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Bereit für die neue Spendenrunde von Häfler helfen (von links): Harald Ruppert, Ulrich Föhr, Martin Hennings, Sabine Hornig, Bernd Herbinger, Dagmar Neuburger und Gottfried Claß. (Foto: Felix Kästle)

Die katholische und die evangelische Kirche in Friedrichshafen starten wieder ihre Weihnachtsaktion „Häfler helfen“, in Zusammenarbeit mit der „Schwäbischen Zeitung“. Wer spendet, kann sicher sein, dass das Geld zur Gänze bedürftigen Mitbürgern in Friedrichshafen zu Gute kommt.

„Häfler helfen“ ist für Menschen in prekären Lebenslagen oft der letzte Strohhalm. Das Spendenaufkommen wird nur dann angerührt, wenn die bürokratischen Voraussetzungen für staatliche Hilfen nicht gegeben sind und Menschen durch die Maschen des Sozialstaats zu fallen drohen.

Wer anderen in dieser Situation durch eine Spende hilft, kann gewiss sein, „dass auch kleinere Spenden oft eine große Wirkung entfalten“, wie der evangelische Codiakon Gottfried Claß sagt. Er fügt an: „Das ist eine wichtige Ermutigung in einer Zeit der Ohnmachtsgefühle, in der unsere eigenen Bemühungen oft nicht ausreichen – denken wir nur an den Umweltschutz.“ So kann eine Spende von 50 Euro für „Häfler helfen“ verhindern, dass einer Familie der Strom abgedreht wird.

Ob das Einkommen für die Stromrechnung reicht, darüber müssen die meisten Häfler nicht nachdenken. „Eine gesicherte Arbeit, ein ausreichendes Einkommen, eine zufriedenstellende Wohnung; wenn die Häfler auf sich selbst blicken, können sie von sich sagen: Eigentlich habe ich es gut“, sagt der katholische Diakon Bernd Herbinger.

Aber während auf der einen Seite der Glücksindex der Deutschen einen Höchststand erreicht hat, wenden sich diejenigen auf der Schattenseite an „Häfler helfen“ – und damit an diejenigen, die über die Verteilung der Spenden befinden: den katholischen Stadtdiakon Ulrich Föhr sowie Sabine Hornig und Dagmar Neuburger von der Familienberatung, Schwangerenberatung und Schwangerschaftskonfliktberatung der evangelischen Diakonischen Bezirksstelle.

„Die Zahl der Klienten steigt nach wie vor“, sagt Sabine Hornig. Ihr ist wichtig, dass sie den Menschen, die bei ihr Rat suchen, verlässlich helfen kann – wozu die Spenden von Häfler helfen eine wichtige Voraussetzung bilden. Dieses Gefühl der Verlässlichkeit ist wichtig für Menschen, die bei jeder nicht eingeplanten Ausgabe das Gefühl haben müssen, „schon halb auf der Straße zu sitzen“, wie es Bernd Herbinger ausdrückt. Ebenso wie bei Dagmar Neuburger und Sabine Hornig verlaufen die Beratungsgespräche bei Ulrich Föhr oft emotional. „Mir sitzen Fremde gegenüber“, sagt der Stadtdiakon. „Aber manchmal fangen sie an, zu weinen. Weil sie die Verlässlichkeit spüren, die Offenheit, und weil sie wissen, dass alles, was sie erzählen, bei mir bleibt.“ Föhr, Hornig und Neuburger leiten keine Anlaufstellen, bei denen man sich mal einen schnellen Euro abholt. „Eine Frau, die mit zwei Kindern im Frauenhaus sitzt, erzählt mir nicht als erstes, dass sie Geld braucht, sondern dass sie von daheim weg ist mit dem, was sie am Leib hatte“, erklärt Föhr.

