Heinrich und Gertrud klappern wieder

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Wieder schwer verliebt: Heinrich und Gertrud haben sich nach der „Ehekrise“ im vergangenen Jahr wieder versöhnt.
Wieder schwer verliebt: Heinrich und Gertrud haben sich nach der „Ehekrise“ im vergangenen Jahr wieder versöhnt. (Foto: Geiselhart)
Schwäbische Zeitung
Brigitte Geiselhart

Kluftern - Heinrich und Gertrud sind wieder da. Endlich. Sie sind verliebt, schmusen und klappern kräftig. Und sie sind schon fleißig damit beschäftigt, ihr Zuhause auch in diesem Jahr gemütlich zu gestalten – für sich und natürlich auch für den potentiellen Nachwuchs.

„Alte Liebe rostet nicht“, freuen sich auch Thomas und Margarete Wurst aus Riedern. Auf ihrem Anwesen steht nämlich der einzige seit Jahren bewohnte Storchenhorst in Friedrichshafen. Heinrich und Gertrud sind seit 2011 gern gesehene Logiergäste – und haben hier schon viele Storchenbabys zur Welt gebracht. „In der Regel legen sie vier bis fünf Eier“, erzählt Thomas Wurst. „Und dann wird normalerweise etwa 35 Tage abwechselnd gebrütet.“

Seit 2011 ist Wurst zum leidenschaftlichen „Storchenvater“ geworden. Ein zwölf Meter hoher, ausgedienter alter Strommasten wurde samt nötigem Fundament auf seiner Hochstammwiese - im Respektabstand von 50 Metern zum Haus – platziert und mit einem schmucken, im Durchmesser 135 Zentimeter großen Storchenhorst als Nisthilfe ausgestattet. Schon ein paar Wochen später schauten Heinrich und Gertrud sporadisch mal vorbei. Im Sommer 2012 war’s dann mit der ersten Brut soweit. Dass es gerade bei Kälte und Nässe im Frühjahr immer wieder schwierig werden kann, den Nachwuchs durchzubringen, auch davon weiß Thomas Wurst zu berichten. „Immerhin haben in den vergangenen Jahren acht Storchenkinder überlebt“, sagt er.

Skandal: Gertrud geht fremd

Allerdings kann es auch bei Meister Adebar trotz langjähriger Liebesbande mal eine handfeste „Ehekrise“ geben. Im vergangenen Jahr war Gertrud nämlich fremdgegangen und hatte sich mit einem neuen Liebhaber zusammengetan. Was Heinrich wiederum die Zornesröte ins Storchengesicht trieb und zu heftigen Kämpfen mit seinem Nebenbuhler veranlasste. Dass er das Feld nicht so ohne weiteres räumen wollte, das war für ihn offenbar Ehrensache. Kein Wunder also, dass es bei so viel Umtrieb und Ärger nichts aus einer Brut im Riederner Horst wurde. Davon scheint in diesem Jahr keine Rede mehr zu sein. Und der Storchenhimmel ist für beiden Liebenden wieder himmelblau, wie auch der ungeschulte Beobachter unschwer erkennen kann. Interessanterweise dauerte es aber doch ein paar Wochen länger als sonst, bis Heinrich seine Angebetete davon überzeugen konnte, hier wieder das ständige gemeinsame Quartier zu beziehen. Natürlich wird die aktuelle Sachlage von Thomas und Margarete Wurst mit großer Akribie beäugt und das Fernglas ist im Wohnzimmer bestens positioniert. Dass Störche im Winter sich grundsätzlich in Richtung Süden verabschieden, diese Zeiten sind längst vorbei, wie der Storchenexperte berichtet. „Bei Jungstörchen ist das schon noch der Fall“, erklärt Thomas Wurst. „Bei älteren Tieren muss das nicht sein.“ So scheint sich Gertrud in den vergangenen Jahren in der kalten Jahreszeit zum Beispiel im Elsass oder in der Rheinebene wohlgefühlt zu haben. Und Heinrich bleibt im winterlichen Hafen für ein paar Monate auch gerne mal allein zu Haus.

Jetzt heißt es aber erst einmal die weitere Entwicklung mit Spannung abzuwarten. Natürlich werden wir unsere Leser auf dem Laufenden halten, wie der Nestbau vorangeht, ob irgendwann fleißig gebrütet wird, wie es mit der Aufzucht des erhofften Nachwuchses klappt, wann die Storchenbeauftragte des Landes vorbeischaut und die Jungtiere beringt - und wann der erste gemeinsame Ausflug bei Familie Storch ansteht.

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