Großartige Wiederaufführung der Zeppelin-Sinfonie

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Das Stadtorchester Friedrichshafen spielt im GZH die Zeppelin-Sinfonie.
Das Stadtorchester Friedrichshafen spielt im GZH die Zeppelin-Sinfonie. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Die Musik zu den Blockbuster-Filmen „Star Wars Saga“, „Harry Potter“ und dem „Dschungelbuch“ traf beim unterhaltenden Herbstkonzert des Stadtorchesters Friedrichshafen bei den zahlreichen Zuhörern voll ins Schwarze. Mit der Aufführung der Zeppelin-Sinfonie, von Thomas Doss im Jahr 2008 zum 100-jährigen Jubiläum der Zeppelin-Stiftung komponiert, setzte MD Pietro Sarno nach der Pause ein starkes Ausrufezeichen seiner noch kurzen Laufbahn in Friedrichshafen. Nicht nur dass er seine Musiker professionell durch das anspruchsvolle, in der Höchststufe angesiedelte Originalwerk führte. Das von ihm ausgewählte Filmmaterial aus dem Fundus des Zeppelin-Museums, gleichzeitig im Hintergrund projiziert, ergab, zusammen mit der Musik, atemlose Aufmerksamkeit im Publikum.

Leicht verdauliche Kost, mit hohem Wiedererkennungswert, aber in anspruchsvollen Arrangements, gab es im ersten Teil zu hören. Die weltbekannte Blechbläser-Fanfare mit dem voll klingenden Hauptthema vom Meister der Filmmusik John Williams führte gekonnt in die Welt der Jedi-Ritter der „Star Wars Saga“. Sehr plastisch herausgearbeitet waren die musikalischen Leitmotive mit Satz- und Soloqualitäten für die Hauptfiguren wie Joda, Darth Vader oder die Prinzessin Leia. Die zahlreichen Tutti-Abschnitte erblühten in perfekter Rhythmik zu strahlendem Forte-Klang. In der Musik zum Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ging Williams einen anderen Weg: Er malte musikalische Bilder. So führten Glockenspiel, Vibraphon und Klavier zart in die geheimnisvolle Zauberwelt. Der Holzsatz übernahm in sonorem Klang mit dem Thema der Eule Hedwig, stellte die Vorzüge des neuen Flugbesens „Nimbus 2000“ mit schnellen Läufen vor. Das hohe und tiefe Blech überzeugte in der Hymne „Hogwarts Forever“ mit rundem, blitzsauberem Klang.

Wiederum eine andere Möglichkeit der Filmmusik liegt dem Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“ zu Grunde. Hier bekommen die handelnden Personen einen eigenen Auftritts-Song. Großes Schmunzeln im Publikum bei „Versuchs mal mit Gemütlichkeit“ vom Bären Balu, der Elefantenparade von Colonel Hathi, dem Affenkönig-Song oder das Geier-Lied „Seid zur Freundschaft bereit“. In verschiedensten Stilrichtungen präsentierte Sarno „Charles Chaplin“ in einem Arrangement von Marcel Peeters. Da watschelte Charly in der „Morning Promenade“ quasi über die Bühne. Voller Big Band Sound und mit vorwärts gerichtetem Swing, mit Oben und Trompetensolo, bei „This is my Song“ oder im „Green Latern Rag“.

Erlebnis für Auge und Ohr

Zarte, heitere Klänge beim geräuschlosen „fahren“ in der Luft des Zeppelins, Maschinengeräusche oder harte Metallklänge im Werk der Luftschiffe, komplexe Rhythmen, die die Besessenheit des Grafen, seine Visionen verdeutlichen sollen, trefflich Soli für seine „Idee fixe“ aber auch Kriegsgeräusche oder großes Unglück bis zur Reinkarnation. Dies und noch mehr, wie einige Einschübe avantgardistischer Klangfarben, setzte das Stadtorchester mit großer Präsenz unter der Sicherheit ausstrahlenden Leitung von Sarno musikalisch um. Das Filmmaterial vom Atlantiküberflug, der Weltfahrt der Graf Zeppelin mit Journalisten an Bord, der Kommandobrücke, dem Bordrestaurant, dem Abstieg des Technikers in die Motorengondel während der Fahrt, die Gießerei in Friedrichshafen aber auch das Unglück in Lake Hurst verwob sich mit der Musik zu einem unvergesslichen Erlebnis für Auge und Ohr.

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