Spende signalisiert Anteilnahme

Wenn das Geld dann zur Sprache komme, müsse eine wirkliche Notlage vorliegen. „Strafzettel wegen Falschparken zahlen wir mit Spenden ganz sicher nicht“, sagt Föhr. Wer sein Innenleben völlig verschließe, nur Geld wolle und keine Bereitschaft zeige, gegen die Misere anzugehen, gehe leer aus. Föhr, Hornig und Neuburger machen den Klienten klar, dass das Geld, das sie erhalten, von Bürgern aus Friedrichshafen stammt. Diese lokale Verbundenheit signalisiert einerseits, dass sie sich den Spendern aus der Stadt besonders verantwortlich fühlen. Umgekehrt zeigt es den Empfängern, dass es in der Stadt Menschen gibt, denen an ihrem Schicksal gelegen ist.

„Auf diese Weise trägt Häfler helfen dazu bei, dass arme Menschen sich der städtischen Gemeinschaft von Friedrichshafen weiter zugehörig fühlen“, sagt Sabine Hornig. Sie macht anschaulich, was das heißt: Wenn ein Hilfesuchender sich tatkräftig für erhaltenes Spendengeld bedanken möchte, indem er für jemand anderen Einkäufe im Supermarkt übernimmt, merkt sie, dass diese inkludierende Wirkung von Häfler helfen tatsächlich vorhanden ist. Im Jahr 2021 soll die Grundrente kommen, und bei Verstoß gegen Hartz-IV-Auflagen dürfen die Arbeitsagenturen die Bezüge künftig nicht mehr so stark kürzen wie bisher. Häfler helfen wird trotzdem auch dann wichtig bleiben. „Eines können wir ausschließen: dass viele Leute in Zukunft gar nicht mehr kommen, weil es so viele Sozialmaßnahmen gibt“, sagt Dekan Herbinger. Auch junge, berufstätige Menschen sind gegen Armut nicht gefeit. Wie jene alleinerziehende Mutter, von der Sabine Hornig erzählt. Die junge Frau war mit der Ausbildung fertig und hatte schon einen Anstellungsvertrag in der Tasche. Bevor er aber griff, meldete ihr Betrieb in Friedrichshafen Insolvenz an. Die Folge: Nicht das Gehalt als Angestellte bildet die Grundlage für die Berechnung ihres Arbeitslosengeldes, sondern das nur halb so hohe Ausbildungssalär von 800 Euro. „Das ist ein herber Unterschied und hat die junge Mutter total ins Minus gerissen“, sagt Sabine Hornig.

Menschen wie dieser Frau kommt das Geld von Häfler helfen zu. Insgesamt flossen in diesem Jahr bislang 12 136 Euro von 55 Spendern auf das Konto von Häfler helfen. Eine Summe, für die das Häfler-helfen-Team herzlich dankt. Es richtet seinen Dank auch in die Zukunft – an alle, die im Rahmen der jetzt beginnenden Weihnachtsaktion noch spenden werden.

So können Sie spenden

Die Sparkasse Bodensee hat Häfler helfen in seine digitale Spendenplattform „Einfach.Gut.Machen“ aufgenommen. Die Plattform steht im Netz unter

einfach-gut-machen.de/ bodensee

Dort findet sich Häfler helfen unter „Neue Vereine & Initiativen“. Die Sparkasse Bodensee führt auf „Einfach.Gut.Machen“ eine Adventsaktion durch. Der Verein, der zwischen dem 29. November und dem 22. Dezember die meisten Spenden erhält, bekommt von der Sparkasse zusätzlich 1500 Euro für sein Projekt. Der Verein, der sich auf Platz 2 befindet, erhält 700 Euro und der Verein auf Platz drei bekommt 300 Euro. Falls es Häfler helfen auf die vorderen Plätze schafft, fließt also eine weitere Spende der Sparkasse Bodensee.

Natürlich kann auch weiterhin wie bisher gespendet werden: unter dem Stichwort „Häfler helfen“ auf das Konto der katholischen Gesamtkirchenpflege IBAN: DE52 6905 0001 0020 1138 90 bei der Sparkasse Bodensee.

Wenn Sie auf der Überweisung Ihre Anschrift vermerken, bekommen Sie automatisch eine Spendenbestätigung

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