Häfler Filmtage zeigen eine tolle Mischung

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Die Filmemacher der Kurzfilme werden nach der Präsentation interviewt (von links): Mascha Peleshko, Monika Tenhündfeld, Laura Ma
Die Filmemacher der Kurzfilme werden nach der Präsentation interviewt (von links): Mascha Peleshko, Monika Tenhündfeld, Laura Matt, Mareike Keller und Moderatorin Jana Wolff. (Foto: Lydia Schäfer)
Schwäbische Zeitung
Lydia Schäfer

Seit zehn Jahren bieten die Filmtage Friedrichshafen eine genreübergreifende Plattform für junge Filmschaffende. Filme für Kinder und Erwachsene, Dokumentationen und Kurzfilme liefen in den vergangenen vier Tagen über den Schirm im Kiesel. Mehr als 300 Einsendungen haben die Initiatoren, hier das Kulturbüro Friedrichshafen, im Vorfeld gesichtet. Das Besondere daran: viele der Filme sind dem breiten Publikum nicht bekannt, dabei handelt es sich oft um preisgekrönte Dokumentationen oder Kurzfilme.

Bilder und Töne schaffen Stimmungen. Das haben die gezeigten Filme eindrucksvoll bewiesen. Insbesondere bei den Kurzfilmveranstaltungen, in denen fünf oder sechs Beiträge hintereinander gezeigt wurden, waren die Stimmungsschwankungen vorher programmiert. Überwog im Animationsfilm von Monika Tenhündfeld „Am Boden der Tatsachen“, dessen Protagonist eine unbedarfte Hummel, die bei einem fröhlichen Flugausflug in ein Klassenzimmer erfährt, dass sie rein rechnerisch gar nicht fliegen kann noch das Lachen, blieb einem das bei „Watu Wote – All of Us“ von Katja Benrath im Hals stecken. Letzterer Film erhielt den Publikumspreis in Friedrichshafen.

Muslime retten ihr Leben

Der Film entstand nach einer wahren Begebenheit. Die islamische Al-Shabaab-Miliz sorgt seit Jahren in Kenia für Terroranschläge in christlichen Gemeinden. Faschisten, die einen Glauben vorschieben, um Mord an unschuldigen Menschen zu rechtfertigen. Eine junge Frau, deren Mann und Kind, bei einem solchen Anschlag ums Leben kamen, macht sich mit dem Bus auf den Weg in die alte Heimat, um ihre kranke Mutter zu besuchen. Mit ihr fahren die Angst vor einem bewaffneten Überfall seitens der Al-Shabaab und das Misstrauen gegenüber den sonst ausschließlichen muslimischen Mitfahrern. Sie hält mit ihrer feindlichen Gesinnung nicht hinter dem Berg. Doch als eine militante Gruppe den Bus überfällt und mit vorgehaltenen Schnellfeuerwaffen die Insassen bedroht, sind es eben diese Muslime, die ihr das Leben retten, ungeachtet der Tatsache, dass ihre jungen, weinenden Kinder mit dem Tod bedroht wurden.

Es ist die Geschichte, aber auch die satten Farben Afrikas und die nah am Menschen dominierende Kameraführung, die ein eindrucksvolles Filmerlebnis beim Publikum hinterließ. „Watu Wote“ ist die Abschlussarbeit von Katja Benrath an der Media School Hamburg und ist zurzeit für den Academy Award – den Oscar in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ nominiert.

Fotoalbum als Film

Nicht minder beeindruckend sind die weiteren Beiträge in dieser Kategorie der Kurzfilme gewesen. Bei ihren Animationen, kollagenartigen Beiträgen und Kurzgeschichten erzählen die Filmemacher auf unterschiedliche Art und Weise über alltägliche, ungewöhnliche und fiktiven Momente des Lebens. Den Jurypreis hat Sophie Linnenbaum für ihren Film „PIX“ erhalten. Ein origineller Beitrag, der im Stil eines bewegten Fotoalbums, das Leben eines Mannes von der Geburt bis zu seinem Tod festhält. Die typischen Schnappschüsse des Lebens, die im Babyalter beginnen, über das berühmte Foto mit der Schultüte, bis hin ins hohe Alter hat Sophie Linnenbaum aneinandergereiht. Sie wirken wie eine Theaterinszenierung der menschlichen Sehnsucht, die großen Augenblicke des Lebenszyklus fotografisch festzuhalten. Eine tolle Mischung hat das Kulturbüro zusammengestellt, was auch für ausverkaufte Vorstellungen sorgte.

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