Es ist die letzte Chance, Habib Koité zu erleben: Im Casino Kulturraum gibt der Gitarrist und Sänger aus Mali das letzte Konzert seiner 46 Stationen umfassenden Tour, die ihn auch in die USA und nach Kanada geführt hatte.

Nach einer solchen Ochsentour sind Musiker entweder völlig fertig und lustlos, oder sie bieten noch einmal alles auf, was sie zu geben haben. Viele haben weite Wege auf sich genommen, um den 62-jährigen Weltmusik-Star zu erleben, und sie werden belohnt: Koité und seine fünfköpfige Band Bamada zeigen sich introspektiv und ausgelassen, hochkonzentriert und zu spontanen Sessions bereit. Aus dem Stegreif stricken Bamada – zwei Percussionisten, zwei Saitenmusiker und ein Keyboarder – sogar einen kurzen Song, der sich um Koités weich fallende Stimme legte. „Danke, danke, dankeschön“, singt Koite darin in einer fließenden Kaskade, als Reaktion auf den warm prasselnden Applaus.

Musiker aus Mali haben es in den vergangenen Jahren in Europa zu großer Prominenz gebracht. Die Tuareg-Band Tinariwen, Amadou und Mariam, Rokia Traoré, die Veteranen Ali Farka Touré und Salif Keita – sie alle sind nicht nur einem kleinen Kreis von Insidern bekannt. 80 verschiedene Ethnien leben in Mali, viele von ihnen pflegen ihre eigene musikalische Kultur, und Koité hat keine Berührungsängste, sie zu verbinden. Im Casino Kulturraum beginnt er seinen Auftritt im Alleingang, als enorm feinsinniger und melodieverliebter Gitarrist. Eine Aura von Weisheit umgibt jeden seiner Saitenklänge. Oft bleibt das auch so, als seine Band hinzutritt und rhythmische Teppiche webt. Sie vermitteln Weite und Endlosigkeit, sind gespickt mit vielen filigranen Details. Habib Koités Musik gleicht einer langen Reise, die zum Trancezustand führt; allerdings ohne es durch rhythmische Grobschlächtigkeit eben darauf anzulegen.

Blues-Wurzeln aus Mali

Immer wieder zeigt die Band auch die kulturelle Verbindung zwischen Mali und den USA auf – dann, wenn der Sound in Klangfarben übergeht, die dem amerikanischen Blues sehr nahe stehen. Sie demonstrieren, wo die Wurzeln des Blues zu suchen sind. Kein Wunder, dass Habib Koité mit dem amerikanischen Bluesmusiker Eric Bibb bereits auf einem Album den Brückenschlag geübt hat.

Habib Koités Songs imaginieren mit seinem oft improvisiert wirkendem Gesang nicht nur eine lange Reise, sie erzählen auch von ihnen. Etwa im Song „LA“, über einen Trip nach Kalifornien. Durch ihn bricht Partystimmung aus – aufgrund ausgefeilter Salsa-Rhythmen und der feuchtfröhlichen Zeile „Tequila made me happy“. Wie irre die ganz mühelos aufgehende Stilmischung ist, zeigt sich gerade hier an Gitarrist Issa Koné: Er krönt den afro-lateinamerikanische Crossover mit einem waschechten Banjo. Wer dies nun für das originärste amerikanische Instrument überhaupt hält, irrt sich: Auch die Urform des Banjos wurde aus Afrika nach Amerika importiert und es gehört zur Grundausstellung von Habib Koités Sound.

Um eine Richtigstellung geht es Habib Koité aber nicht. Er hebt nicht den Finger und zeigt damit auf verkannte afrikanische Kulturleistungen, sondern er feiert das Miteinander, schaut wie die Mitglieder seiner Band in den Saal, freut sich übers erdig tanzende Publikum und lässt auf der Gitarre spanischen Flamenco anklingen. Es macht nun mal keinen Sinn, aufs Eigene zu beharren, wenn im Austausch der Kulturen viel Schöneres zustande kommt.

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