Lydia Schäfer

Einmal Friedrichshafen, Hamburg, Skandinavien, Russland und zurück. 7500 Kilometer, zehn Länder in 15 Tagen: die Autorallye „Baltic Sea Circle“ hat es im Februar 2019 möglich gemacht und die beiden Häfler Geschäftsleute und Freunde Florian Köb und Markus Heggelbacher haben daran teilgenommen. Aber auch andere sollten von ihrem Abenteuer profitieren. In diesem Fall die Kinderstiftung Bodensee. Florian Köb und Markus Heggelbacher haben ihre Rallye-Teilnahme im Vorfeld beworben und um Spenden gebeten. „Da wir beide Kinder haben, lag es uns nahe auch etwas für Kinder zu tun“, erklärt Florian Löb und konnte Nicole Aich von der Kinderstiftung Bodensee 8500 Euro übergeben.

„Wir hatten das Ziel vor Augen, für jeden gefahrenen Kilometer einen Euro spenden zu können“, sagt Löb. Insgesamt bedanken sich die beiden Rallye-Fahrer für 7240 Euro Spenden, „und da wir ja auch noch bis Hamburg und nach Friedrichshafen zurückfahren mussten, wird der Betrag von uns auf 8500 Euro aufgerundet“, ergänzt Heggelbacher. Das Geld wird künftig für die Notlagenhilfe der Kinderstiftung verwendet. Hierbei werden Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr in besonderen Notlagen mit Bekleidung, Schuhen oder auch Möbeln für ihr Zimmer bezuschusst. Mithilfe einer Einkaufsbegleiterin werden die benötigten Dinge erworben und – bei Bedarf – Möbel auch vor Ort mitaufgebaut. Im vergangenen Jahr konnte die Kinderstiftung mit der Notlagenhilfe 391 Kindern im Bodenseekreis unterstützen.

Auszeit und Abenteuer

Die beiden Geschäftsleute freuen sich, dass sie helfen konnten und betonen: „Aber auch wir haben profitiert. Die Baltic-Sea-Rallye war für uns eine echte Auszeit.“ Sie hätten unglaubliches Glück gehabt, „mit dem Wetter, mit dem Fahrzeug – wirklich mit allem“, sagt Heggelbacher. Sie starteten neben gut 300 weiteren Teilnehmern am Hamburger Fischmarkt. Jedes Team hat sich einen Namen gegeben. „Wurstbrumme“ und „Heckengecko“ standen ebenso am Startplatz wie das Häfler-Team mit dem Namen „74 auf 75“. Beide sind 1974 geboren und sie sind mit einem Alfa Romeo 75 ins Rennen gestartet.

Die Baltic Sea ist kein Rennen im eigentlichen Sinne. Der Weg ist das Ziel und nicht die Schnelligkeit. „Wir haben zwar ein Roadbook ausgehändigt bekommen, aber man war sehr frei, seinen Weg zu wählen.“

Der Alfa Romeo Youngtimer sei einwandfrei gelaufen. Das Duo hatte sich im Vorfeld das Auto angeschafft. Im Kofferraum befanden sich Werkzeug, Räder mit Spikes und 15 Liter Benzin, „für den Notfall“. Auf der Rückbank hatten sie ihre Koffer und waren sonst nur mit Musik und Spaß unterwegs. „Dass es eine Winterrallye war, hat uns besonders gereizt“, erklärt Löb. Skandinavien im Schnee – das hätte was. Auf die Frage, ob sie dieselbe Rallye nochmals fahren würden, sagen beide: „Das kann man nicht wiederholen“. Sicherlich würde sie eine weitere Rallye reizen, aber es müsste nicht die Baltic Sea sein, „es sei denn, man macht das mal im Sommer“. Sie hätten so viel Glück gehabt, das sei nicht zu toppen. „Wir hatten keinerlei Probleme mit dem Auto, obwohl der Alfa schon 29 Jahre alt ist“. Den Wagen haben sie sich für ihre Bedürfnisse zurecht gemacht. Bequeme Sitze wurden eingebaut und der Motor hergerichtet. „Ich bin ja gelernter Automechaniker. Wenn unterwegs etwas passiert wäre, hätte ich schon was machen können. Aber das brauchten wir nicht“, sagt Florian Köb. Nicht jeder Startteilnehmer ist auch wieder ans Ziel gelangt, „aber Gott sei Dank waren es nur Motorschäden. Es ist niemandem etwas passiert“.

Die Reise führte sie von Hamburg nach Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und wieder zurück nach Hamburg. Sie haben Polarlichter am Nordkap gesehen und die Erfahrung gemacht, dass kleine Verkehrssünden in Norwegen zu Buche schlagen. „Wir waren acht Stundenkilometer zu schnell“, sagt Heggelbacher, was gleich mit 235 Euro geahndet wurde. „In Norwegen mit Bargeld zu bezahlen, ist auch nicht so einfach“, erklären sie. Kartenzahlung sei überall möglich, Barzahlung nur bedingt. In Finnland war es am kältesten Tag minus 33 Grad kalt und an der russischen Grenze durften sie nur mit zehn Liter Ersatzbenzin einreisen. „Ich habe versucht, so viel wie möglich in den Tank zu leeren“, aber die zwei Liter, die nicht mehr hineinpassten, mussten auf Geheiß des Zollbeamten vor seinen Augen ausgeschüttet werden. Für die beiden Geschäftsleute war das unvorstellbar, aber der Beamte habe darauf bestanden. Letzlich sind es aber die vielen Eindrücke, die sie mit nach Hause genommen haben: die raue Landschaft im Schnee, die Bilder der Polarlichter am Himmel, die Lofoten und die Tatsache, „dass es dort wirklich wunderschön ist, aber wir dennoch froh sind, hier am See zu leben“.

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