GZH: Ein Konzert voller emotionaler Kontraste

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Lieder der Romantik sang die Camerata serena beim Sommerkonzert im Graf-Zeppelin-Haus.
(Foto: Christel Voith)
Christel Voith

Es wäre nicht Nikolaus Henseler, wenn er es seinen zahlreichen Zuhörern beim Sommerkonzert der Camerata Serena im Graf-Zeppelin-Haus allzu leicht gemacht hätte. So hat er überwiegend selten aufgeführte Brahmslieder für das romantische Sonntagabendkonzert ausgewählt, Lieder, die eine ganze Skala an Emotionen enthielten.

Einen schlanken Klang wollte er haben für die Lieder, die Stéphane Bölingen am Klavier begleitete, daher hat er für dieses Konzert einen Kammerchor mit zwölf Frauen- und acht Männerstimmen zusammengestellt und die Stimmgruppen immer wieder einzeln herausgehoben, einander gegenübergestellt.

Mit strahlendem Liebesglück aus Brahms’ Zigeunerliedern op. 112 b eröffnete das Ensemble freudig den Abend, rosenrote Wangen wurden ebenso besungen wie die Schwalbe als Liebesbotin, die ein Briefchen zum Liebchen trägt. Rasch folgten mit zwei Quartetten op. 112 a Sehnsucht, Verwirrung und Tränen, der Chor wechselte von freudigem Impetus zu schwermütiger Klage, während die nächsten Quartette eine kecke Note ins Konzert brachten. Hübsch, wie sich im „Wechsellied zum Tanz“ ein gleichgültiges und ein verliebtes Pärchen gegenüberstehen – kühl und überheblich Alt und Bässe, lyrisch zärtlich Soprane und Tenöre, erst strophenweise im Wechsel, zuletzt Zeile für Zeile alternierend, eine neckische Spielerei. Ebenso in den folgenden „Neckereien“ zwischen dem angriffslustigen Jäger und seiner weiblichen Beute, die sich ihm mutwillig entzieht. Ernsthafter dann das kunstvolle Stimmengeflecht im Lied „O schöne Nacht“ aus den Quartetten op. 92, während das „Abendlied“ das allmähliche Übermannt-Werden durch den Schlummer, das sanfte Entschweben ins Traumland scherzhaft hörbar machte.

Dankbar war man für die Texte im Programmheft, denn bei aller angestrebten Wortverständlichkeit wäre es ohne Mitlesen doch mühsam gewesen, den romantisch schwelgenden Texten ganz zu folgen, deren Autoren man gerne erfahren hätte.

Ein herzzereißendes Gebet

Mit Schuberts „Gebet“ D 815 stand ein eindrucksvolles Lied am Ende: ein Mann im Widerstreit zwischen der Treue zum Vaterland, das ihn in die Schlacht schickt, und der Liebe zu Weib und Kind, die er dem „Urquell aller Güte“ anvertraut – ein herzzerreißendes Gebet, geprägt von Kontrasten, die die einzelnen Stimmgruppen vortragen, ehe sie sich zuletzt vereinen.

Hatte Stéphane Bölingen die Lieder am Klavier sensibel begleitet, präsentierte er sich mit Claude Debussys impressionistischen Préludes aus Band I und II als ausdrucksstarker Pianist, der in immer neue atmosphärische Klangwelten eintauchte: in raschem Wechsel zogen flüchtige Parfums, schwebende Schritte im Schnee, Sturmesbrausen und ein fein gezeichnetes Mädchenporträt, geheimnisvolle Glockenklänge, ein neckischer Puck und eine komödiantische Parodie vorüber.

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