Hochwassersicherer Ausbau der Rotach bewegt nach wie vor die Gemüter

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Die Planungen des Hochwasserschutzes entlang der Rotach stehen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung, zu der die Bürgerinitia
Die Planungen des Hochwasserschutzes entlang der Rotach stehen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung, zu der die Bürgerinitiative FN-Ost ins Gemeindehaus St. Columban eingeladen hatte. Im Vordergrund (von rechts) Klaus Ruff (Leiter des Amtes für Wasser- und Bodenschutz des Landratsamts), Wolfgang Kübler (Leiter des Stadtbauamts) und Tim Glaser (Vorsitzender Bürgerforum FN-Ost). (Foto: W. Geiselhart)
Wilfried Geiselhart

Wenn es um den hochwassersicheren Ausbau der Rotach geht, dann wurde in den vergangenen Jahren meist heiß und teilweise auch sehr kontrovers diskutiert. Dass das Thema – gerade auch den Bürgern der östlichen Stadtteile St. Georgen, Kitzenwiese, Schreien- esch und Seewiesenesch – nach wie vor die Gemüter bewegt, das zeigte sich bei der Mitgliederversammlung, zu der das Bürgerforum FN-Ost unter dem Vorsitz von Tim Glaser ins Gemeindehaus St. Columban eingeladen hatte.

Wolfgang Kübler, Leiter des Stadtbauamtes, erläuterte zunächst den „Masterplan“ des beauftragten Büros Ramboll aus Überlingen, den er bereits im vergangenen Juli im städtischen Ausschuss für Planen, Bauen um Umwelt präsentiert hatte. „Es geht nicht allein um Hochwasserschutz“, so Kübler zur Vision eines „Erlebnisraums Rotach“, die in ihrer konzeptionellen Ausrichtung viele Aktivitäten ermöglichen, auch den Velo-Ring miteinbeziehen und den Fluss für Jung und Alt „erlebbar“ machen will. Demnach sei unter anderem an Naturbeobachtungs-Plattformen oder Flussüberquerungen mithilfe von Trittsteinen gedacht.

Die kritischen Nachfragen im gut besetzten Gemeindesaal blieben nicht lange aus. Eine mögliche „Verrummelung der Rotach“ durch allzu viele Freizeitattraktionen wurde durch eine Wortmeldung ins Spiel gebracht. Aber braucht man überhaupt einen Hochwasserschutz? „Ich habe ein richtiges Rotach-Hochwasser noch gar nicht erlebt“, sagte eine 40-jährige Dame – die von alteingesessenen Anwohnern aber schnell eines Besseren belehrt wurde. Nach neuesten Berechnungen könne das sogenannte „100-jährige Hochwasser“ der Rotach im Stadtgebiet Schadenssummen von bis zu 90 Millionen Euro nach sich ziehen, weiß Klaus Ruff, Leiter des Amtes für Wasser- und Bodenschutz des Landratsamtes.

Dass entsprechende Schutzmaßnahmen etwa in Oberteuringen zu wenig in die bisherigen Überlegungen miteinbezogen worden seien, wurde von einem Mitglied der „Bürgerinitiative zum Erhalt der Rotachbäume“ lautstark moniert. Eine Argumentation, der Klaus Ruff heftig widersprach. Man habe vonseiten der Fachleute um die beste Variante gerungen, betonte er. Bei Hochwasserschutzmaßnahmen in mündungsfernen Regionen wie im Deggenhausertal oder Oberteuringen seien die notwendigen Eingriffe in die Natur um ein Vielfaches größer.

Es sei sinnvoller, das Bett der Rotach zu verbreitern, anstatt hohe Dämme zu bauen, diese Meinung ging aus einer anderen Wortmeldung hervor. „Die Rotach darf nicht eingesperrt bleiben. Ihr müssen mehr Räume zugestanden werden. Dazu gehören auch die Industrieparkplätze“, so die klar formulierte Forderung. Eine Verbreiterung sei schwierig zu realisieren, so die Antwort von Klaus Ruff – auch im Hinblick auf das Überleben der Fische, da das Bachbett bereits jetzt in der heißen Jahreszeit oft sehr wenig Wasser mit sich führe.

„Große Bedenken um den Baumerhalt“ macht sich ein anderer Anwohner. Dass der eine oder andere Baum beim Einsatz von Baggern und anderem schwerem Gerät – ungewollt – Schaden nehmen könnte, diese Befürchtung kann auch Wolfgang Kübler durchaus teilen. Und wie soll es möglich sein, im engen Bereich der Bahnunterführung in der Aistegstraße Fußgänger und Velo-Ring unter einen Hut zu bekommen? Eine weitere Frage aus dem Publikum, die nach derzeitigem Kenntnisstand letztlich nicht beantwortet werden kann. „Wir warten auf Vorschläge der Bahn“, sagte Wolfgang Kübler abschließend.

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