Häfler Aleviten treten in den Hungerstreik

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Sie hungern, um Aufmerksamkeit zu erlangen: Mitglieder der Alevitischen Gemeinde.
(Foto: Ralf Schäfer)
Ralf Schäfer

Mitglieder der Alevitischen Gemeinde Friedrichshafen sind von Freitag bis Sonntagabend in den Hungerstreik getreten, um auf die Situation der Kurden in der südöstlichen Türkei aufmerksam zu machen. Sie fordern alle Beteiligten in der Türkei wie auch in Syrien auf, sich an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln. „Krieg ist keine Lösung“ sagen sie.

Zwischen zehn und 15 Personen sind im Gemeindehaus der Aleviten rund um die Uhr anwesend gewesen, Besuch und Unterstützung erfuhren die Hungerstreikenden von Bad Saulgau bis Ulm, aus ganz Baden-Württemberg bis hin nach Vorarlberg. Aufgerufen zu Aktionen wie dieser hatte der europäische Dachverband der Aleviten. Die Gemeinde in Friedrichshafen versteht sich nicht als Glaubensrichtung des Islam, sondern als eigenständige Religion, die durch den Islam beeinflusst wurde. „Wir achten die Tora, die Bibel und den Koran gleichermaßen“, sagt der Vorsitzende der Alevitischen Gemeinden Baden-Württemberg, Gündogan Kazim. Und Mehmet Uzun, Mitglied im Rat der Nationen und Integrationsausschuss der Stadt, ergänzt: „Das sind Gesetzbücher. Das wichtigste Buch, in dem zu lesen ist, ist der Mensch selbst.“

Dieser Aussage folgend leben die Menschen in ihrem jetzigen Leben auf Erden bereits in Himmel und Hölle gleichermaßen. Köln, Paris, Ankara oder Istanbul sei wie Syrien die Hölle gewesen. Es sei Zeit, sich am Himmel zu orientieren.

Die Alevitische Gemeinde fordert vor allem von der türkischen Regierung ein Ende der Kämpfe gegen die kurdischen Menschen im Südosten des Landes. Sie sehen die Vereinten Nationen und die Europäische Gemeinschaft in der Pflicht, die Türkei daran zu erinnern, sich an europäisches Recht zu halten.

Gefahr des Flächenbrandes

„Kein weiteres Kind darf sterben, keine Mutter mehr weinen!“ , sagt Kazim. Das sei Leitgedanke bei den Versuchen, die Türkei und in erster Linie Erdogan zu stoppen. Dabei gehe es den Aleviten nicht um politische Machtkämpfe, sondern allein darum, den Flächenbrand, den Erdogan mit seiner Politik des Terrors gegen die Kurden lege, Einhalt zu gebieten. „Wir bekommen sonst ein zweites Syrien direkt in Europa“, warnt Mehmet Uzun.

Zu den Forderungen an die türkische Regierung gesellt sich auch eine an alle anderen Staaten. Die Aleviten wollen Frieden schaffen. Sie fordern den sofortigen Stopp aller Waffenlieferungen an Staaten, die damit Terror und Krieg unterstützen.

Für die Türkei fordern die Aleviten die Gleichstellung von Christen, Kurden, Aleviten und Moslems. Die Türkei sei ein Vielvölkerstaat. Und wenn Erdogan in anderen Ländern Türkisch als zweite Amtssprache fordere, nur weil dort viele Türken leben, dann müsse er in seinem eigenen Land beginnen, die anderen Völker zu akzeptieren.

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