„Hot Club Harmonists“ heizen den Zuhörern mit „Gypsy-Jazz“ kräftig ein

Mit Swing aus dem alten Europa haben die Hot Club Harmonists ihr Publikum in der ausverkauften MŸhle elektrisiert. Von links Mat
Mit Swing aus dem alten Europa haben die Hot Club Harmonists ihr Publikum in der ausverkauften MŸhle elektrisiert. Von links Mat (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Django Reinhardts legendäres „Quintette du Hot Club de France“ stand ebenso Pate wie die „Comedian Harmonists“, als Gitarrist Frank Wekenmann in Tübingen Gleichgesinnte um sich scharte und mit ihnen die „Hot Club Harmonists“ gründete, die am Samstag in der ausverkauften Mühle in Oberteuringen für Furore sorgten.

Hatte Reinhardt in den dreißiger Jahren amerikanischen Swing mit traditioneller Sinti-Musik zum „Gypsy-Swing“ verschmolzen, gehen die Hot Club Harmonists noch einen Schritt weiter, indem sie diesen mitreißenden Sound mit alten Schlagern, mit Liedern der Comedian Harmonists, mit Musette-Walzern, aber auch mit feurigen oder sentimentalen ungarischen und russischen Liedern verbinden. Was herauskommt, wenn zudem hervorragende Solisten spielen, hat in den Mühle in Oberteuringen vom ersten Moment an für gebannte Spannung, für helle Begeisterung gesorgt.

Noch schnell ein Küsschen auf die Geige und sie legen los mit ihrem furiosen „Gypsy-Jazz“ und der Spaß daran guckt ihnen aus allen Knopflöchern. Kein Wunder, denn sie alle sind absolute Meister ihrer Instrumente. Frank Wekenmann ist Mitglied bei David Orlowskys Klezmorim und hat bei zahlreichen Theaterprojekten, CD- und Filmmusikproduktionen mitgewirkt, James Geier an der Rhythmusgitarre spielt in Musicalproduktionen, Kontrabassist Steffen Hollenweger in Bigbands, Jazz- und Latinformationen und Matthias Buck, Orchestermusiker in der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, genießt sichtlich seinen Ausflug als rasanter Teufelsgeiger, ob im Wettstreit mit dem Gitarristen oder mit der Sängerin Katalin Horvath, die mit ihrer vitalen Präsenz und ihrer ausdrucksstarken Stimme der Gruppe ihren eigenen Stempel aufdrückt.

Im Stile Django Reinhardts reisen sie durch das alte Europa, beginnen mit Helmut Zacharias’ „Schönes Wetter heute“, brechen mit Heinz Rühmann „die Herzen der stolzesten Frau’n“, wandern be“swingt“ ins Reich der Musette-Walzer: „Wir haben kein Akkordeon, aber wir haben ja unseren Geiger.“ Schmeichelnd guckt die „schöne Isabella aus Kastilien“ aus einem Pasodoble hervor, entführt urplötzlich zu Bizets Carmen, bevor es mit dem „Schwanengesang eines alten Seebären“ zurückgeht zu den Comedian Harmonists.

Wehmütig singt die Geige, unter Lächeln schluchzend, wechselt aberwitzig zu Django Reinhardts „Hungaria“ und da tritt die Sängerin auf den Plan mit einem melancholischen Csardas, der bald sprühend vital wird. Wunderbar suggestiv ist ihre Stimme, wenn sie eine Ballade, ein russisches Zigeunerlied singt. Jede einzelne Nummer möchte man beschreiben, ob die schmachtende „Caprisonne“ oder Adriano Celentanos feurigen Song „Azzurro“ oder Charles Trenets tiefsinniges Chanson „Que reste-t-il des nos amours?“ Man darf nur hoffen, dass die Gruppe bald wiederkommt – versprochen hat sie’s.

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