Immer mehr Friedrichshafener beantragen Wohnberechtigungsscheine

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 Gebaut wird in Friedrichshafen seit Jahren ziemlich viel – dennoch ist der Wohnungsmarkt extrem angespannt. Die Mietpreise stei
Gebaut wird in Friedrichshafen seit Jahren ziemlich viel – dennoch ist der Wohnungsmarkt extrem angespannt. Die Mietpreise steigen, die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum übersteigt das Angebot deutlich. (Foto: Archiv: Gunnar Michael Flotow)

Zu wenig Wohnraum, zu hohe Mieten: Der Wohnungsmarkt in Friedrichshafen ist extrem angespannt – was dazu führt, dass insbesondere Wohnungssuchende mit geringem bis mittlerem Einkommen sich immer schwerer tun, eine passende und bezahlbare Bleibe zu finden. Das spiegelt sich auch im Bericht zu den verschiedenen Wohnraumförderprogrammen der Stadt wider, den Jürgen Dietz, Leiter der Abteilung Wohnungswesen, am Dienstag im Bauausschuss vorgestellt hat.

Regelrecht in die Höhe geschnellt ist in den vergangenen zwei Jahren zum Beispiel die Zahl der ausgestellten Wohnberechtigungsscheine. Die sind erforderlich, um Sozialwohnungen beziehen zu dürfen – also Wohnungen, die aufgrund von öffentlichen Förderleistungen aus der sozialen Wohnraumförderung vergleichsweise günstig vermietet werden müssen. War die Zahl der Wohnberechtigungsscheine zwischen 2010 und 2016 noch vergleichsweise langsam von 195 auf 231 gestiegen, hat sich diese in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt, auf 554.

Offensichtlich sehen immer mehr Wohnungssuchende in diesem Schein ihre einzige reelle Chance, eine bezahlbare Bleibe zu finden. Für die kommenden Jahre rechnet Jürgen Dietz mit einem weiteren Anstieg. Für das laufende Jahr hat die Stadt laut eigener Auskunft bereits jetzt 110 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt. Und im Rathaus geht man davon aus, dass durch die steigenden Mietpreise auch die Haushalte mit mittlerem Einkommen vermehrt nach bezahlbarem Wohnraum suchen und sich mittelfristig ebenfalls um Wohnberechtigungsscheine bemühen werden.

Kein Angebot, kein Baukindergeld

Nicht so recht ins Bild passt auf den ersten Blick die Entwicklung der gewährten Mittel aus dem Förderprogramm Baukindergeld. Während 2011 noch 273 000 Euro gewährt wurden, waren es 2017 lediglich 52 500 Euro. Dietz erklärt das aber nicht etwa mit einer gesunkenen Kaufnachfrage nach Häusern und Wohnungen, sondern schlicht damit, dass eben kein entsprechendes Angebot vorhanden war. 2018 ist die Fördersumme wieder deutlich gestiegen, auf 174 500 Euro, was Dietz darauf zurückführt, dass unter anderem mit dem dritten Bauabschnitt des Neubaugebiets Wiggenhausen Süd und der Erschließung des Baugebiets Pfaathaagäcker wieder Angebote geschaffen wurden. Geplante weitere Baugebiete werden nach seiner Einschätzung dazu führen, dass die Zahl der Anträge auf Baukindergeld weiter steigen wird.

Im Förderprogramm für senioren- und behindertengerechtes Wohnen ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass das von der Stadt bereitgestellte Budget, zuletzt 50 000 Euro im Jahr, voll ausgeschöpft wurde. Gefördert wird mit diesem Programm der barrierefreie Umbau von bestehenden Gebäuden oder Wohnungen. Entsprechende Anträge werden insbesondere für den Sanitärbereich gestellt.

Deutlich nachgelassen hat zuletzt die Nachfrage nach der 2016 eingeführten Vermieterprämie, die die Stadt gewährt, wenn Eigentümer Wohnraum für Menschen zur Verfügung stellen, die bei der Stadt als Wohnungssuchende gemeldet sind. In der Regel sind das Menschen und Familien, die erfahrungsgemäß schwer zu vermitteln sind, zum Beispiel Flüchtlinge oder akut von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. Den Rückgang der Nachfrage erklärt Jürgen Dietz zum einen damit, dass es kaum noch ein Angebot an entsprechenden Wohnungen gibt, zum anderen aber auch mit einer gewissen Skepsis von Eigentümern im Hinblick auf die genannte Zielgruppe potenzieller Mieter.

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