Große Musik kündet von Schrecken und Verheißung

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Unter der Leitung von Musikdirektor Joachim Trost führen der Philharmonische Chor Friedrichshafen und die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben in Ailingen ein großes Passionskonzert auf. Vorne die Solisten Regine Jurda, Sabine Winter, Johann Winzer und Thomas Gropper (von links). (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Mit einem besonderen Passionskonzert unter der Gesamtleitung von Musikdirektor Joachim Trost hat der Philharmonische Chor Friedrichshafen am Sonntagabend die Zuhörer in der Ailinger St.-Johanneskirche beeindruckt. Der große Andrang zum völlig ausverkauften Konzert hat die Veranstalter fast vor unlösbare Aufgaben gestellt. Kein Wunder, wenn man die Klangkultur des Chores kennt, wenn dazu mit Mozarts legendenumranktem Requiem eines seiner beliebtesten Werke auf dem Programm steht.

Der Wunsch von Pfarrer Robert Müller, nicht beim bloßen Konzertgenuss stehenzubleiben, hat dazu geführt, dass Begleittexte noch tiefer in die Botschaft eindringen ließen. Texte aus der Offenbarung des Johannes ließen vor dem „Zorn des Lammes“ erschauern. Mit mächtiger Wucht schloss sich das „Dies irae“ an die Frage „Wer kann da bestehen?“ an und ließ mit donnerndem Orchester, mit Pauken und Posaunen die Schrecken bis ins Mark erfahren. Wie gestammelt erschienen die Worte des Chores vom verkündeten Grauen, ehe der Chor zu neuem Forte ansetzte und das Solistenquartett den „Rex tremendae majestatis“, den König schrecklicher Gewalten, besang. Noch saßen die Visionen von der Hölle im Nacken, als die Soprane ihr die Bitte um Seligkeit entgegensetzten, vom Piano der Streicher begleitet. Demütig fielen die Männerstimmen in das Flehen ein. Klagende Geigen leiteten das Lacrimosa ein, den Gesang vom Tal der Tränen, die man in einzeln fallenden Silben herabtropfen hörte, ehe der Chor sich im „Pie Jesu“ wieder zu fassen schien, noch einmal fast verstummte und dann zu einem großen Amen aufschwang. Wie erlösend wirkte dann die Verheißung des neuen Himmels und der neuen Erde aus der Offenbarung. Inniger Gesang, dynamischer Lobpreis führten zuletzt zum „Lux aeterna“, für das der Bearbeiter Franz Xaver Süßmayr wieder auf Mozarts originale Eröffnungssätze zurückgriff. Joachim Trost fügte hier noch das abrupt abbrechende Fragment von Mozarts „Lacrima“ an und ging nahtlos über zum „Ave verum“, in dem der große Chor mit schöner Pianokultur um Mariä Beistand in der Todesstunde flehte.

Blasser Tenor, kraftvoller Bass

Nur im Requiem waren die vier Solisten zu hören. Besonders bestechend war der herbe, metallische Klang der Altistin Regine Jurda, ein aparter Kontrast zu Sabine Winters klarer, warmer Sopranstimme. Während Tenor Johann Winzer blass blieb, überzeugte Thomas Gropper – der designierte künftige Leiter der Birnauer Kantorei – mit warm fließendem, kraftvollem Bass.

Markant und ohne falsches Pathos hat Gropper zudem die Texte gelesen. Im ersten Teil predigte Papst Johannes Paul II. von der Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit und Mozart sprach in einem Brief an den Vater vom Tod als Schlüssel zur wahren Glückseligkeit, während der Text der hl. Therese von Lisieux zum Kreuz und einem Leben in Liebe hinführte. Die Stimmung inniger Gläubigkeit hatte eingangs Gabriel Faurés von Harfe und Streichern begleitetes Jugendwerk „Cantique de Racine“ aufgebaut, ebenso innig klang der Doppelchor in Franz Biebls „Ave Maria“, dramatisch dagegen das „Eli, Eli!“ des Ungarn Georgius Bárdos, das mit mehrfach im Glissando abstürzenden Rufen den Todeskampf Christi bis zum stillen Aushauchen nachzeichnet. Waren diese Werke a cappella gesungen, vereinten sich im Requiem die Musiker der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben mit den Sängern zum großen Tongemälde.

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