Grüne: „Friedrichshafen ist für Urlauberansturm nicht gerüstet“

Lesedauer: 5 Min
So eine Kennzeichnung wie in Freiburg wünschen sich die Grünen auch für Fahrradstraßen in Friedrichshafen.
So eine Kennzeichnung wie in Freiburg wünschen sich die Grünen auch für Fahrradstraßen in Friedrichshafen. (Foto: Gemeinderatsfraktion Bündnis 90/Die Grünen)
Schwäbische Zeitung

Die Grünen-Fraktion in Friedrichshafen wünscht sich ein größeres Augenmerk auf den Rad- und Fußverkehr und fordert die Stadtverwaltung deshalb zum schnellen Handeln auf.

Unter anderem will die Gemeinderatsfraktion, dass Autospuren freigegeben und flächendeckend Tempo 30 eingerichtet wird. Zwar sei Friedrichshafen keine Metropole, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen, aber „wir liegen am Bodensee, wo zu den unzähligen Alltagsradlern im Sommer noch zig Tausend Touristen hinzukommen“.

Der gemeinsame Geh- und Radweg ist viel zu schmal für die Menge der Menschen, die sich dort bewegen. 

Stadträtin Regine Ankermann

Allein auf der Friedrichstraße gebe es jeden Tag brenzlige Situationen und Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern. „Der gemeinsame Geh- und Radweg ist viel zu schmal für die Menge der Menschen, die sich dort bewegen“, findet Stadträtin Regine Ankermann. Außerdem widersprächen sich die Gestaltung (getrennter Geh- und Radweg) und die Beschilderung (gemeinsamer Geh- und Radweg).

Ungelöst sei auch immer noch die Alternativroute vom Alten Friedhof über die Schiller- und Möttelistraße und das neue Brückle in die Stadt. „Am Bahnhof geht’s nicht weiter“, kritisiert Christine Heimpel. „Hier warten wir schon seit Monaten auf eine Antwort der Stadtverwaltung.“

Auch die angekündigten Fahrradstraßen Klosterstraße und Schlossstraße möchte die Fraktion zeitnah umgesetzt sehen – mit entsprechender Fahrbahnmarkierung, um die Autofahrer auf die besonderen Verkehrsregeln auf diesen Straßen hinzuweisen. „Im Zuge dessen sollte man auch die bereits vorhandene Fahrradstraße Schmidstraße entsprechend markieren, die nur schwer als solche erkennbar ist“, sagt Regine Ankermann.

Gleichzeitig sollte die Stadt mehr für den Fußverkehr tun. „Uns ist es schleierhaft, warum sich die Stadt nicht längst um einen kostenlosen Fußverkehrs-Check beworben hat“, sagt die Fraktionsvorsitzende Anna Hochmuth.

Nachholbedarf in Sachen Barrierefreiheit

„Entsprechende Maßnahmen in dieser Hinsicht kämen auch Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen und Eltern mit Kinderwagen entgegen“, findet Regine Ankermann. „In Sachen Barrierefreiheit hat Friedrichshafen durchaus Nachholbedarf“, bestätigt Fraktionskollegin Stephanie Glatthaar.

Gerhard Leiprecht ärgert es, dass Fußgänger den geforderten Mindestabstand oft nicht einhalten können, weil der Gehweg zu schmal sei oder Autos ihn halbseitig zuparken dürfen. Er plädiert für eine Neuaufteilung des Verkehrsraums. „In meinen Augen ist das kostenlose Abstellen von Autos im öffentlichen Raum – finanziert durch alle Bürgerinnen und Bürger – eine völlige Fehlentwicklung der letzten Jahrzehnte.“

Die Grünen sind überzeugt, dass die gesamte Bodenseeregion und auch Friedrichshafen davon profitierten, dass viele Familien nach dem Corona-Lockdown Urlaub im eigenen Land machen. Ob die Stadt dafür gerüstet ist, bezweifeln sie aber. „In Friedrichshafen gibt es keine Echt-BodenseeCard, keinen attraktiven Bodenseeradweg und ein schlechtes Fußverkehrsnetz“, so das Urteil.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade