Hochwasser in Friedrichshafen durch verstopfte Leitungen: Bürger sind sauer

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Schwäbische Zeitung

27 Einsatzorte mit jeweils mehreren Kellern und Häusern unter Wasser, das ist gegen 21 Uhr die vorsichtige Bilanz der Häfler Feuerwehr gewesen. Ein Ende ist erst einmal nicht abzusehen und die Ausmaße vollkommen unbekannt. Überall wurde gearbeitet, wo das Wasser nicht aufzuhalten war.

Von unserem Redakteur  Ralf Schäfer

Die Kellerasseln bevölkern die weiße Hauswand. „Die haben sich gerettet“, sagt eine Frau und zeigt anschließend auf ihren Keller, der komplett unter der Wasseroberfläche liegt.

Gegenüber der Bodenseeschule ist der Zeisigweg gesperrt. Das Wasser breitet sich wie ein See auf Gehwegen und Garageneinfahrten aus, die Feuerwehr verteilt im Eiltempo Pumpen und Stromgeneratoren, weil die Hausanschlüsse von den TWF abgeschaltet sind. Hier kam das Wasser nach dem Regen.

Manfred Welz, ehemaliger Vorsitzender des Rudervereins Friedrichshafen, zeigt, wie hoch das Wasser an seiner Hauswand gestanden hat. Den Autos an der Straße ist es in den Auspuff gelaufen. Und in seinem Keller liegen Archiv und 4000 Dias des Rudervereins.

„Früher verlief da drüben ein Bach, der jetzt eingerohrt wurde. Die Rohre haben das Wasser nicht fassen können und es kam als Flutwelle binnen weniger Minuten aus der Wiese. Ich war im Keller und musste sehen, dass ich da schnellstens heraus kam, so schnell drückte das Wasser von allen Seiten hinein.“

Draußen verteilen die Feuerwehrleute, die Mitarbeiter der Technischen Werke und später auch des Technischen Hilfswerkes die Arbeit. Zügig, professionell und sorgsam wird den Menschen überall in der Stadt geholfen.

Nördlich der Glärnischstraße hat sich gegenüber der Wohnbebauung ein See gebildet. Karl-Otto Gerlach, ehemaliger Leiter des Arbeitsamtes, hatte kurz nach dem starken Regen seine tiefer liegende Terrasse mit eigener Pumpe wieder frei, die Türen mit Sandsäcken gesichert. Als dann aber die als Regenrückhaltebecken ausgelegte Wiese überlief, half auch das nichts mehr. „Die großen Abflüsse da vorne sind zugewachsen und daran hat niemand etwas getan. Auch der Damm entlang der Grundstücke ist nicht gebaut worden“, sein Zorn richtet sich zwischen den Zeilen gegen die Stadt, die untätig gewesen sei. Andere finden deutlichere Worte.

Gegen 22 Uhr dann die erste Bilanz seitens der Stadtverwaltung. Die Feuerwehr ist mit 120 Personen komplett ausgerückt, jeweils zehn Einsatzkräfte aus Meckenbeuren und Immenstaad sind angefordert. Dazu kommen zwei Fahrzeuge des Technischen Hilfswerkes mit jeweils zehn Personen. Der Seepegel liegt um 22 Uhr bei 4,40 Meter, kritisch wird es bei fünf Metern. Die Rotach hat 1,89 Meter, hier wird es ab 2,26 Meter gefährlich. Es gibt noch viel Arbeit.

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