Im Fallenbrunnen steht die Container-Uni der Zeppelin Universität Friedrichshafen kurz vor Fertigstellung

Lesedauer: 5 Min
Ralf Schäfer

Die Container- Uni der Zeppelin Universität nimmt Form an und soll in gut zwei Wochen die ersten Lehrveranstaltungen beherbergen. Zeitlich ist der Bau dieser Übergangslösung für die ZU zwar nicht im Soll, die Verzögerung aber konnte aufgefangen werden, weil die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) dankenswerterweise noch Räume zur Verfügung gestellt hat. Dort beginnt das Semester erst Anfang Oktober statt wie an der ZU Anfang September. Katja Völcker, Kanzlerin und Geschäftsführerin der ZU, dankt Prof. Martin Freitag von der DHBW ausdrücklich für dieses Entgegenkommen.

Die Container-Uni wird eine Übergangslösung sein, wird für annähernd zwei Jahre für Studenten Seminarräume und für Mitarbeiter und Professoren Büros bieten, bis der Erweiterungsneubau der Uni im Fallenbrunnen 3 fertig ist. „Wir planen eine Nutzung bis 2014“, sagt Katja Völcker. Abhängig dürfte diese Planung lediglich von eventuell auftretenden Unabwägbarkeiten bei der Altbausanierung sein.

Dass die Zeppelin Universität einen Container-Standort nicht als bloße Aufreihung von Containern nutzt, sondern kreativ und innovativ mit den gebotenen Mitteln umgeht, versteht sich schon aus dem Selbstverständnis, mit dem die ZU diesem Provisorium begegnet. Ihr Präsident Stephan A. Jansen hatte vor einiger Zeit noch Sorge geäußert, eine Container-Uni könnte Studenten abschrecken, sich an der ZU zu bewerben. Mit der kreativ-künstlerischen Herangehensweise, wie zur Zeit die Container mit Leben gefüllt werden, und in der Art, wie die Studenten selbst Teil haben am Gestaltungsprozess „ihres“ Provisoriums dürften sich diese Sorgen zerschlagen. Nicht umsonst haben die beiden Künstler, die das Entstehen der Container-Uni begleiten, Margrit Czenki und Christoph Schäfer – letzterer hat bereits das Fallenbrunnen-Sommerfest 2008 mitgestaltet – den Leitsatz herausgegeben: „Nutze das Provisorium und sorge dafür, dass in vier Jahren alle diesem Zustand nachweinen“.

Seit Herbst 2011 haben sich Studenten, Architekten, Künstler und Mitarbeiter immer wieder zusammen gesetzt, um ein Gesamtwerk zu schaffen „das die Grenzen von universitärer Lehre, Kunst und Architektur herausfordert und verschiebt“, sagen Czenki und Schäfer.

Auf diese Art ist eine, zum restlichen Fallenbrunnen in seiner ursprünglichen Form als Kaserne eher introvertiert daherkommenden Struktur, sehr offene und sich dem Umfeld darbietende Architektur von Fertigbauteilen entstanden. Die besitzt eine weit höhere Qualität, als das Bauteil Container zunächst vermuten ließe. Diese Container stammen von der Zeppelin Rental GmbH, mit denen wie auch mit den Mitarbeitern der städtischen Ämter „es eine konstruktive und sehr positive Zusammenarbeit“ gegeben habe, sagt Katja Völcker.

Wenn dann Anfang Oktober der Lehrbetreib und gegen November die ersten öffentlichen Veranstaltungen hier stattfinden, wird es auch neue Veranstaltungsformate geben, die sich aus dem Experimentieren mit den Gegebenheiten ergeben.

Wichtig ist der Container-Uni, dass sie sich auch für andere Fallenbrunnen-Benutzer, -Bewohner und -Anlieger öffnet, was heute schon durch die räumliche Integration der DHBW-Container sichtbar ist. Den Mensabetrieb übernimmt bisweilen neben dem Café Mundvoll das Refugium im benachbarten Kulturhaus Caserne.

Und wenn der Betrieb läuft, werden ein Dichterhaus, ein studentischer Rückzugsraum in Form eines rundum gepolsterten Containers sowie ein „präsidialer Wohnwagen“ als Konferenzraum auf den als Gartenhaus, Mondhaus und Autohaus bezeichneten Gebäuden stehen.

Prof. Stephan A. Jansen in Anlehnung an Walt Whitman: „Soviel Garage war nie.“

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen