Alice Weidel, Kandidatin der AfD aus Überlingen, ist zuversichtlich, dass es mit dem Landtagsmandat klappt.
Alice Weidel, Kandidatin der AfD aus Überlingen, ist zuversichtlich, dass es mit dem Landtagsmandat klappt. (Foto: Gunnar M. Flotow)
Schwäbische Zeitung
Gunnar M. Flotow

Wenn man den Meinungsforschern glauben darf, wird die Alternative für Deutschland am 13. März mit zehn Prozent der Stimmen oder mehr in den Landtag von Baden-Württemberg einziehen. Alice Weidel, Kandidatin der AfD am Bodensee, ist zuversichtlich, dass sie ein Mandat bekommt.

Völkische Parolen, krude Thesen über Schießbefehle, Vorwürfe an das „medial-politische Kartell“, Kritik an „schwarz-rot-grünen Antidemokraten“: Keine Partei sorgt derzeit für mehr Zündstoff in der politischen Debatte als die AfD. Die von vielen als Rechts-Populisten Bezeichneten teilen gerne aus – und zwar lieber mit dem Säbel als mit dem Florett –, sie müssen aber auch einstecken. Boykotte oder Demos bei ihren Veranstaltungen, Anfeindungen, teilweise entlädt sich der Zorn auch in der Zerstörung von AfD-Wahlplakaten. „Das geht nicht spurlos an mir vorbei. Mich macht das traurig, dass die zivile Auseinandersetzung völlig abhandengekommen ist“, sagt Alice Weidel, die Kandidatin der AfD für den Wahlkreis 67. Dafür, dass der Wahlkampf derart emotional aufgeladen ist, macht sie aber nicht nur den politischen Gegner verantwortlich. „Das Spitzenpersonal der AfD muss auch kritisch mit sich selber umgehen“, findet die 37-Jährige. „Wenn in Bildern gesprochen wird, die nicht in den politischen Kontext hineingehören, muss man sich nicht wundern.“

Wenngleich es in der Außendarstellung Schwächen geben mag, in der Sache steht Alice Weidel fest zu ihrer Partei. Zum derzeit alles bestimmenden Thema Flüchtlinge vertritt sie die Position, dass Asylbewerber schneller geprüft und bei Ablehnung schnell zurückgeschickt werden müssten, damit Kapazitäten für wirklich Bedürftige geschaffen werden könnten. Die gegenwärtige Politik führe dazu, dass Flüchtlinge angezogen und in die Sozialsysteme einwandern würden – mit gravierenden Folgen. Zudem sollten Kommunen ein Mitspracherecht bekommen, wie viele Flüchtlinge sie aufnehmen können.

Die AfD-Kandidatin vom Bodensee, die sich selbst dem liberalen Flügel ihrer Partei zuordnet, sieht sich als Kämpferin gegen eine Bevormundung durch den Staat und für mehr Eigenverantwortung. Bei politischen Entscheidungen sollten ihrer Meinung nach die Bürger stärker einbezogen werden. „Ich stehe für direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild“, betont Alice Weidel. Als konkretes Beispiel für einen Bürgerentscheid nennt sie die B 31-Trasse bei Hagnau – hier sollten die Menschen vor Ort entscheiden dürfen, wo die Straße verlaufen soll. Weitere wichtige politische Ziele, die sie nennt: Rückkehr zum mehrgliedrigen Schulsystem, Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn, Abschaffung der Kindergartengebühren, Selbstbestimmung von Frauen stärken.

Mitglied seit Herbst 2013

Alice Weidel, geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen, zog Ende der 90er-Jahre mit ihrer Familie an den Bodensee. Nach dem Studium von Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre arbeitete sie als Analystin in Frankfurt, bevor sie einige Jahre lang Projekte in China betreute. Die 37-jährige Unternehmensentwicklerin wohnt in Überlingen, lebt in eingetragener Lebenspartnerschaft mit einer Schweizer Filmemacherin und hat einen dreijährigen Sohn. Für Politik habe sie sich schon immer interessiert. Aus dem Interesse wurde 2013 Engagement. Dass sie ihre politische Heimat in der AfD gefunden hat, liege vor allem daran, dass sich die FDP bei einem Mitgliederentscheid für den Eurorettungsschirm ausgesprochen hatte. Im Herbst 2013, nachdem die AfD bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war, trat die Euro-Kritikerin Alice Weidel in die Partei ein. Wie sie ihre Chancen vor der Landtagswahl sieht? „Ich sag’ jetzt einfach mal: Ich schaffe das.“

Die SZ stellt in einer Serie die Kandidaten von CDU, Grünen, SPD, FDP, Linken und AfD vor. Auf dem Podium werden diese auch am Mittwoch, 2. März, ab 19.30 Uhr im Friedrichshafener Dornier-Museum bei einer Diskussion dabei sein. Der Eintritt und die Parkplätze vorm Haus sind frei.

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