Hochwasserschutz: Allee an der Rotach soll erhalten bleiben

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Bei extremen Regenfällen drohen an der Rotach massive Überschwemmungen.
Bei extremen Regenfällen drohen an der Rotach massive Überschwemmungen. (Foto: Michael Scheyer)

Wenn die Stadtverwaltung im Vorfeld einer Gremiumssitzung zu einem speziellen Tagesordnungspunkt zu einem Pressegespräch einlädt, dann handelt es sich entweder um ein besonders bedeutsames oder um ein hitzig und emotional diskutiertes Thema. Im Fall der Hochwasserschutzmaßnahmen an der Rotach, mit denen sich am Dienstag der Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt befasst, trifft beides zu.

Trockenheit kein Grund zur Sorglosigkeit

Auf den ersten Blick mag es angesichts der anhaltenden Trockenheit in den vergangenen Monaten fast als paradox erscheinen, über Hochwasser in Flüssen zu diskutieren. Doch Klimaforscher warnen nicht erst seit gestern davor, dass in Zukunft mit immer extremeren Wetterkapriolen zu rechnen sein wird. Und das gilt eben nicht nur für Hitze und Trockenheit, sondern auch in die entgegengesetzte Richtung, wie der aktuelle Blick nach Italien zeigt.

Von daher ist die Stadt Friedrichshafen gut beraten, das Thema Hochwasserschutz anzugehen. Eine Wahl hat sie aufgrund entsprechender Vorgaben des Landes ohnehin nicht. Seit der baden-württembergische Landtag im November 2013 das neue Wassergesetz beschlossen hat, gilt Friedrichshafen als Überschwemmungsgebiet. Im Fall eines so genannten 100-jährlichen Hochwassers an der Rotach – also einem Hochwasser, das so extrem ist, dass es nach bisherigen Maßstäben nur einmal in 100 Jahren vorkommt – wäre das Häfler Stadtgebiet ohne weitere Schutzmaßnahmen von schweren Überschwemmungen bedroht. In besagtem Pressegespräch war am Montag die Rede von Schäden, die sich in Wohn- und Gewerbegebieten auf rund 92 Millionen Euro summieren würden.

In den vergangenen Jahren sind nun verschiedene Varianten geprüft worden, wie sich die Überschwemmungsgefahr an der Rotach deutlich minimieren ließe. Wie Klaus Ruff, Leiter das Amtes für Wasser- und Bodenschutz im Landratsamt des Bodenseekreises, am Montag erklärte, gebe es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: entweder die Dämme erhöhen oder große Rückhaltebecken im Hinterland anlegen. In letzterem Fall wäre laut Ruff im Bereich zwischen Deggenhausertal und Oberteuringen ein Becken mit einem Fassungsvermögen von 1,5 Millionen Kubikmeter erforderlich. Weil der notwendige Grunderwerb kaum umsetzbar und die Eingriffe in die Natur immens wären, betrachten Fachleute eine Erhöhung der Dämme in Friedrichshafen als eindeutig sinnvollere Variante.

Bürger setzen sich für Bäume ein

Über entsprechende Pläne hat die Stadt schon vor vier Jahren öffentlich informiert – und ist damit auf erheblichen Widerstand gestoßen. Weil für die Erhöhung der Dämme eine stattliche Zahl Bäume gefällt werden sollte, sahen viele Häfler das Naturparadies Rotach massiv in Gefahr.

Allee an der Rotach soll erhalten bleiben
Als die Stadt Friedrichshafen vor vier Jahren ihre Pläne für Hochwasserschutzmaßnahmen an der Rotach vorgestellt hat, war der Aufschrei in der Bevölkerung groß.

Eine Bürgerinitiative übergab dem Oberbürgermeister damals eine Liste mit fast 1500 Unterschriften. Aus Bunkhofen wiederum erhielt er eine Liste mit knapp 400 Unterschriften von Anwohnern, die sich verhement für die Schutzmaßnahmen stark machten. Die Zahl von rund 200 zu fällenden Bäumen, die damals kursierte, wies Baubürgermeister Stefan Köhler am Montag als „unsachlich“ zurück. Tatsächlich wäre die Zahl deutlich geringer gewesen – und habe sich nach erneuten Überplanungen nun weiter reduziert. Wie viel Bäume letztlich weichen müssen, dazu gab es im Pressegespräch zwar keine konkrete Aussage, Elisabeth Austen vom Stadtbauamt betonte allerdings, dass die Allee erhalten bleibe. Um das zu ermöglichen, sollen die Dämme zum Teil erst hinter den Alleebäumen erhöht werden. Voraussichtlich müssten nur vereinzelt Bäume gefällt werden.

Höhere Dämme geplant

Untersucht haben die Planer insgesamt 2700 Meter Flusslauf der Rotach, was verteilt auf beide Uferseiten eine Gesamtlänge von 5500 Metern ergibt. Auf einer Länge von 4350 Metern sind nach aktuellem Planungsstand Hochwasserschutzmaßnahmen vorgesehen. Die Dämme sollen um bis zu 1,80 Meter erhöht werden – teilweise durch Aufschüttung, teilweise durch Betonwände. Letztere sollen als solche nicht sichbar sein, sondern zum Beispiel begrünt oder mit Natursteinen verkleidet werden. Im Bereich der Schreieneschschule ist geplant, eine Betonwand durch einen treppenartigen Vorbau zu ergänzen, der als Sitzgelegenheit dienen kann.

Die Kosten für den gesamten hochwassersicheren Ausbau der Rotach belaufen sich nach Schätzungen auf 20 Millionen Euro – wobei für bis zu 70 Prozent der Kosten Fördermittel des Landes fließen könnten.

Ab 2020 soll’s losgehen

Der Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt soll in seiner Sitzung am Dienstag (16 Uhr im Technischen Rathaus) den Zwischenbericht zum hochwassersicheren Ausbau der Rotach zur Kennnis nehmen und die Verwaltung damit beauftragen, die weiteren Schritte zur Vorbereitung eines Planfeststellungsverfahrens in die Wege zu leiten. Klaus Ruff geht davon aus, dass das Planfeststellungsverfahren Ende 2019 eröffnet werden kann. Im Zuge dessen haben Betroffene dann Gelegenheit, Einwendungen einzureichen. Zu diesen Einwendungen wird es wiederum voraussichtlich im Frühjahr 2020 einen öffentlichen Erörterungstermin geben. Der weitere Zeitplan sieht dann so aus, dass Ende 2020 der Planfeststellungsbeschluss gefasst und parallel schon erste vorbereitende Maßnahmen umgesetzt werden könnten. Stadt- und Kreisverwaltung rechnen mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren.

Kommunen gemeinsam gegen Hochwasser

Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand hat die Gründung eines „Hochwasserschutz-Zweckverbands“ von Städten und Gemeinden an der Rotach vorgeschlagen. Gemeinsam soll der Hochwasserschutz verbessert werden.

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