Häfler Volleyballer in Not: Wege aus der Krise

Lesedauer: 8 Min
Schwierige Zeiten durchleben derzeit die VfB-Volleyballer.
Schwierige Zeiten durchleben derzeit die VfB-Volleyballer. (Foto: Gesa Katz)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Die Volleyballprofis des VfB Friedrichshafen durchleben mitsamt ihrem Umfeld derzeit schwere Zeiten. Zwei fest eingeplante Saisonziele sind jetzt schon Makulatur: Im DVV-Pokalwettbewerb ist man raus, in der Champions League wird das Team die Gruppenphase nicht überstehen. Selbst in der Bundesliga ist der Meister hinter Spitzenreiter Berlin und die United Volleys Rhein-Main nur noch dritte Kraft. Die SZ analysiert die Situation und zeigt mögliche Wege aus der Krise.

Das Team

Nach dem Gewinn der Meisterschaft und des DVV-Pokals in der abgelaufenen Saison verließen drei wichtige Spieler den Verein: Außenangreifer Maarten van Garderen, Libero Jenia Grebennikov und Mittelblocker Max Günthör. Das Problem aktuell ist die mangelnde Durchschlagskraft der beiden Außenangreifer Luis Venecslau und Baptiste Geiler. Gut gestellte Bälle werden einfach versemmelt. Zuspieler Arslan Eksi kann eben nicht nur Diagonalangreifer Adrian Gontariu, der seit Wochen in Top-Form ist, anspielen. Des Weiteren bildet das Team keine Einheit. Es fehlt ein Leader. Außenangreifer Björn Andrae und Zuspieler Simon Tischer sind verletzt. Was tun? Vielleicht sollte Cheftrainer Stelian Moculescu den beiden Außenangreifer eine schöpferische Pause gönnen und durch Michal Finger und Robert Adrian Aciobanitei erestzen.

Der Trainerstab

Stelian Moculescu, Marco Fenoglio und Bogdan Tanase haben vergangene Saison mit der Mannschaft das Double geholt. Bis zur Verletzung von Zuspieler Simon Tischer (Bandscheibenvorfall) lief in der Saisonvorbereitung auf die neue Spielzeit noch alles rund. Kurz nach der Teampräsentation im Oktober begannen die Probleme. Tischer fiel aus, Arslan Eksi musste ins Team eingebaut werden. Die neu formierte Mannschaft konnte wegen des späteren Ligastarts und der vielen englischen Wochen nicht so trainieren. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob Cheftrainer Stelian Moculescu die Mannschaft auf Kurs bringen wird. Das Ziel muss sein, die europäische Königsklasse ordentlich abzuschließen und in der Bundesliga Berlin auf den Fersen zu bleiben. Eine erste seriöse Zwischenbilanz kann erst nach dem Abschluss der Hauptrunde, also Mitte März, gezogen werden.

Fankultur und Hallenakustik

Die Fans sollten das Rückgrat der Mannschaft sein: zu Hause in der ZF-Arena und auch auswärts. Es ist traurig, dass eine Fanfahrt nach Bühl nicht zustande kommt. Dass sich einzelne VfB-Fans in den sozialen Medien verbal derart bekämpfen, ist im Grunde genommen ein Armutszeugnis. Vom „siebten Mann“ (siehe BR Volleys), die dem VfB-Team beim Match den Rücken stärken, kann keine Rede sein. Das zeigt auch ein Blick ins Hallenrund der ZF-Arena bei Heimspielen: Hier ein Grüppchen beim Trommeln dicht am Spielfeldrand, da ein Grüppchen oder eine Lumpenkapelle auf der Empore. Da wirkt so manches unkoordiniert und bisweilen improvisiert. Alle müssen an einem Strang ziehen, das gilt auch fürs Anfeuern der Mannschaft. Was auffällt, ist aber auch, dass es zwischen Management und den Fans keinen Austausch gibt. Wie wäre es, wenn sich einmal im Monat die Verantwortlichen des VfB und die Fans regelmäßig treffen würden? Eine solche Zusammenkunft könnte man bei einem Sponsor der Volleyballer machen und moderieren lassen. Apropos Moderation: Auch die beiden Hallensprecher haben bei ihren Auftritten durchaus noch „Luft nach oben“. Dringend wären in dem Zusammenhang außerdem – was schon längst auf der Agenda der Verantwortlichen mit Prio eins stehen müsste – eine neue Beschallungsanlage sowie bauliche Maßnahmen zu Verbesserung der Hallenakustik. Hier ist jedoch nicht die VfB Friedrichshafen Volleyball GmbH als Mieterin, sondern die Stadt Friedrichshafen als Eigentümerin der Immobilie in der Meistershofener Straße 25 gefordert.

Wo bleiben die Zuschauer?

Allen ergriffenen Gegenmaßnahmen zum Trotz ist sonnenklar: Der VfB hat ein handfestes Zuschauerproblem – und das nicht erst seit dieser Saison. Schon etwas länger rutschen die Besucherzahlen nach unten, voll (3800) ist die ZF-Arena seit Jahren kaum noch. Auch wenn gegen Lüneburg der Häfler Volleyballtempel „ausverkauft“ war und damit der Rückwechsel „von Pink zu Blau“ offiziell vollzogen werden konnte: Dem gesunden Menschenverstand ist es egal, ob alle Karten über den Verkaufstresen gegangen sind. Entscheidend ist vielmehr, was „hinten rauskommt“ – dass also wirklich „die Hütte voll wird“. Und nicht, wie neulich, kleinere und größere Lücken in den Zuschauerrängen klaffen.

Vermeidbare Fehler

Als der ehemalige Mittelblocker und Kapitän Joao José den VfB verließ, hieß es, dass die Verantwortlichen ihn zu einem offiziellen Abschied noch einladen würden. Immerhin spielte er von 2004 bis 2013 in Friedrichshafen, holte mit der Mannschaft 2007 die Champions League, wurde siebenmal Meister und fünfmal Pokalsieger. Die Ankündigung blieb ein Lippenbekenntnis, offiziell geschehen ist bis heute nichts. Fehlanzeige auch bei Mittelblocker Max Günthör: Das Häfler Volleyball-Urgestein holte 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Polen die Bronzemedaille. Am Flughafen in Friedrichshafen fiel seine Begrüßung bei der Rückkehr eher verhalten aus. Ein würdiger Empfang ist etwas anderes. Überhaupt fällt auf: So richtig feiern und die eigenen Erfolge zelebrieren muss der VfB wohl erst noch lernen – die Festlichkeiten nach dem Gewinn der Meisterschaft 2014/2015 in eigener Halle waren damals alles andere als meisterlich. Vielleicht hat die vom VfB für Marketingaktionen beauftragte neue Agentur aus dem feierlaunigen Österreich hier ein paar neue Ideen auf Lager.

Der Manager in der Kritik

Nach offiziellen Angaben hat sich Manager Stefan Mau mitten in der Saison, die sportlich im Moment alles andere als erfolgreich ist, zwei Wochen Urlaub genommen. Wer’s glaubt, wird selig. Es scheint eher so zu sein, dass das Tischtuch zwischen ihm und Cheftrainer Stelian Moculescu endgültig zerrissen ist. Anfang nächster Woche, wenn der Urlaub offiziell beendet ist, hat der VfB-Geschäftsführer Farbe zu bekennen und mitzuteilen, ob es für Mau eine Zukunft in der Volleyball-Geschäftsstelle gibt oder er arbeitsgerichtlich abgewickelt wird. Abzuwarten bleibt also, wer im internen Machtkampf die Oberhand behält.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen