Der Festakt „20 Jahre Hospiz in Friedrichshafen“ findet im GZH statt.
Der Festakt „20 Jahre Hospiz in Friedrichshafen“ findet im GZH statt. (Foto: Fotos: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

Vor 20 Jahren öffnete das stationäre Hospiz Franziskuszentrum seine Türen, um Menschen während ihrer letzten Lebenszeit zu begleiten. Die Fürsorge gilt dabei den Gästen des Hospizes als auch den Angehörigen, die Abschied nehmen müssen. Mit einem Festakt hat die Stiftung Liebenau, Trägerin des Hospizes, Rückschau gehalten, Dank ausgesprochen und mit dem Vortrag „Heute endlich leben“ von Frank Schulz-Nieswandt, Professor für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung an der Uni Köln, einen Blick in die Zukunft geworfen.

Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau, begrüßte die Zuhörer im Alfred Colsmann Saal des Graf-Zeppelin-Hauses und hielt eine kurze Rückschau. Mitte der Achtziger Jahre ist der Gedanke einer würdevollen Sterbebegleitung über den Kanal vom Vereinigten Königreich nach Deutschland geschwappt. Anfang der neunziger Jahre sei bereits die Idee eines stationären Hospizdienstes in Friedrichshafen diskutiert und mithilfe des damaligen Oberbürgermeisters Bernd Wiedmann 1998 umgesetzt worden. Seither werden hier Menschen bei ihrem letzten Lebensabschnitt von mehr als 50 Ehrenamtlichen begleitet. Ihnen galt sein besonderer Dank, „denn ohne das Engagement unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre das nicht möglich“, sagte Broll.

Würdevolle Begleitung

In einem kurzen Film kamen sowohl die dort ehrenamtlich Tätigen als auch Angehörige zu Wort. Während die einen betonen, dass es insbesondere die Zeit und die Zuwendung ist, die eine letzte Begleitung für die Gäste des Hospizes würdevoll gestaltet, sagte eine Angehörige eines Verstorbenen: „Hier arbeiten Engel“. Tod ist ein Thema, mit dem sich der Mensch nicht unbedingt auseinandersetzt, auch wenn sich jeder der Endlichkeit bewusst sei.

Daran erinnerten sowohl Oberbürgermeister Andreas Brand als auch Landrat Lothar Wölfle mit ihren Reden. „Mit Blick auf den demografischen Wandel und der modernen Medizin, wird das Thema Tod oft beiseite geschoben“, sagte der Landrat. Dabei sei zurzeit die Palliativversorgung im Häfler Klinikum ein Thema im Kreistag und betonte, dass mit dem Bau des Hospizzentrums vor 20 Jahren ein Meilenstein gelegt worden sei. Auch Andreas Brand bedankte sich bei den Ehrenamtlichen, da „die letzte Wegstrecke des Lebens eine besondere Aufmerksamkeit erfordert“. Das Hospiz gebe Angehörigen Entlastung und dass es damals nahezu keine finanzielle Unterstützung seitens der Krankenkassen gegeben habe.

Staat und Mitmenschen benötigt

Heute werden 95 Prozent über die Kasse finanziert, die restlichen Kosten müssen über Spenden gedeckt werden. Als Gastredner referierte Frank Schulz-Nieswandt, Professor für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung an der Uni Köln, zum Thema „Heute endlich leben“. Das er normalerweise vor Studenten in Uni-Hörsälen doziert und weniger vor einem neutralen Publikum, kann er nicht leugnen. Doch trotz der heute so viel verwendeten Anglizismen zeigt er, wie der Mensch „tickt“. Als sozial aufgebautes Wesen benötige der Mensch Netzwerke, dazu zähle auch das Lebensende. Man müsse bereit sein, Hilfe anzunehmen, an der Gesellschaft teilzuhaben und Mitverantwortung zu tragen. Er bezeichnet es als „Wohlfahrtsmix sorgender Gemeinschaften“. Eine Mischung aus staatlicher und menschlicher Unterstützung sei höchstwahrscheinlich die optimale Form, um Menschen, auch am Lebensende, zu begleiten.

„Dabei müssen wir jedoch aufpassen, dass Ehrenamtliche nicht ausgebeutet werden“, sagte Schulz-Nieswandt. Er sprach von Ausgrenzungen anderer in der „normalen“ Gesellschaft, dazu zählten Menschen mit Behinderungen ebenso wie ältere Menschen und forderte: „Lasst sie an der Gesellschaft teilhaben“. Eine Forderung die Alexander Lahl, Geschäftsführer der Stiftung Liebenau, unterstrich: „Unser Auftrag ist es, nicht auszugrenzen, sondern zu inkludieren“.

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