Homeoffice mit Meerblick: Diese Firma vom Bodensee bietet ihren Mitarbeitern „Workation“ an

Redakteur

„Neben meinen Bildschirm hatte ich direkt den Blick aufs Meer“, sagt Markus Wingler. Er ist Software-Entwickler beim Friedrichshafener Unternehmen Doubleslash, tauschte in diesem Sommer aber eine Woche lang den Bodensee gegen die Italienische Riviera.

Denn Doubleslash bietet seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit einer sogenannten Workation – also die Verbindung von Arbeit (work) und Urlaub (vacation). Damit will das Softwareunternehmen nicht nur seinem Team etwas Gutes tun, sondern auch im heißumkämpften IT-Bereich Fachkräfte gewinnen und halten.

„Grundsätzlich ist Workation ein Konzept, das mobiles Arbeiten und Urlaub vereint“ , sagt Leonie Hlawatsch, Personalleiterin bei Doubleslash. Diese Idee hat das Unternehmen unter dem Namen „WILA“ in diesem Jahr erstmals ausprobiert. WILA, das steht für „When I look away“ und spielt darauf an, was die Mitarbeiter sehen, wenn sie den Blick von ihrem Bildschirm wegschweifen lassen.

Auch Familie und Freunde dürfen mit

Denn Doubleslash ermöglicht seinen Mitarbeitern, im Rahmen des WILA-Projekts einen einwöchigen Aufenthalt im Ausland, wo sie arbeiten, aber auch Urlaub machen können. „Wir bieten ein Paket an: Unsere Kollegen und Kolleginnen können in verschiedene Länder in Europa reisen – in die Großstadt, ans Meer oder in die Berge.“

 Leonie Hlawatsch ist Personalleiterin bei Doubleslash in Friedrichshafen.
Leonie Hlawatsch ist Personalleiterin bei Doubleslash in Friedrichshafen. (Foto: Doubleslash)

London, italienische Riviera und Österreich, jeweils mit von Doubleslash festgelegten Unterkünften, stehen zur Auswahl. Selbst bezahlen müssen die Doubleslash-Mitarbeiter nur die An- und Abreise sowie die Verpflegung. „Wir finanzieren die Unterkunft, auch für die Familie oder Freunde der Mitarbeitenden“, sagt Leonie Hlawatsch.

Wie viel vor Ort gearbeitet wird, entscheiden die Arbeitnehmer selbst. „Die Kolleginnen und Kollegen nutzen ihren Urlaub oder ihre Gleitzeit unterschiedlich. Manche nehmen sich während der Workation die Vormittage frei, andere ganze freie Tage“, so Hlawatsch. Bislang hätten etwa 50 Menschen aus dem Doubleslash-Team das Angebot in Anspruch genommen.

Ein Gefühl wie Home-Office im Urlaub

Einer davon ist Markus Wingler. Er ist Senior Software Developer bei Doubleslash und hat im Juli eine einwöchige Workation in Italien verbracht. Mit dabei hatte er auch seine Frau und seinen Sohn. „Wir kamen am Samstagnachmittag an und sind dann erst mal an den Strand. Das war vom Gefühl her total wie Urlaub“, sagt er.

Tags darauf habe er sich in einer ungewohnten Situation wiedergefunden: Während seine Familie einen Ausflug in die Stadt unternahm, blieb er in der Unterkunft – und arbeitete. „Das hat sich wie Home-Office angefühlt“, sagt Wingler. Mit einem entscheidenden Unterschied: Von seinem Arbeitsplatz aus hatte der Software-Entwickler freien Blick auf das Meer.

 In diesem Ferienhaus können Mitarbeiter von Doubleslash eine Woche lang „Workation“ machen – und der Arbeitgeber bezahlt.
In diesem Ferienhaus können Mitarbeiter von Doubleslash eine Woche lang „Workation“ machen – und der Arbeitgeber bezahlt. (Foto: Doubleslash)

In der Workation-Woche waren Arbeit und Freizeit dann strikt aufgeteilt: „Unter der Woche habe ich vormittags gearbeitet. Nachmittags habe ich dann Ausflüge mit meiner Familie gemacht“, sagt Markus Wingler. Sie hätten die Gassen von Spotorno und Noli erkundet, seien in einem Wasserpark gewesen – und auch in dem Ferienhäuschen habe es sich trotz der Hitze aushalten lassen, gab es dort doch eine Klimaanlage und sogar einen eigenen Pool.

