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Taucher ziehen Müll aus dem See
Stellen Sie sich vor, der Bodensee hätte einen Stöpsel und man könnte dort einfach mal das Wasser ablassen. Was würde man wohl alles finden? Am Wochenende haben Taucher das Seeufer in Friedrichshafen abgesucht und säckeweise Müll herausgezogen.
Brigitte Geiselhart

Eigentlich ist die letzte Müllsammelaktion am Bodenseeufer rund um den Hinteren Hafen erst ein halbes Jahr her. Und doch hat sich wieder jede Menge an Unrat und anderen Dingen, die dort nicht hingehören, angesammelt. Insofern war die Müllsammelaktion, zu der die Sea-Shepherd-Gruppe am vergangenen Samstagnachmittag aufgerufen hatte, ein großer Erfolg.

Rund 80 freiwillige Helferinnen und Helfer waren dem Aufruf gefolgt und legten Hand an bei der Aktion, die von Roy Henseler und Florian Wolf koordiniert wurde. Mit von der Partie waren aber auch sechs Taucherinnen und Taucher der Tauchakademie aus Kressbronn unter der Leitung von Nikolaus Epple. Sie stiegen in voller Montur auf Höhe der Freitreppe ins rund acht Grad kalte Nass und brachten auch dort Erstaunliches zu Tage. Mitmachen? „Ehrensache“ – sagte zum Beispiel Manuela Kaczmarek.

Rund 400 Kilogramm Müll wurde in rund zweieinhalb Stunden gesammelt. Drei Klappstühle, ein Tisch, insgesamt acht Spritzen. Jede Menge Glas, Plastik, auch Einweggeschirr, eine große Kunststofftonne, natürlich Unmengen an Zigarettenkippen. Das sind die nackten Zahlen, die bei den Beteiligten großes Kopfschütteln verursachten – auch schon bei den Kleinsten. „Das Ufer ist nur auf den ersten Blick schön. Wenn man genau hinsieht, dann sieht man überall Müll“, sagte der achtjährige Julian. „Wir wollen mithelfen, dass der Bodensee nicht so verdreckt ist“, fügte seine zwölfjährige Schwester Laura hinzu. Die beiden Geschwister waren zusammen mit ihrem Papa Martin Pieper gekommen, der von der Aktion aus der Zeitung erfahren hat. „Es ist uns einfach wichtig, etwas für die Umwelt zu tun“, sagte er. „Wenn jeder seinen Beitrag leisten würde, dann wäre das alles kein Problem.“

Müllsammeln ist Familiensache

Dieser Meinung war auch Maren Walliser, die ihre Kinder Linn, Clara und Henrik mitgebracht hatte. „Müllvermeidung liegt uns sehr am Herzen“, berichtete sie. „Wir kaufen größtenteils auf dem Markt ein, benutzen Pfandflaschen. Auch die Kinder achten schon sehr darauf und lernen auch in der Schule viel über Umweltbewusstsein.“ Auch für Reisigs aus Friedrichshafen war das Müllsammeln Familiensache. „Eine Premiere für uns. Aber wenn man nichts macht, passiert auch nichts“, sagen die Eltern, Denise und Jaroslaw. Und tatsächlich waren auch ihre beiden Kinder, der „fast neunjährige“ Freddy und die sechsjährige Mona mit großem Eifer bei der Sache.

„Falls ihr Spritzen findet – hebt sie nicht selber auf. Meldet solche Funde erst bei uns“, informierte derweil Sea-Shepherd-Mitglied Silvia Henseler über eventuelle Gefahren. Dass Jung und Alt auch in Sachen Umweltschutz gut zusammenpassen, bewiesen der Häfler Karsten Schroeder und der 14-jährige Jan-Oliver Föhl aus dem Deggenhausertal. Sie bildeten ein gut eingespieltes Müllsammelteam vor der Freitreppe, wobei sie von einem Schwan etwas argwöhnisch beäugt wurden. „Ich bin Mitglied bei den Seewaldkobolden und hab dort von Roy Henseler von dieser tollen Aktion erfahren“, erzählt Jan-Oliver.

Sogar aus Reutlingen gekommen war die 19-jährige Charlotte Eberhardt, die über Facebook von der Aktion erfahren hat. „Ich habe schon mal im Ausland bei einem Meeresschutzprojekt mitgearbeitet“, sagte sie. „Hier mitzumachen, ist in jedem Fall eine gute Sache. Wir müssen erst die regionalen Probleme in den Griff bekommen, dann können wir auch international erfolgreich tätig sein.“

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