisch- oder Käsetheke.

Der Laden könne durchaus etwas mehr Kundschaft vertragen, meint Gerhard Rapp, der mit seiner Frau hin und wieder gerne im neuen Lebensmittelmarkt in Fischbach einkaufen geht: „Eigentlich schade für so einen Laden, dass eher wenig los ist.“ Schließlich habe ein Lebensmittelladen in den vergangenen Jahren in Fischbach gefehlt. „Über so viele Jahre gab es keinen Laden, da müssen viele erst mal umdenken“, erklärt Brigitte Graf und bezieht sich in ihre These gleich mit ein. Zwar wohne sie nur um die Ecke, gehe aber eher sporadisch dort einkaufen: „Man ist halt ein Gewohnheitstier.“

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