Nicht nur Erholung pur

Was die Arbeit angeht, war es laut Markus Wingler durchaus eine Umstellung: Er habe sich gut überlegt, welche Aufgaben er in der Zeit schaffen kann. „Man muss sich selbst im Vorfeld gut organisieren“, sagt er. Zudem habe er sich intern mit seinem Team abgesprochen, sodass jeder wusste, wann er in der Woche nicht verfügbar ist. „Ich glaube, für Leute, die Arbeiten im Home-Office nicht so mögen, ist es nichts. Aber ich bin ein Home-Office-Typ – und deshalb auch ein Workation-Typ.“

 Markus Wingler arbeitet als Senior Software Developer bei Doubleslash in Friedrichshafen.
Markus Wingler arbeitet als Senior Software Developer bei Doubleslash in Friedrichshafen. (Foto: Doubleslash)

Eine Woche pure Erholung war der Aufenthalt in Italien trotzdem nicht. „Natürlich war ich gedanklich jeden Tag bei der Arbeit“, sagt Markus Wingler. Aber gleichzeitig habe er auch täglich einen „Wechsel zum Urlaub“ gehabt, was der Software-Entwickler als „sehr positiv“ ansieht.

Aber warum nehmen Unternehmen überhaupt Geld in die Hand, um ihre Mitarbeiter in einen solchen „Arbeitsurlaub“ zu schicken? „Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein. Für uns gehört dazu Wertschätzung in jeglicher Form“, sagt Doubleslash-Personalleiterin Leonie Hlawatsch.

 Doubleslash bezahlt für seine Mitarbeiter ein volleingerichtetes Ferienhaus in Italien.
Doubleslash bezahlt für seine Mitarbeiter ein volleingerichtetes Ferienhaus in Italien. (Foto: Doubleslash)

Gerade im IT-Bereich sind Fachkräfte heiß begehrt und von vielen Arbeitgebern umworben. Um hier Spezialisten anzuwerben und auch länger ans Unternehmen zu binden, sei die angesprochene „Wertschätzung“ zentral. „Ein attraktives Benefit-Angebot ist ein Teil davon“, sagt Hlawatsch.

Im Vorfeld gab es viel zu klären

Dafür nimmt das Unternehmen auch Aufwand in Kauf. „Im Vorfeld mussten wir einige rechtliche Dinge klären. Zum Beispiel ist so eine Reise ein geldwerter Vorteil, der in der Lohnabrechnung korrekt verbeitragt und versteuert werden muss“, sagt Leonie Hlawatsch.

 Arbeit mit Aussicht: Vom „Workation“-Ferienhaus in Italien ist es nicht weit bis zum Meer.
Arbeit mit Aussicht: Vom „Workation“-Ferienhaus in Italien ist es nicht weit bis zum Meer. (Foto: Doubleslash)

Zudem habe sich die Firma darum kümmern müssen, dass mit dem Krankenversicherungsschutz ihrer Arbeitnehmer im Ausland alles seine Richtigkeit hat. Doch all das Organisatorische drumherum habe sich gelohnt: „Das Feedback der Kollegen und Kolleginnen war sehr positiv. Viele waren baff, dass wir so etwas anbieten“, sagt die Personalleiterin.

Das Pilotprojekt laufe nun noch bis Mai. „Danach wollen wir schnell entscheiden, wie es mit dem Thema weitergeht“, berichtet Leonie Hlawatsch. Es sei gut möglich. dass das Thema Workation bei Doubleslash auch langfristig eine Rolle spielt. Mitarbeiter Markus Wingler jedenfalls würde so ein Angebot jederzeit noch mal nutzen, sagt er.

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