Hauswald: „Diese Bibliothek liegt uns am Herzen“

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Ran an die Bücher: Lesespaß in der wiedereröffneten Bodenseebibliothek. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

„Jetzt ist sie wieder da, wo sie eigentlich hingehört“, sagte Bürgermeister Peter Hauswald, als am Montagabend im Max-Grünbeck-Haus die offizielle Wiedereröffnung der Bodenseebibliothek gefeiert wurde.

In ihrer langen Geschichte ist die 1868 vom Bodenseegeschichtsverein gegründete Bibliothek schon oft umgezogen. Bürgermeister Hauswald erinnerte an Auslagerungen und Verluste im Zweiten Weltkrieg, an die Angliederung an die von der Zeppelin Wohlfahrt gegründete Bücherei, die zur Stadtbücherei wurde. 1971 ging die Bodenseebibliothek als Dauerleihgabe an die Stadt Friedrichshafen, noch heute ist sie an die Stadtbücherei angegliedert. Von 1986 bis 2007 waren beide unter einem Dach, nach dem Umzug der Stadtbücherei ins Medienhaus blieb die Bodenseebibliothek im Max-Grünbeck-Haus und hat beim Umzug vom 3. ins 1. Obergeschoss deutlich mehr Fläche gewonnen. 2012 musste wegen der grundlegenden Sanierung der Räume der gesamte Bestand ausgeräumt, zwischengelagert und jetzt wieder neu aufgebaut werden. Seit März steht die Bibliothek wieder allen Benutzern offen, die Wiedereröffnung war eine kleine Feierstunde wert, musikalisch von Thomas Lutz und Jörg Walesch mit feinem Jazz auf Gitarre und Geige umrahmt.

Für den Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung war Prof. Dr. Stefan Sonderegger aus St. Gallen als Gratulant gekommen. Er verwies auf den ursprünglichen Gründungszweck einer möglichst gründlichen Erforschung des Bodenseeraumes. In den Bibliotheken lägen noch viele ungehobene Schätze für Untersuchungen. Während die Geschichte der Klöster und Städte, die Bündnisse des Spätmittelalters und die wirtschaftlichen Verbindungen der frühen Neuzeit, in der der Bodensee als „Austauschbecken“ gedient hat, relativ gut untersucht seien, seien die alltäglichen Beziehungen der Menschen über den See, die verwandtschaftlichen, geschäftlichen und ehelichen Beziehungen, noch kaum erforscht. Hier könne man die Forschung noch sehr bereichern, etwa durch die Veröffentlichung von Briefsammlungen – einen solchen Band, der demnächst herauskomme, hatte er als Geschenk für die Bodenseebibliothek dabei.

Abschließend führte Ulrike Siegmund, seit einem Jahr Betreuerin der Bodenseebibliothek, in einem reich bebilderten virtuellen Rundgang durch ihr Reich. Sie stellte die Sammelgebiete von allgemeinen Nachschlagwerken über Werke zur Regional- und Ortsgeschichte oder Naturkunde bis zur Belletristik vor, wobei zu den Publikationen nicht nur Bücher zählen, sondern ebenso Zeitschriften, Vereinsschriften, Jubiläumshefte, Bildbände und Karten, darunter auch manche Rarität bis zurück ins 16. Jahrhundert. Erschlossen werden sie längst nicht mehr durch den alten Zettelkatalog, sondern übers Internet im Medienhaus-Katalog wie im Regionalkatalog Konstanz. Noch seien sie in der Reihenfolge der Erwerbung aufgestellt und nur über die Signatur zu finden, doch an einer thematischen Aufstellung werde bereits gearbeitet. Es warten viele Schätze auf Entdeckung, Interessenten sind herzlich willkommen.

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