Die Grundschüler und Lehrer freuen sich mit Meike Dressler (Zweite von rechts, stehend) über die neuen Bälle.
Die Grundschüler und Lehrer freuen sich mit Meike Dressler (Zweite von rechts, stehend) über die neuen Bälle. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung
Fabian Repetz

Die 19-jährige Meike Dressler aus Friedrichshafen hat sechs Wochen lang ein Sozialprojekt im kenianischen Machakos begleitet. Und dabei hautnah miterlebt, wie Sport Kindern und Jugendlichen dabei helfen kann, im Leben Fuß zu fassen und Teil der Gesellschaft zu werden.

Über die Gruppe „Machakos-Hilfe“ aus Amtzell machte es sich die leidenschaftliche Fußballspielerin nach ihrem Abitur zunächst zum Ziel, die Menschen vor Ort tatkräftig zu unterstützen – und wurde dabei per Zufall auch noch Mäzenin in Sachen Fußball. Eine Reisegeschichte über Waisenkinder, König Fußball und Spielgeräten aus Plastikresten.

Neues Land, neue Kultur

Menschen helfen, aus der eigenen Komfortzone ausbrechen, neue Kulturen entdecken – und dabei einmal nicht nur an sich selbst denken: Das hatte sich Meike Dressler nach ihrem Abi fest vorgenommen. Über ihre Großmutter kam Dressler auf die Idee, das von ihr unterstützte Projekt „Machakos-Hilfe“ der katholischen Diözese in Machakos nahe der kenianischen Hauptstadt Nairobi zu besuchen und als Sozialarbeiterin vor Ort zu helfen.

Das Projekt unterstützt Waisenkinder bei der Ausbildung und finanziert deren schulischen Werdegang von der neunten bis zur zwölften Klasse. „Ich wollte mich nach der Schule sozial engagieren und Kindern helfen, die es nicht so gut haben“, so Dressler. Mitte Januar ging es für die 19-Jährige, die sich in ihrer Freizeit als Fußballtrainerin im Jugendbereich des PSG Friedrichshafen und als aktive Spielerin für die Oberligadamenmannschaft des TSV Tettnang engagiert, dann los in Richtung Afrika.

Untergebracht im Konvent der örtlichen Diözese, fand Dressler sofort Anschluss an die dortige Gemeinde, stattete vielen Schulen Besuche ab und half – zusammen mit einem Sozialarbeiter vor Ort – Spenden für die Kinder zu sammeln. „Wir haben einige Aktionen organisiert, wie beispielsweise einen Sporttag für alle Grundschulen in der Gegend.“ Per Zufall ergab sich, dass ihr Sozialarbeiter-Kollege als Spieler für den lokalen Fußballverein, den Katoloni FC, aktiv ist und sie so auch spannende Einblicke in die Fußballwelt kenianischer Jugendlicher erhielt.

Insbesondere die Trainingseinheiten und Spiele mit den Frauen- und Herrenmannschaften blieben ihr gut in Erinnerung. Als leidenschaftliche Sportlerin waren allerdings insbesondere die schwierigen Bedingungen vor Ort eine Überraschung für Dressler: Steine als Tore, Schotterpisten als Spielfeld und Bälle aus Plastikresten als Spielgeräte.

Während es in ihrem Konvent und in den Schulen stets sicher war, gab es auch Bereiche in der Region, die als nicht sicher genug und spätestens nach Einbruch der Nacht für sie als Tabu galten. „Einerseits haben mich die Menschen dort so offen, tolerant und herzlich aufgenommen, wie ich es sonst noch nirgends erlebt habe. Andererseits hat man auch viel von der Armut, Gewalt und Unsicherheit im Land insgesamt mitbekommen“, so Dressler. „Immer wieder hörte man von den Al Shabaab-Terroristen, die in der Region aktiv sind und die Menschen verunsichern.“ Da sie selbst aber immer mit ihrem afrikanischen Kollegen unterwegs war, hat sie sich stets sicher gefühlt. „Ich wurde so oft von den Familien nach Hause zum Essen eingeladen, die – obwohl sie selbst nichts hatten – sich sehr um mich bemühten. Und der Fußball hat zusätzlich viele weitere Türen geöffnet.“

Für den Trainer des lokalen Fußballvereins war es sehr wichtig, regelmäßig Spiele zu organisieren, sodass die Jugendlichen immer etwas vorhatten. Ansonsten wäre die Wahrscheinlichkeit zu groß, kriminellen Aktivitäten oder Drogen zu verfallen. Der Verein betreibt insgesamt sechs Mannschaften, darunter ein Herren- und Damenteam sowie einige Jugendteams. „Das war für mich die ideale Gelegenheit, andere Jugendliche außerhalb der Schule kennenzulernen“, so die Häflerin.

Spontane Hilfe von der PSG

Um ihnen auch langfristig zu helfen und sie in ihrem Tun zu bestätigen, hat Dressler währenddessen beim PSG Friedrichshafen angefragt, ob man die Menschen dort nicht auch finanziell unterstützen könne. Spontan erklärte sich der Verein und Freunde dazu bereit, 800 Euro für insgesamt 35 neue Bälle, Trikots und Ballpumpen zu spenden. „Wir sind dann einen ganzen Tag lang mit dem Roller in die umliegenden Schulen gefahren und haben die Sachen verteilt. Das Strahlen der Kinderaugen werde ich nie vergessen“, erinnert sich Dressler. „Die sechs Wochen vergingen insgesamt sehr schnell, weil ich so viele Eindrücke sammeln konnte. Ich weiß noch nicht genau wann, aber ich werde ganz sicher wieder dorthin zurückkehren und mit ihnen Fußball spielen.“

Den Kontakt zum Katoloni FC werden Meike Dressler und die PSG Friedrichshafen jedenfalls auch in Zukunft aufrechterhalten und weitere Hilfen spenden – denn Fußball verbindet bekanntlich ja auch über Kontinente hinweg.

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