Gute Pflege und gesunde Pfleger gehören zusammen

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Schwäbische Zeitung

In der Pflege hat der Bodenseekreis laut Landrat Lothar Wölfle schon viel erreicht. „Die pflegerische Versorgung im Bodenseekreis ist gut“, sagte er kürzlich bei der fünften Heimkonferenz im Landratsamt. Der Landrat sieht aber auch weiterhin Handlungsbedarf, wie es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes heißt.

Wölfle: „Wir müssen unsere bisherigen Anstrengungen verstärken, um auch zukünftig genügend motivierte und qualifizierte Pflegekräfte zu haben, die unsere pflegerische Versorgung sicherstellen.“ Auch die Gesundheit der Pflegenden spiele hierbei eine wichtige Rolle. Wichtige Ergebnisse auf diesem Weg konnte die Heimkonferenz vermelden, heißt es weiter. Durch eine neue Pflegedokumentation konnten in Pflegeeinrichtungen im Bodenseekreis psychische Belastungen der Beschäftigten reduziert werden. Als weitere Themen standen die Situation der Kurzzeitpflege und die Palliativversorgung auf dem Programm.

Die Gesundheit der Pflegenden sei ein wichtiges Handlungsfeld für den Mitveranstalter der Heimkonferenz, die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Man habe eine entbürokratisierte Pflegedokumentation erstellt und stellte die Ergebnisse vor. Die Motivation der Pflegekräfte konnte zum einen gesteigert werden, zum anderen erlebten die Pflegenden mehr Zeit für die Pflege der Bewohner und mehr eigenverantwortlichen Handlungsspielraum.

Riebsamen: 13 000 neue Stellen

Die Vertreter der stationären Pflegeeinrichtungen begrüßten diese Entwicklung, wiesen aber auf die weiterhin angespannte Personalsituation hin. Das griff auch der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen (CDU) auf, der die Heimkonferenzen 2014 mit initiiert hatte und seitdem begleitet. „Mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz wollen wir im Bund die Grundlage legen, um Personalengpässen in der Pflege wirksam zu begegnen.“ 13 000 neue Stellen in der Altenpflege stellte Riebsamen bundesweit in Aussicht, die alle über die Krankenversicherung finanziert werden und auch den Einrichtungen im Landkreis zugutekommen. „Dies ist ein erster Schritt. Wir werden natürlich weitere Anstrengungen unternehmen, um die Personalsituation in der Pflege zu verbessern.“ Auch gehe es darum, die Attraktivität der Pflegeberufe zu erhöhen, damit genügend Menschen den Beruf ergreifen oder weiter ausüben wollen. Daher begrüßte Riebsamen auch die von der Bundesregierung angekündigte „Konzertierte Aktion Pflege“ und die Aktivitäten der Kooperationspartner im Bodenseekreis.

Wiltrud Bolien von der Pflegeplanung des Landkreises wies auf den konkreten Bedarf an zusätzlichen Kurzzeitpflegeplätzen hin. „Kurzzeitpflege hilft, eine dauerhafte stationäre Versorgung zu vermeiden.“ Die Kreispflegeplanung prognostiziere, dass bis 2025 eine deutliche Unterdeckung in diesem Bereich besteht. Bolien rief daher die Einrichtungsträger dazu auf, zusätzliche Plätze bereitzustellen.

Unter dem Motto „Palliativversorgung ist mehr als Sterbebegleitung“ stellte Angela Gotzmer-Groß vom Gesundheitsamt ihren Vortrag zur Palliativversorgung im Bodenseekreis vor und erläuterte ethische Grundprinzipien und wesentliche Handlungsfelder. Die Teilnehmer bewegte besonders die Frage, wie man sicherstellt, dass der Patientenwille von Palliativpatienten in Heimen auch in einem akuten medizinischen Notfall berücksichtigt werden kann. Man will daher künftig im landkreis für Heime ein Fortbildungsangebot zur zur Palliativversorgung anbieten.

Die jährlichen Heimkonferenzen sind Teil einer Kooperation der Aufsichtsbehörden des Landkreises mit den Unfallversicherungsträgern und dem Medizinischen Dienst. Seit Ende 2013 arbeiten im Bodenseekreis alle Institutionen, die mit Pflegequalität, Bewohnersicherheit und Mitarbeitergesundheit rechtlich befasst sind, zusammen, um den stationären Einrichtungen Hilfestellung zu geben, sich in der Vielzahl der rechtlichen Anforderungen besser orientieren zu können, und mit den Unternehmen zusammen die pflegerische Versorgung weiterzuentwickeln.

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